Daniel
Jacobi, Arne Kopfermann (Hrsg.):
"In Love With Jesus. 'Du bist Herr' The Next Generation." (Liederbuch
mit Spiralbindung)

( 2000 Schulte & Gerth / Gerth
Medien )
Dieses für Deutschland relativ neue Liederbuchkonzept
erschien im Jahr 2000 und knüpft direkt an die "Du bist Herr"-Reihe des
Projektion J-Verlages sowie etwas an die "Feiert Jesus"-Reihe des Hänssler-Verlages
an, richtet sich aber mehr an die Lobpreis-Szene in Deutschland, und hier
besonders an die Jugend, und da wiederum besonders an die Gitarrenspieler.
Mittlerweile liegt die 6. Auflage vor und die Bücher sind zusammen mit
den Begleit-CDs kommerziell sehr erfolgreich. Das sollte jedoch nicht
darüber hinwegtäuschen, daß das gesamte "In Love With Jesus"-Konzept (ILWJ)
auch eklatante Schwächen aufweist, worauf ich im folgenden zu sprechen
komme:

Zum einen kann ich aus praktischer Erfahrung nur das Buch mit Spiralbindung
empfehlen, da die "gebundene" (besser: kartonierte) Ausgabe schnell zur
(vom Winde verwehten...) Loseblattsammlung wird, wenn man sie oft benutzt
(was ja Sinn und Zweck ist!). Und für Klavierspieler ist dieses Buch sicherlich
etwas unpraktisch, denn es gibt relativ viele Stücke, wo ein Umblättern
erforderlich ist... Aber da die meisten Titel sowieso mehr gitarrenorientiert
sind (und auf ihr entstanden sind), dürfte das vielleicht doch nicht so
stark ins Gewicht fallen... Ansonsten bietet das Buch Noten, Gitarrengriffe
und im Anhang einige Grifftabellen für Gitarrenspieler. Das Inhaltsverzeichnis
ist alphabetisch geordnet, es sind sowohl die Titel, als auch Zweit- bzw.
Untertitel hier verzeichnet! Ein thematisches Inhaltsverzeichnis sucht
man vergebens, viele Jugendgruppenleiter werden so etwas sicher schmerzlich
vermissen. Mir persönlich gefällt die Handhabung beim Singen durch das
unübersichtliche Notenbild nicht so sehr, dasselbe Problem habe ich aber
auch bei Hänsslers "Feiert Jesus"-Buch zu bemängeln... Weiterhin gut finde
ich, daß auf vielen Seiten Bibelverszitate aus der "Hoffnung für alle"-Bibel
eingestreut sind - so wird das geistliche Anliegen gut unterstrichen.

Zum anderen möchte ich auf das größte Manko des Werks hinweisen: Die Übertragungen
von englischen Original-Songs bzw. -Texten ins Deutsche ist vielfach daneben
gegangen. Hohes sprachliches Niveau vermißt man oft, das Vokabular der
Hauptübersetzer Daniel Jacobi und Arne Kopfermann ist sehr beschränkt
und ich werde solcher Texte schnell überdrüssig. Auch fällt das Verhältnis
von Übersetzungen zu Neu- bzw. Eigenkompositionen zu ungunsten Letzterer
aus. Im Vorwort steht zudem, daß Englisch die Lieblingssprache der jungen
Generation sei. Das finde ich ja was ganz neues - ich kenne keine Jugendlichen
in meiner Umgebung bei denen das so ist, und die so leichtfertig ihre
Muttersprache aufgeben würden!!! Ich weiß nicht, wo die beiden Herausgeber
das aufgegabelt haben. Das Liederbuch hat zwar ein geistliches Anliegen,
nämlich geistlich-musikalisches Sprachrohr der Jugend zu sein, aber meiner
Ansicht nach, bekommt diese Vision eine Schlagseite: Im Vorwort schreiben
die Herausgeber, daß die vorliegenden Lieder oft sehr gefühlsbetont sind.
An und für sich nichts schlechtes, denn Anbetung soll von Herzen kommen!
Allerdings besteht hier die große Gefahr, daß die junge Generation ihren
Gott zwar "fühlt" (wie und durch was?), aber nicht mehr kennt. Das Gefühl
sollte im Glauben nie an erster Stelle stehen. Im Zusammenhang von diesem
Gefühls-Thema mit den oben angesprochenen Text-Mißständen, fällt außerdem
auf, daß viele Lieder eine Art "erotischen Touch" aufweisen, d.h. sie
wären eher als rein menschliche Liebeslieder geeignet, wohl aber kaum
für den einzig lebendigen, heiligen Gott! Einige Lieder hier sind auch
theologisch arg bedenklich, denn sie gehören in die unbiblische Kategorie
der sogen. "geistlichen Kriegführung", einer Sonderlehre der charismatischen
Bewegung. Weiterhin fand ich äußerst nervenaufreibend, daß viele bekannte
Lieder aus der englischsprachigen Hemisphere einen neuen Titel hier bekommen
haben, z.B. heißt hier aus "obsession" von delirious? plötzlich "what
can I do". Deutscher Ordnungswahn hat da zugeschlagen, indem man Lieder
stur nach den ersten Zeilen der ersten Strophe bzw. vom Refrain benennt.

