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 Zeichen
der Zeit (Projekt/Verschiedene)
"du bist nicht allein" (Single)

( 2003 BATB Music/Sony / 'Plattenläden';
online )
Zwar "nur" eine Maxi-Single mit fünf Liedern, aber dafür
gleich so ein langer Text? Naja, es gibt einiges zu (er)klären. Aber lies
doch einfach selbst nach:

'Zeichen der Zeit' - wurden sie erkannt?!? - Dies
ist ein neues All-Star-Projekt in/aus deutschen Landen. Jedoch ist es
kein so gewöhnliches Zusammenkommen: Hier soll es um Religion, um Gott,
um den Glauben gehen. Sagt man zumindest. Nachdem solche Projekte meist
nur Geldsammeln für Labels oder Hilfsprojekte dienen, ist es hier eine
Art Freundestreffen, weil der "gleiche Geist" verbindet. Die Initiative
ging aus von Mischa Marin von der Band mit dem DDR-like Namen Allee der
Kosmonauten. (Seinerzeit wurden sie von Herbert Grönemeyer entdeckt und
gefördert.) Beteiligt sind folgende Sänger/Musiker aus der säkularen Szene:
Yvonne Catterfeld, Ben, Patrick Nuo, Laith Al-Deen, Xavier
Naidoo, Mischa Marin (Allee der Kosmonauten), Rolf Stahlhofen (auch
von Söhne Mannheims), Paddy Kelly und Claus
Eisenmann (Söhne Mannheims). Sowie aus der christlichen Musikszene: Michael
Janz (Beatbetrieb), Judy
Bailey, Sarah Brendel, Claas
P. Jambor und DannyFresh (W4C). - Ach ja,
und für einen guten Zweck ist es dann doch noch. 'World Vision', vertreten
mit deren deutscher Botschafterin Judy Bailey, bekommen einiges von den
Verkaufserlösen.

Für die Single gab es bereits vor dem offiziellen Erscheinungstermin Tausende
Vorbestellungen - nach dem Anlaufen bei den Fernseh-Clipkanälen und im
Radio gut verständlich. Und in der Tat: Die Musik ist sehr eingängig und
aktuell produziert. Sahnestück bei dem Song ist der soulige Refrain -
eine richtige Ohrwurm-Hookline. Ansonsten wurde der Gesang praktisch Zeilenweise
unter die 14 Damen und Herren aufgeteilt - nicht immer ein Ohrenschmaus,
der ständige Stimmenwechsel. Interessant ist, daß es sogar einen englischen
Vers gibt und einen Rap, den erfreulicherweise DannyFresh selbst schrieb
und natürlich eigenmündig rapt.

Den Titelsong gibt es gleich in vier Versionen. Eine Radioversion bietet
genau das, was man von einem dreineinhalb-Minuten-Popsong erwartet. Der
Rappinhood-Remix überzeugte mich nicht ganz, da er kaum anders klingt.
Sehr gut gelungen ist jedoch der Binary-Remix, wo die Strophen umgestellt,
sowie die Klänge gut aufgepeppt wurden. Außerdem singt da noch eine 15.
Sängerin mit, namens Yvonne Betz! Als fünftes Lied im Bunde gesellt sich
übrigens ein Bonus-Track hinzu, von der Initiatorenband Allee der Kosmonauten.
"Wohin" ist erstklassiger Deutsch-Rock (produziert von Udo Rinklin!) und
gefällt mir noch besser als "du bist nicht allein" - es rockt mehr und
die Melodie ist schöner. Es hat einen leicht "dunklen" bzw. mystischen
Touch.

