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 C.
S. Lewis
"Die Chroniken von Narnia"

( 2005 Ueberreuter Verlag / 'Buchhandel';
online )
»Pollys Herz machte einen Sprung.
Sie war sicher, dass dies ein Ruf gewesen war und dass jeder, der ihn
hörte, diesem Ruf freiwillig folgte, ja mehr noch – dass er ihm folgen
konnte, wie viel Welten und wie viel Jahrhunderte auch dazwischen liegen
mochten.«
("Das Wunder von Narnia", S. 55)
Einladung zum Selberlesen

Der Walt-Disney-Film "The Chronicles of Narnia: the Lion, the Witch,
and the Wardrobe", der an Weihnachten [Anm.: 2005] in unsere Kinos
kommt, mag packend-märchenhaft werden, der "Inspired
by"-Soundtrack von EMI ganz nett und zeitgenössisch klingen.
Doch beides ersetzt nicht das berühmte Original: Band 1 der "Chronicles
of Narnia", auf Deutsch "Der König von Narnia" betitelt.
Wer nur das Mystische oder Unheimliche, Magie und Action sucht, verpasst
bei C. S. Lewis Wesentliches!
Der anglo-irische Gelehrte und Schriftsteller, der vom Atheismus über
den Theismus zum christlichen Glauben fand, bringt in seinem fantasievollen
Klassiker Kindern nicht nur sprechende Tiere, Faune, Zwerge und Prinzen
näher, sondern auch biblische Botschaften. Kindgerecht und packend.
Der unzahme, aber gütige Löwe Aslan, der König von Narnia,
ist nämlich ein Bild für Jesus Christus. Er ist eine Erfindung,
die eine bildhafte Antwort auf die Frage gibt, welche Gestalt Christus
annehmen würde, wenn es wirklich so eine Welt wie Narnia gäbe
»und er sich entscheiden würde, Fleisch
zu werden, zu sterben und wieder aufzuerstehen in dieser Welt, so wie
er es tatsächlich in der unsrigen getan hat« (C. S.
Lewis).

Der
beste Schritt ist daher jener in die Bücherei oder den Buchladen,
um die Welt von Narnia aus erster Hand geschildert zu kriegen. Rechtzeitig
ist eine deutsche Gesamtausgabe mit allen sieben "Chroniken"-Bänden
erschienen, die nun neben den Einzelbüchern des Ueberreuter- und
des Brendow-Verlags (wahlweise mit esoterisch anmutendem oder klassischem
Kinderbuch-Cover) und neben diversen Merchandising-Artikeln (Mal- und
Rätselbücher, Film-Tie-ins, Games usw.) in den Buchhandlungen
aufliegt. Die in sich abgeschlossenen Geschichten sind nach der narnianischen
Erzählabfolge und nicht nach ihrem Entstehungsdatum geordnet. "Der
König von Narnia", 1950 veröffentlicht, folgt daher an
zweiter Stelle nach "Das Wunder von Narnia", das im Original
"The Magician's Nephew" heisst und eigentlich erst 1955 erschien.
Den Narnia-Neulingen rate ich, mit der zweiten Geschichte auf Seite 76
zu beginnen.
Allerliebste Illustrationen, bedenkliche Übersetzungsfreiheiten

Die Gesamtausgabe, die von der Aufmachung her auch Erwachsene ansprechen
dürfte und dem bereits 1998 erschienenen englischen Sammelband von
Collins entspricht, folgt noch nicht der Neuübersetzung von Science-Fiction-Autor
Wolfgang Holbein, sondern den Übertragungen von Lisa Tetzner, Ulla
Neckenauer und Hans Eich. Eustace Scrubb heisst hier Eustachius Knilch,
Puddleglum Trauerpfützler oder Shift (neuerdings: Trix) Listig. Sehr
schade ist, dass den Kindern und andern Figuren Kraftausdrücke und
Ausrufe in den Mund gelegt werden, die ich so im einfallsreich, aber auch
verantwortungsvoll geschriebenen Original nicht finde: "I say..."
wird zu "Ach herrje(sus)!", "By gum!" zu "Herr
im Himmel", und wo der englische Digory "Hang it all!"
ruft, flucht der deutsche ausdrücklich. – Wunderbar sind dagegen
die feinfühligen, zart fantasievollen und detailreichen Zeichnungen
von Pauline Baynes. Sie stammen aus der Erstausgabe und zieren hier beinahe
jede der 526 doppelspaltig angelegten Seiten. Auch zum Vorlesen ist das
in kurze Kapitel gegliederte, dialogreiche Märchen bestens geeignet.
Zum Überall-Mitschleppen ist diese Gesamtausgabe hingegen zu sperrig
und zu schwer ;-)

Also: Selber lesen, damit ihr Narnia und seine ganz besondere Atmosphäre
nicht nur durch die Augen von Walt Disney Pictures oder die Stimmen von
EMI kennen lernt! Vielleicht erfährt dann auch ihr, was zahllose
Leser vor euch in diese magische Parallelwelt hineingezogen hat und warum
sie Aslan als ihren "Helden" lieben.
»Aslan«, sagte Lucy, du bist grösser
geworden.« – »Das kommt dir nur so vor, weil du älter
bist, mein Kleines,« antwortete er. »Nicht weil du grösser
bist?« – »Das bin ich nicht. Aber du wirst mich mit jedem
Jahr, das du älter wirst, grösser finden.« ("Prinz
Kaspian von Narnia", S. 259)
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