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Derek Webb - ''one zero [acoustic]''
  Derek Webb - "one zero [acoustic]" (2007)
 
Derek Webb - ''one zero [remix]''
  Derek Webb - "one zero [remix]" (2007)
 

Derek Webb
"one zero [acoustic]"


   ( 2007 INO Records / Gerth Medien; online )

Derek Webb
"one zero [remix]"


   ( 2007 INO Records / online )

Wie anders klingt wohl ein Akustikkünstler, wenn er Akustikversionen seiner Stücke spielt? Das fragte eine Stimme spitz im Derek-Webb-Forum, als über "one zero [acoustic]" gemunkelt wurde. Dass ein Album schon vor der Veröffentlichung Diskussionen auslöst, scheint zum Programm des Singer-Songwriters zu gehören. Der ehemalige Sänger von Caedmon's Call, der Kultur und Business im heutigen Christentum gerne kritisch durchleuchtet, ist selber nicht gerade geschäftsuntüchtig und scheint seine Public Relations bewusst und auch risikofreudig zu pflegen. Er lässt sich für die Verbreitung seiner Musik einiges einfallen und bleibt dabei nah am Publikum: Hauskonzerte, Live-Tracks (und die Duldung von "Bootlegs"), alternative Versionen, Konzert-DVD, Podcasts, Gratis-Downloads und Online-Exclusives, De-luxe-Angebote und Merchandising-Artikel ... und neuerdings die Plattform Noisetrade.com.

Auf aussergewöhnliche Musikprojekte abonniert

Jedes seiner Projekte fiel bis jetzt aussergewöhnlich aus: Das folkige Solo-Debüt "She Must And Shall Go Free" (2003) sorgte mit Kirchenkritik und explizitem Wortschatz für Boykotts. Dann folgte das Ein-Mann-Unternehmen "The House Show" (2004), das Predigt und Gesang verband. In "I See Things Upside Down" (2004) betrieb er zu experimentellen Klängen weiter Kultur- und (Selbst-)Kritik. "Mockingbird" (2005) begeisterte mit beatleskem, iPod-freundlichem Retrosound und forderte mit sozialpolitischen Gedankenanstössen heraus. In einer kühnen Aktion liess Derek Webb seine Spottdrossel später im Web frei. Die Marktoffensive, die seither vielfach nachgeahmt wurde, geschah nicht einfach so aus Menschenfreundlichkeit. Bedingung fürs kostenlose Herunterladen war vielmehr, dass der User die Mailadressen von Freunden angab, die wiederum eingeladen wurden, Webbs Musik anzuhören und zu teilen. Wie von ihm vorausgesehen, steigerten sich – neben über 80'000 Gratis-Downloads – seine übrigen Verkäufe massiv. Er kam ins Gespräch. Seine Musik zu Gehör.

Song-Recycling: 1 Mal elektrogesättigt ...

Und nun schob er also im Januar das (wieder kostenpflichtige) Projekt "one zero" nach. Es besteht aus zwei CDs und ist eine besondere Art Recycling. Eine Auswahl bisheriger Markenzeichen-Songs in Remixes und Akustik-Versionen. Die nur digital erhältlichen Tracks von "one zero [remix]" sind gemäss den Clips überraschungsreich und ziemlich "cool" ausgefallen. Zerklüftet beginnt "Better Than Wine" mit seinen atmosphärischen Keys und Trip-Hop-Anleihen. "Ballad in Plain Red" versprüht, passend zu den bissigen Versen, unterkühlte Klangblitze, während "Medication" anfangs sphärisch dahinschwebt. Futuristisch piepst, flirrt und knistert es in "A King And A Kingdom". Selbst Kenner werden in den ersten Takten oft rätseln, was da wohl folgt. Produzent Will Hunt hat die Gesangsspuren, die von den Studioaufnahmen herstammen, in einen unvertrauten, anders gestimmten Electronica-Sound eingepackt – und auch ein wenig an der Performance des Sängers herumgebastelt. 10 Derek-Webb-Klassiker, ganz neu gehört!