Der Liedtext von "du bist
nicht allein" (das sagen die UFO-Gläubigen übrigens auch...) ist einfach
nur oberflächlich, und bei genauer Betrachtung ziemlich sinnentleert.
Ständig wechselt die Erzählerperspektive. Beim Chorus hat man Eindruck
als würde "Gott" selbst zu einem sprechen - eine Anmaßung! Wenn man sich
anschaut, wer den Text geschrieben hat, wird einiges klarer: Xavier Naidoo
hat neben Mischa Marin und DannyFresh mitgewirkt. Und das ganze mutet
auch an wie direkt von Xaviers Doppelalbum "Zwischenspiel
/ alles für den Herrn" (2002). Eigenartige Bilder und Vergleiche,
die man praktisch nicht entkodieren, dafür aber jederzeit individuell
anpaßbar interpretieren kann. Daher wohl auch das hohe Interesse an dem
Song-Projekt, weil man sich schnell selbst in den Text "hineinmanövrieren"
kann - die direkte Ansprache des "Du's" einmal außer Acht gelassen. Trotzdem
hat das Lied eine sehr notwendige Textzeile: »Komm zur Ruh«.
Darin kann auch ich mich wiederfinden und diese Erkenntnis bzw. Aufforderung
paßt genau in unsere Zeit und ist wohl gerade für junge Leute in der sich
anbahnenden Weihnachtszeit bitter nötig. (Ich meine mit dem "nötig" natürlich
das innerliche zur-Ruhe-kommen - Seelenruhe und Herzensfrieden. Weihnachten
sagt uns allen, daß es dies nur bei Jesus gibt!)

Es stellen sich folgende Fragen: Wer ist mit "Gott" gemeint (in den Statements
der beteiligten Künstler)? Warum taucht die Wörter "Jesus" bzw. "Gott",
"Herr" nicht im Text auf? Warum so ein wischi-waschi-Projekt, das "weder
Brühe noch Fleisch" ist? Wem ist mit so was gedient? Vielleicht einer
kommenden "Einheitskirche", die alle und alles in sich aufsaugt, was nach
Religion bzw. Christentum riecht. Jeder soll, darf, kann mitmachen, ja
niemanden ausschließen, deshalb erfinden wir gleich eine neue Sprache...
- Das ganze Projekt hier erscheint mir wie Trittbrettfahrerei: Da gibt
es einen Trend mit religiös angehauchter Musik und "hoffnungsvollen" Texten
und schon wird es gnadenlos ausgeschlachtet. Um authentisch zu wirken,
holt man sich einige Leute aus der "echten" christlichen Musikszene, die
dann ein paar Statistenrollen übernehmen und für gute Publicity sorgen
dürfen. Mir ist nicht ganz klar, warum diese sich darauf einließen. Um
ihren Bekanntheitsgrad zu steigern? Oder stehen sie 100%ig hinter diesen
unklaren Aussagen?

Etwas deutlicher als das Titellied dieser Single-CD trumpft der Bonus-Track
"wohin" textlich auf: Im Abspann wird eine Übertragung einer Passage aus
Psalm 139 verlesen und damit zum ersten und einzigen Mal konkret auf das
Christentum verwiesen. Die Strophen dieses Liedes sind zwar schöne Lyrik,
aber ergeben für mich im Zusammenhang leider keinen richtigen Sinn. Höchstens
vielleicht den, einer Traumreise ohne genaues Ziel... Naja, die obigen
Fragen könnte man durchaus auch an diesen Liedtext
stellen...

Fazit: Mal ehrlich, die Musik klingt sehr gut. Was jedoch den Liedtext
und die durch das gesamte Projekt vermittelten Inhalte angeht, so ist
absolute Vorsicht geboten! Aufgrund der religionsvermischenden Tendenz
in den Aussagen und weil hier alles wie ein großer Kompromiß aussieht,
kann ich das Single-Projekt aus biblisch-christlicher Perspektive nicht
empfehlen.
P.S. Eine Anmerkung ist doch noch vonnöten: Mir geht es
keinesfalls darum, irgend jemandem der beteiligten Künstler seinen Glauben
abzusprechen, das sei ferne. Dies steht mir überhaupt nicht zu, denn darüber
kann nur der lebendige Gott urteilen! Ich wollte hiermit lediglich einige
Probleme aufzeigen, die sich in der Wirkung der getroffenen Aussagen aus
biblischer Sicht ergeben.
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