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 20.11.2004,
Drebach/ Erzgebirge
live: Albert Frey, Andrea Adams-Frey & Band
Daß sich die CDs von Albert
Frey und seiner Ehefrau Andrea Adams-Frey
mittlerweile bestens in Deutschland verkaufen, dürfte bekannt sein. Eben
dieser Umstand war auch der Grund für ihr Konzert am 20. November 2004
in der Kirche in Drebach im Erzgebirge. Ein christlicher Laden und die
örtliche Kirche hatten die beiden Ravensburger
samt Tour-Band in den Freistaat Sachsen eingeladen, um ihren "Kunden"
die Liedermacher mal zum anfassen präsentieren zu können. Der Tourneestop
war übrigens der einzige in Deutschlands Osten - schon diese Ansage brachte
der Organisatorin sowie der Band tosenden Applaus ein. Und die wohl viel
gedachte - und berechtigte! - Frage, warum es nicht mehr davon in dieser
großen Region gab bzw. gibt? Zumindest war das Gotteshaus an diesem besonderen
Abend restlos überfüllt. Gäste kamen von Hof bis Kamenz, ja es waren sogar
welche aus Greifswald und Brandenburg a.d. Havel vor Ort! Circa 900 (!)
sollen es alles in allem gewesen sein, die inmitten des hereinbrechenden,
eisigen Erzgebirgswinters teilweise hunderte Kilometer auf sich nahmen
und nun das Kirchenschiff und drei Emporen übervölkerten... Und es waren
viele verschiedene christliche Kreise da: Lutheraner natürlich, Katholiken
auch, EC'ler, CVJM'ler, Freikirchler von Baptisten, Brüdern und nicht
zu vergessen, allerlei pfingstlerischen Fraktionen. Insofern dürfte das
Herz der Veranstalter gejubelt haben, die extra einen Wandteppich mit
der Aufschrift "wir sind eins" in der Kirche angebracht hatten. Auch wenn
die Leute nur das eine - die Musik nämlich - hergeführt hatte... Apropos
Veranstalter: Es war alles perfekt organisiert und hat reibungslos geklappt.
Sowas ist nicht selbstverständlich, dafür gibt es ein Sonderlob!

Das
Konzert selbst verlief professionell, jedoch unspektakulär. Außer vielleicht
was die Länge betrifft: inklusive fünfzehn Minuten Pause wurden ganze
drei Stunden gestoppt! Die Musiker waren danach ziemlich erschöpft und
wollten keine zweite - energisch eingeforderte - Zugabe mehr spielen...
Zuvor hatten sie in einem mehr vortragsorientierten Konzertteil etliche
Lieder von Andreas zweitem Soloalbum vorgetragen; nur wenige Klassiker
von Albert wurden eingestreut. Mag sein, daß dies manche Besucher anders
erwartet hatten, aber es war schließlich auch eine Tournee, um "das lila
Album" vorzustellen und zu bewerben. Ihre intensiven, poetischen Songs
kamen an. Nicht zuletzt wegen ihrer faszinierenden, wandlungsfähigen,
bisweilen leicht opernhaften, Stimme. Immer intonierte sie sicher; ihre
leicht rauhe, trotzdem relativ helle Stimme harmonierte hervorragend mit
dieser Art Rockmusik. Unterstützt wurde das sinnliche Erleben durch eine
Leinwand, wo passend zur Musik anregende, aussagekräftige Bilder oder
Farbverläufe sowie wichtige Textpassagen erschienen. Damit wurde das Verstehen
erleichtert und man konzentrierte sich auf die Musik als ein ganzheitliches
Erlebnis.

Während
Andrea mit ihrem Stimmorgan begeisterte, verstanden sich die sie umgebenden
Musiker bestens auf ihren Instrumente: Ihr Mann besonders auf der Akustikgitarre
- die leider im Soundmix stark verloren ging -, Dirk Benner am Keyboard,
Marcus Watta am an der
E-Gitarre, Luca Genta am Baß (abwechselnd auch an Flöten und Kontrabaß!)
sowie Burkhard Mayer-Andersson am Schlagzeug & Percussion. Man merkte,
daß es Profis waren, ihr Sound stark vom Mainstream geprägt, astreiner
Pop-Rock, fast immer radiogeeignet. Experimenteller wurde es nur, wenn
Luca Genta zu den anderen Instrumenten griff und die Musik hin zu Celtic
tendierte. Die Lieder wurden mehr oder weniger "runtergespult", mit Ansagen
dazwischen, die zwar deutlich einen biblischen Jesus verkündigten, aber
kaum persönlichen Bezug hatten. Eine gewisse Distanz blieb auch dadurch
zum Publikum. Für mich war ein Highlight dieses ersten Teils "Jesus, Erlöser
der Welt", der neue "Hit" von Albert Frey, der bereits auf "feiert Jesus!
10" als Studiversion herauskam.

Der
zweite Teil nach der Pause wurde als eine Art Lobpreis-Zeit angekündigt,
jeder sollte das dabei machen, was er wolle, wozu er Lust habe. Es blieb
jedoch mehrheitlich bei der Einladung - zu was auch immer -, denn die
Platzprobleme machten jegliche Bewegung unmöglich. Mehr als simples Aufstehen
war nicht drin. Vielleicht auch gut so; eine enge Gemeinschaft eben...
Die Lieder hatten jetzt etwas mehr 'Drive' und die Liedermacher boten
auch viele ihrer landesweit bekannten Klassiker dar (z.B. "Freude [etwas
in mir]"). Überraschend anders wurde eine stille Anbetungszeit von dem
berührenden "siehst du das Lamm" in eine rauschende Tanz-Session (Andrea
auf der Bühne) bei "lobe den Herrn meine Seele" übergeleitet. Hier schlugen
förmlich die Urwaldtrommeln zur Ausgelassenheit vor dem Herrn. Die Band
hatte sich aber recht schnell wieder gefangen und setzte den gewohnten
Akustik-Rock-Stil fort. Inhaltlich haben die Lieder stark angesprochen
mit ihren einfach verständlichen, deutlichen Texten. Dem konnte man sich
gar nicht entziehen. Als wohltuend empfand ich, daß während des gesamten
Auftritts keine klischeehaften Lobpreis-Chorusse zelebriert wurden. Eigentlich
war es von Anfang bis Ende ein Vortragskonzert, auch wenn ich den Eindruck
hatte, daß Albert streckenweise Ansätze von Lobpreisleiterei einschieben
wollte...

Insgesamt fand ich das Konzert gut veranstaltet und aufgeführt, aber vom
Hocker hat es mich nicht gehauen. Etwas mehr musikalische Abwechslung
(Unplugged, Variationen) und mehr persönliche Einblicke hätte ich mir
gewünscht. Manchmal war es mir zu steril, auch wenn es sehr fetzig rüberkam.
Ingesamt bleibt die Erinnerung an einen interessanten Konzertabend mit
rockiger geistlicher Musik - nicht mehr und nicht weniger.
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