Neil
Clark Warren:
"Frosch oder Prinz? Wie man den Prinzen findet, ohne viele Frösche
zu küssen"

( 2003 Schulte & Gerth / Gerth
Medien )
Nichtsahnend lädt Buchtitel und Covergestaltung den Leser
ein, sich einem neuen locker-leicht-lustigen (vielleicht ein bißchen frommem?)
Partnerschaftsbuch à la Joshua Harris zu widmen. Erst beim Lesen merkt
man, daß da einiges ganz anders ist...

Der Autor des Bändchens ist ein Psychologe aus den USA, mit über 30 Jahren
Praxiserfahrung. In seinem Werk stellt er seine Partnerfindungsmethode
vor, die im Kern eine 10-Punkte-Prioritätenliste und eine 10-Punkte-Vetoliste
enthält. Wer das Buch möglicherweise für eine Ergänzung der bekannten
Harris-Bücher hält, wird wohl enttäuscht sein: Hier wird keine biblische
Strategie vorgestellt den Partner fürs Leben zu finden, sondern eine,
die vom Selbstwertgefühl des Suchenden ausgeht und dessen Ich zunächst
in den Mittelpunkt stellt. Ein völlig anderer Weg also, im Gegensatz zur
Vorgehensweise bei Harris, der anhand biblischer Wertmaßstäbe aufzeigt,
daß Gott als Schöpfer von Mann und Frau sowie Erfinder der Ehe wohl am
allerbesten weiß, welche zwei Menschen zusammenpassen.

Harris plädiert fürs Sorgen abgeben an Gott, dafür, daß Leben zu leben,
zu beten und Gott die Führung zu übergeben. Harris sagt, es gibt soviel
Flirten und Anbaggern heutzutage - ein Wettbewerb sei das, der aber allzuoft
im emotionalen Scherbenhaufen endet, der sich dann in gewissen Abständen
wiederholt, bis man vielleicht irgendwann nach zig Enttäuschungen endlich
vorm Traualtar steht. Dieses Buch hier stellt die gleiche Diagnose, aber
völlig entgegengesetzt zu Harris, der als Lösung des "Problems" für einen
Verzicht auf jegliches Flirten und "weltlichen" Beziehungsstreß eintritt,
ermuntert Mister Warren seine Leser fast schon zu einer Art Verabredungs-Sport.
Das, was im Grunde die meisten satt haben (inklusive mir und vieler, die
ich kenne), soll hier nur systematisiert werden, damit es endlich erfolgreich(er)
wird. Warren schlägt folgende andere Alternative vor: Der Suchende selbst
soll in sich gehen, abwägen, was er an/in seinem Lebenspartner möchte
und was nicht. Nun möchte ich hier sein Konzept nicht voreilig aburteilen,
sondern die Schwäche der Ich-Bezogenheit aufzeigen. Es ist richtig, wer
nicht weiß, was er will, oder eben nicht will, wird am Ziel - der glücklichen,
lebenslangen Ehe - nie ankommen können. Außerdem ist es wohl sehr hilfreich
bei der Partnersuche nicht nur auf Gegensätze zu achten (die sich ja angeblich
anziehen sollen), sondern auch auf Gemeinsamkeiten, die Fundament für
eine lebenslange Lebensgemeinschaft sein können.

Wer Gottes wunderbares Wirken - als "Antwort" auf einen treuen Glauben
und ehrliches Gebet - einfach "verschenkt" und sich nur auf einen menschlichen
Eigenschafts-Check verläßt, der kann meiner Meinung nach schnell Schiffbruch
erleiden. Dennoch sind die Erfahrungswerte von Warren - der viele Beispiele
aus seiner Ehe-Therapie-Arbeit anführt - keinesfalls zu verachten. Es
ist wichtig, daß man sich schon bei der Suche nach dem Lebenspartner frühzeitig
darüber im klaren ist, daß es nach der Hochzeit nicht alles glatt gehen
wird, sondern daß wohl da die Probleme mitunter erst anfangen. Warrens
Tip, eine sich anbahnende Beziehung so frühzeitig wie möglich zu beenden,
wenn man merkt, daß es unvernünftig wäre, mit sehr unterschiedlichen,
gegensätzlichen Eigenschaften zusammenzuleben, möchte ich hier besonders
hervorheben. So kann schon von vornherein viel Seelenschmerz vermieden
werden.

Warren schildert, daß es aufgrund der Abwertung der Ehe und Familie in
den westlichen Gesellschaften notwendig ist, daß es wieder Ehen gibt,
die lebenslang halten sollten. Seine Ratschläge, um dieses Ziel zu erreichen,
sind aber vornehmlich psychologisch-soziologisch orientiert. Sicher ist
viel Richtiges dabei, aber ich finde, es ist vielfach zu wenig. Glauben
und Religion vernachlässigt der Autor - der ja selbst Christ ist - nicht.
Im Gegenteil, für ihn gehört die geistliche Dimension natürlicherweise
(beispielhaft!) dazu - jedoch nicht der Wichtigkeit nach zuerst, sondern
irgendwann in der Mitte... Diese Dimension bekommt nur den Status "Religion"
in den Fragebögen/Listen, die er als Beispiele aufführt. Ein Hinweis auf
biblische Aussagen und Prioritäten wird anscheinend bewußt vermieden.
So zumindest mein Eindruck.

Das vorliegende Buch wird vom Verlag vorrangig in der Jugendlichen Zielgruppe
(Stichwort: Teenager) vermarktet. Schon der Titel suggeriert dies. Leider
ist der Inhalt nicht ganz so leichtfüßig und simpel, wie es der Buchtitel
vorzeichnen mag. Auch würde ich anzweifeln, ob Teenager wirklich die richtige
Zielgruppe für dieses Buch sind. Sicher, sie sind auf der Suche nach einem
Partner und nehmen wohl jede erfolgversprechende Strategie, um dieses
Ziel möglichst schnell zu erreichen, bereitwillig auf. Nur meine ich,
daß das vorliegende Werk eine Art "Mogelpackung" ist. Gottes Führung wird
größtenteils ausgeblendet, statt dessen dominiert typisch amerikanisches
(menschliches) Machbarkeitsdenken.

Dennoch sind die guten Ansätze des Buches empfehlenswert - nicht nur für
junge Menschen. Daher möchte ich das Buch besonders für all jene empfehlen,
die in der christlichen Jugendarbeit aktiv sind und den ihnen anvertrauten
jungen Leuten wertvolle Hinweise zum "Thema Nummer Eins" mit auf den Weg
geben wollen. Allerdings würde ich davon abraten, dieses Buch leichtfertig
an im Glauben "ungefestigte" Teenies zu verschenken!
|