Positiv hervorzuheben ist, daß das Buch in Bezug auf den deutschen Markt
viel neues Liedgut enthält. Trotzdem gibt es auch hier einige bekannte
Klassiker - die wohl jedes andere Jugendliederbuch auch hat. Die einzelnen
Lieder stammen insbesondere von folgenden deutschen Autoren (Auswahl):
Arne Kopfermann, Lothar
Kosse, Daniel Jacobi, Albert Frey
und Martin Pepper; und diesen
Internationalen (Auswahl): Matt Redman, Andy Park, Brian
Doerksen, Noel Richards, Kevin Prosch, David Ruis, Martin Smith (von
delirious?), Darrell Evans, Graham
Kendrick, Don Moen, 'Hillsong
Australia', 'Vineyard UK', Paul
Baloche, Paul Oakley, Craig Musseau, Chris Falson, Sue Rinaldi, Darlene
Zschech, Lenny LeBlanc und Geoff Bullock. Aber interessanterweise gibt
es auch weniger bekannte Autoren, zum Beispiel ein Stück vom Kanadier
Graham Ord sowie diversen neuen Songschreibern aus Deutschland.

Für mich, der sich nicht der Lobpreis-Szene zugehörig betrachtet, sind
natürlich folgende Songs aus der normalen christlichen Musikszene natürlich
besonders interessant: Man findet den Titelsong der zweiten Jars
Of Clay-CD "much afraid" in diesem Buch (allerdings unter dem Titel
"empty again" - wieso das?), ebenso wie "into Jesus" von dc
Talk (allerdings unter dem Titel "I see the moon" - wieso das?). Außerdem
gibt es noch "in the light" von Charlie Peacock/dc Talk (allerdings unter
dem Titel "I keep trying to find a life"), "we believe in God" von Amy
Grant/Wes King sowie überraschend auch "accepted" von Sarah
Brendel (allerdings unter dem Titel "your eyes meet mine" - wieso
das?). Desweiteren gibt es auch noch zwei eher unbekanntere Stücke von
Carman (jedoch einer davon aus
der fragwürdigen Kategorie der "geistlichen Kriegührung"!). Überraschend
habe ich auch eine alte Hymne gefunden, und zwar "nearer, my God, to Thee",
vom Ende des 19. Jahrhunderts.

Fazit: Man muß als Musiker oder Jugendgruppenleiter entscheiden, welche
Lieder man selber oder in der eigenen Gruppe am meisten singt, und dann
schauen, ob sie hier enthalten sind und sich die Anschaffung lohnt. Grundlegend
ablehnen möchte ich das Liederbuch auf keinen Fall, eine pauschale Kaufempfehlung
aufgrund der Pluspunkte kann und möchte ich jedoch auch nicht aussprechen,
da aus meiner Sicht die Minuspunkte zu stark ins Gewicht fallen. Für manchen
sind sie aber nicht unbedingt von Belang und die entsprechenden Personen
können trotzdem viel Freude an dem Liederbuch haben.
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