... und 1 Mal solo an der Akustikgitarre

In voller Länge liegt mir "one zero [acoustic]" vor. Und damit sind wir bei der eingangs gestellten Frage, wie anders diese "Acoustics" wohl klingen. Die Antwort: kaum anders, sondern so, wie man die Lieder in Erinnerung hat. Derek Webb folgt geradezu sklavisch seinen eigenen Vorgaben, weicht so gut wie nie von der bekannten Melodie ab, auch in den meisten Intros und Bridges nicht. Jams und Improvisationen fehlen. Der Gesang klingt allerdings weniger krächzend als auch schon, oft fast schon zahm. Dadurch wirken diese 10 Einspielungen nur mit Gitarre (übrigens dieselben Songs wie in den Remixes) irgendwie verhalten und konzentriert, besonders fällt mir dies beim einst – und auch im Remix noch – so sprühenden "Take To The World" auf. Die Abweichungen von den früheren Studioversionen sind fein ausgefallen: ein gemütlicheres Tempo im Opener "Mockingbird" oder ein toller Akkordeon-Effekt der hellen Gitarren in "Wedding Dress", eine längere Einleitung oder eine andere Tonlage.

Derek Webb 2007 In den Liedern von "I See Things Upside Down" fehlen hier zwangsläufig die stimmungsvollen Klangteppiche. Ihr Gesang klingt zwar sehr packend, aber wie gehabt. In "I Hate Everything (But You)" wartete ich natürlich vergeblich auf Hörner und Glockenspiel. Die bluesig sprechgesungenen Verse von "Ballad in Plain Red" beklemmen ohne die scheppernde Band-Begleitung fast noch stärker. Hier ist kein Überhören möglich! "Rich Young Ruler" hat das zarte Intro und sein Pop-Gefühl auch in der abgespeckten Version bewahrt. Eindrücklich finde ich die Folk-Ballade "Lover" am Schluss. Hier hält Derek Webbs wehmütiger Gesang über alle fünf Strophen die Spannung aufrecht, während seine Gitarrenbegleitung den Konzertgriffen den Vorzug gibt und auf die wiegenden Läufe der Studioversion verzichtet. Was die hörenswerte Botschaft dieser 10 Songs betrifft, sei auf unsere früheren Rezis verwiesen.

Fazit: Derek Webb ist ein erstaunlicher Kopf. Einerseits selbstkritisch, furchtlos auch, was seine Rolle als unbequemer Mahner angeht. Anderseits ironisch und auch etwas widersprüchlich (sein Camouflage-Outfit trotz kriegskritischen Songs ...). Das 2-CD-Projekt "one zero" bestätigt einmal mehr, dass er Lieder komponiert, die Bestand haben und nicht einfach nur heisse Luft sind. Sie fahren sowohl in den Studiotüfteleien als auch live mit voller Band oder nur solo mit Gitarre ein. Ich bezweifle aber, dass die Akustik-Best-of als weiterer Beweis nötig war. Als Konzert-Erfahrung empfehle ich lieber "The House Show" und die DVD, als Einstieg "She Must And Shall Go Free" und "Mockingbird". Als Fortsetzung dann "I See Things Upside Down" und sein neues Rock-Album "The Ringing Bell" (2007) und für die Unersättlichen die Remixes, die es jedoch nur online zu holen gibt.


—Monica Seidler für CCM-Rezis, Juni 2007

1. CD: Derek Webb - "one zero [acoustic]"
Daten:
10 Titel / 42 Min.
Musikstil: Folk-Rock, Acoustic, Singer-Songwriter
Label(s): 2007 INO Records, USA / Gerth Medien, Asslar; online
Website: http://www.derekwebb.com

Wo reinhören und kaufen?:
Gerth-Shop / Profimusic (CH)


2. CD: Derek Webb - "one zero [remix]"
Daten:
10 Titel / 41 Min.
Musikstil: Singer-Songwriter, Electronica, Remix
Label(s): 2007 INO Records, USA
Website: http://www.derekwebb.com

Wo reinhören und kaufen?:
Discrevolt.com (USA) / iTunes (USA)


weitere CDs — siehe Derek Webb-Künstlerseite >>
 


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