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 23.11.2007,
St. Markus Kirche, Chemnitz (Sonnenberg)
live: Moya Brennan in Konzert "Signature Tour"
Die Signatur der dritten Dimension

(Chemnitz.) Beim dritten Anlauf hat es endlich geklappt: ich konnte Moya
Brennan live erleben! Zum dritten Mal war die Irin in die Konzertkirche
St. Markus nach Chemnitz gekommen. Nach Präsentation ihres Harfen-Konzepts
"two horizons" und ihres Weihnachts-Opus
"an Irish christmas" stand heuer ihr neuestes Album
"signature" auf dem Programm. Mit Liedern von traurigen
Zeiten, guten und schlechten Lebenserfahrungen, wie sie sagte; einige
Stücke reichen thematisch bis in ihre Kindheit zurück.

Moya war gerne wieder in die geschichtsträchtige Industriemetropole
des Freistaates gekommen sie liebt die Atmosphäre dieser ehrwürdigen
(Konzert-) Kirche! Und da war sie sich mit mehr als 500 Besuchern restlos
einig an diesem Abend. Das Publikum, fast ausschließlich Altersklasse
"Zwanzig-plus", gab sich erstaunter Verwunderung über die
Musik hin. Natürlich lauschten ihr einige treue Fans bereits zum
dritten Mal an diesem Ort, doch es waren auch viele Leute zum ersten Mal
in einem Moya Brennan-Konzert. Manche wußten offenbar absolut nicht,
was sie erwartet, doch schnell zeigte der Applaus, das der Funke übergesprungen
war.

Die seit einigen Jahren restaurierte Kirche ist wie geschaffen für
solche Art von Musikveranstaltungen: eine Hallenkirche mit brillanter
Akustik und gut einsehbarem Altarraum bzw. Bühnenbereich. Moyas Musik
erstrahlte hier in einer für mich neuen Dimension: die Klänge
bekamen eine ganz besondere räumliche Dimension gegenüber den
(schon sehr guten) Studioaufnahmen. Und ebenso gesellte sich eine optische
Tiefe hinzu durch die raffinierte Lichtshow und installierten Stofftransparente.
Ein faszinierendes Gesamterlebnis der Musik wobei ganz neue Klangbilder
entstehen. Und bei alledem darf man nicht DIE Stimme vergessen: die Diva
des Celtic-Folk-Pop hat mit ihrem Organ den facettenreichen Bandsound
gekonnt verschmolzen. Ihre Stimme besticht durch unglaubliches Volumen
und enorme Wandelbarkeit. Seien es moderne Pophymnen, irische Folksongs
oder zerbrechlichliche Balladen, immer thronen die Vokals majestätisch
über allem. Dabei wird die Stimme praktisch zu einem weiteren Instrument;
nicht allein durch das Chanting, vielmehr durch ihre sehr spezielle Gesangstechnik.
Gerade bei den gälischen Folk-Stücken zeigt die Künstlerin
ihr ganzes Können - und kann ihre langjährige Erfahrung als
Frontsängerin von Clannad voll ausspielen.

Dargeboten
wurde eine Melange aus "signature"-Stücken, einigen Liedern
von vorherigen Alben ("perfect time",
"whisper to the wild water", "two
horizons"), aber eben auch einige ältere Stücke aus
der Hochzeit der irischen Folkband Clannad, die sich derzeit in einer
Schaffenspause befindet. Moyas Band war dabei absolute Spitze! Mit großer
Spielfreude und für deutsche Verhältnisse (leider) ungewöhnlichen
Instrumenten zogen sie die Zuhörer schnell auf ihre Seite. Acht Personen,
inklusive Moya Brennan, standen da vorn auf der Bühne, doch man hatte
bisweilen den Eindruck ein Orchester spiele auf: Energie pur, jedoch mit
Esprit und Leichtigkeit. Zuweilen erinnerte die Truppe an eine Jazz-Formation
mit ihrem Zusammenspiel, der Improvisationsgabe und der schnellen Wandlungsfähigkeit.
Die "moderne" Fraktion mit Baß, Gitarren und Keyboard
setzte die eine Säule des Sounds. Mit der "traditionellen"
Fraktion, unter anderem mit Flöten, Whistles, Violine und Bongos/
Drums, wurde eine zweite Säule eingerammt. Die perkussiv dominierte
Musik klang am schönsten, wenn zwei Harfen im Vodergrund standen,
von denen eine häufig Moya selbst spielte. Diese "Arbeitsteilung"
ermöglichte die musikalische Bandbreite überhaupt erst. Sicherlich
auch, weil Moyas musikalischer Direktor, Fionán De Barra, selbst
in der Band spielt und ihre letzten Alben betreut und mitproduziert hat.
Bis auf den Bassisten haben alle Bandmitglieder auch Backgroundgesang
beigesteuert und damit noch eine weitere Dimension zum Klangerlebnis hinzugefügt.
Besonders gut kamen dabei die Duette mit Fiddle-Spielerin Sinéad
Madden an.

Der Abend hat mir ein weiteres Mal gezeigt: Moya Brennan leichtfertig
unter "New Age" einzuordnen, ist eine Zielverfehlung. Es ignoriert
nämlich vollkommen die Bandbreite und die Wurzeln ihrer Musik und
zeigt lediglich eine erschreckende Unkenntnis auf. Die keltischen bzw.
gälischen Elemente ihrer Musik, ihre "irische Biographie"
sowie ihr wiedergefundener christlicher Glaube haben allesamt nichts mit
einem "New Age" zu tun, bestenfalls mit einem "Old Age".
Damit ist Moya eine Botschafterin dieser alten (Musik-) Kultur und man
spürt es sofort ab, wie sie DAS lebt. Alles ist natürlich, es
ist ihre Persönlichkeit. Sie macht nicht "Celtic", weil
es gerade Trend ist oder es einen gewissen Markt dafür gibt, nein,
sie macht es, weil es ihr Leben ausmacht. Ihre Lieder transportieren ihre
Lebenserfahrungen, Kultur, Heimat und Geborgenheit in Gott. Man könnte
es kaum besser verbinden und auf eine Bühne bringen. Vielleicht ist
diese Natürlichkeit und diese Lebensfreude auch der Grund, warum
ihr das Publikum so zu Füßen liegt. Keine Starallüren,
sondern Freundlichkeit und demütiges Auftreten. Selten gewordene
Tugenden im Musikgeschäft.

Irgendwie scheinen sich genau deshalb Herzen gefunden zu haben an diesem
Abend: Das Publikum will Moya und ihre Band gar nicht gehen lassen. Spontan
kommen sie zu einer zweiten Zugabe heraus und dann legen die acht Musiker
noch einmal los. Ein altes Clannad-Stück wird regelrecht zelebriert
mit Dramatik und Energie, daß einem der Atem stockt. Plötzlich
beginnt Moya zu tanzen und das Lied nimmt an Fahrt auf. Nochmals donnern
Begeisterungsstürme los. Doch der Schlußpunkt des knapp dreistündigen
Abends mußte unweigerlich kommen. - Ein Konzert, ein bißchen
wie Sonnenschein und das mitten in November auf dem Chemnitzer Sonnenberg.
Moya Brennan & Band zeigten uns hier die Signatur der Dritten Dimension.
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