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 8.3.2007,
Eppendorf
live: Sarah Kaiser Band & Andreas Melessa in
Konzert "Gast auf Erden"-Programm 2007
(Eppendorf.) Rund 500 Erdengäste waren am 8. März
2007 in die große Kirche des kleinen Ortes Eppendorf gepilgert,
um dem 400. Geburtstag Paul Gerhardts
zu gedenken. Und nicht nur zu "gedenken", sondern in Form eines
Konzertes zu genießen, zu vergegenwärtigen, in die eigene Welt
"herüberzuholen". Ausgestalter dieser außergewöhnlichen
Geburtstagsfeier waren die Jazz-, Soul- und Gospelsängerin Sarah
Kaiser und ihre Band sowie Andreas
Malessa, prägende Gestalt der jüngeren christlichen Kulturszene
Deutschlands. So selten wie diese Künstler im Freistaat Sachsen gastieren,
so schön war es, zahlreiche Besucher vorzufinden: aus den Regionen
Freiberg und Chemnitz; von Ost- bis Westerzgebirge. Und erstaunlich auch
der Mix der Generationen: zahlreiche junge Leute diesseits und jenseits
der 20, die mittlere Generation, bis weit in die "Rentnergeneration"
hinein. Offenbar sind sie alle nicht nur für das Leben Paul Gerhardts
offen, sondern gleichermaßen angezogen von zeitgenössicher
christlicher Musik.

Das
Geburtsprogramm basierend auf Sarah Kaisers Gerhardt-Interpretationen
ihres 2003er Neuzeitklassikers "Gast
auf Erden" sowie einigen Stücken des neuen 2007er Albums
"Geistesgegenwart"
war perfekt durchorganisiert und dennoch eine lebendige, "echte"
Show. Bei der von der Schweizer "profile
productions" hochprofessionell in Szene gesetzten Choreographie
des Abends verschmolzen Lieder & Lyrik mit Anekdoten, Hintergründigem
und jeder Menge Humor. Für Ersteres stand Sarah Kaiser mit ihren
"drei Jungs", die ihre Stimme eindrucksvoll begleiteten. Für
Zweiteres sorgte Andreas Melessa zielsicher, informativ und herzergreifend.
In der Verflechtung beider Stränge - beinahe unschlagbar - lag eine
fast unglaubliche Konzerterfahrung in ihrer Intensität. Malessas
Eröffnung des Abends aus einer Kirchenbank heraus brach sofort das
Eis, setzte gleichzeitig die erste thematische Duftmarke, mit dem Schlagwort
Arbeitslosigkeit, mitten in einer europäischen Europas, die das noch
immer durchbuchstabiert...

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Sarah
Kaiser Band (v.l.n.r.): Sarah Kaiser (Gesang), Lars Binder (Schlagzeug),
Samuel Jersak (Piano) und Martin Simon (Bass). |
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Seine sprachlichen Widerborstigkeiten ließen das
Publikum nicht in Ruhe, verliehen dem Abend intellektuelle, historische
und vor allem geistliche Würze, die aber immer wieder mitten in den
Alltag zielte. Denn eines ist klar: Das Leben des anhalted hochpopulären
Liederdichters und Pfarrers fasziniert bis heute generationenübergreifend.
Jeder findet etwas, wo er sich wie im Spiegel erkennen kann, inklusiver
gleicher oder ähnlicher Umstände (z.B. arbeitslos; gescheiert;
gemobbt; alleinerziehend; Vollwaise...). Malessa, der das Liedermacher-Bühnen-und-Hinterbühnenleben
aus eigener Erfahrung kennt, war mit seinen journalistischen Fähigkeiten
die Idealbesetzung für den Job des Erzählers über Gerhardt,
ebenso des Reporters, der ihn Fragen an den Kopf knallte, und auch des
Christen, der die geistlichen Erkenntnisse, Zuversichten und die Herzensfreude
über-setzte ins 21. Jahrhundert.

Während
der Denker über den Dichter seine Runden auf der Bühne und im
Kirchenschiff drehte, zogen mit der "schwarzen" Stimme aus der
Bundeshauptstadt emotionale Duftwolken in Ohren und Herzen der Gäste.
Ihr Organ fesselte und machte damit die Dramatik im Leben des Gezeichneten
und Zuversichtlichen mit- und nachfühlbar. Neben den bekannten "Hits"
brachte sie auch weniger populäre (zumindest in freikirchlichen Kreisen...)
Perlen zu Gehör. Frau Kaiser warf mehrmals den Begriff "Gospel"
in den Raum - und was anderes hat sie mit ihren Liedinterpretationen letztlich
nicht gemacht bzw. erreicht! Ein mitreißender Groove, der soviel
britisch-amerikanische Musikalität atmete, daß man kaum glauben
konnte sich einer Kirche mitten in Deutschland zu befinden und vom Klang
alter Paul-Gerhardt-Choräle eingehüllt zu sein. Lars Binder
am Schlagzeug, Martin Simon am Bass und (Sarahs Produzent!) Samuel Jersak
am E-Piano sorgten mit ihrem instrumentalen Fundament für Fingerschnipsen,
viel "Mitgehen" und große Begeisterung über "so
viel Schwung" - gerade bei den mittleren und älteren Semestern.

Im
mehr als zweistündigen (!) Programm war sogar Platz für zwei
englischsprachige Titel vom "miracles"-Album
(2005), die nach der Pause erklangen und sich für den sprachgewandten
Mitdenker im Publikum auch thematisch wunderbar zu Gerhardts Biographie
einfügten. Im letzten Drittel des Abends steigerte sich die Dramatik
in Inhalt und Musik, etwa als "O Haupt voll Blut und Wunden"
erklang, wurde das Publikum in ein herausforderndes Wechselbad der Gefühle
getaucht - nicht nur wegen der Stecknadel-Stille und den Stakkato-Passagen
im Arrangement. Vor allem wegen dem Bild des leidenden Christus, in dem
sich die zentrale Botschaft des Lebens von Paul Gerhardt und ebenso dieses
Konzertabends bündelte. Damals hat Er alles mit-getragen und vergeben,
genau wie heute. Er wurde zur Identifikationsfigur, zum gnädigen
Seelen-Liebhaber - und kann das heute wieder werden - für jeden!

Mit
heiterer Anbetung neigte sich der facettenreiche Geburtagsstrauß
seinem Ende, als bei "Du meine Seele, singe" auch die Besucher
mit einstimmten und mitfeierten. Nach der obligarischen Zugabe folgten
einige Augenblicke der Besinnung, die zeigten wie die Botschaften und
Emotionen nachwirkten - und weiterhin werden!

In diesem Sinne gilt den lokalen Veranstaltern, dem Tour-Team sowie natürlich
den Künstlern Dank für ein ausgezeichnetes Galaprogramm zu Ehren
eines der wirkungsmächtigsten deutschen Dichter und Denker - und
Christen! Die Tournee-Agenda im März 2007 deckte bereits einige der
einstigen Wirkungsstationen Paul Gerhardts ab (u.a. Gräfenhainichen,
Wittenberg, Berlin), weitere werden auf der Herbsttournee 2007 einbezogen
(u.a. Lübben im Spreewald!). Wer es noch nicht gesehen hat, dem sei
dieses "Geburtsgeschenk zum Teilhaben" ausdrücklich ans
Herz gelegt, auf das noch viele Erdengäste an einen ihrer Vorläufer
erinnert, von ihm und seinem Gott berührt werden.
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