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Aus: x-report / ideaSpektrum, 29/2004 (14. Juli 2004)
Autor: Karsten Huhn
Web: www.idea.de

Allee der Kosmonauten

"Stirb jung - erschaffe dich neu"

Sie spielten als Vorband von Nena, klauten einen riesigen Blumentopf und zerlegten ihr Hotelzimmer. Dann wurden Mischa Marin und Jürgen "Jott" Fürwitt von der Band "Allee der Kosmonauten" Christen. Seitdem erzählen sie auf der Bühne von ihrem Glauben, zum Beispiel bei der Jugendevangelisation "Jesus House". Das von ihnen organisierte Projekt "Zeichen der Zeit", bei dem 14 Künstler gemeinsam die Single "Du bist nicht allein" produzierten, eroberte die Top Ten der deutschen Charts. Im September wollen die Jungs von "Allee der Kosmonauten" ihr erstes eigenes Album veröffentlichen. Vorab erscheint am 19. Juli die Single "Ich würd' gern wissen". Karsten Huhn porträtiert die Band.

"Es gibt Himmel und Hölle, und ich möchte bei Gott sein, wenn auf der Erde die Lichter ausgehen", sagt Sänger Mischa Marin von der Band "Allee der Kosmonauten". Ein Statement, so kantig und klar, wie es nur wenige formulieren. Mischa und Schlagzeuger Jürgen "Jott" Fürwitt sind eine Sandkastenfreundschaft, aufgewachsen in Kirchheimbolanden, einer pfälzischen 8.000-Einwohner-Kleinstadt zwischen Mainz und Kaiserslautern. "Entweder du gehst auf dem Land kaputt, oder du machst was draus", sagt Mischa. "Wir haben Musik gemacht."


Allee der Kosmonauten"Wir sind Kinder der Lüge"

Bekannt werden sie 1995 unter dem Namen "Kyd Moses". Sie sind düstere Vollblutrocker, angetrieben von der Sehnsucht nach Leben. "Kinder der Nacht" heißt eines ihrer Lieder. »Wir sind Kinder des Rausches ... Kinder des Dunkels ... Kinder der Lüge ... Kinder des Lachens, das sich verhöhnt«, singen sie.

"Stirb jung - erschaffe dich neu", ist Jotts Lebensmotto, und für Mischa muß jeder Tag ein Höhepunkt, das ganze Leben eine Orgie sein. Nachts baden sie heimlich mit Freunden im Freibad, sie schleichen sich umsonst in Konzerte, klauen als Handwerker verkleidet einen riesigen Blumentopf aus einem Einkaufszentrum und zerlegen nach einem Konzert ihr Hotelzimmer - auf Kosten der Plattenfirma. "Wir hatten eine riesige Lebensgier, wollten alles mitnehmen, was nur ging", sagt Mischa.

Als Vorband von Nena gehen sie auf Deutschlandtour, eine Plattenfirma zahlt ihnen 100.000 Mark als Vorschuß für die Produktion ihres ersten Albums. "Erfolg war mein Fetisch", sagt Jott. "Ich hätte alles dagegen getauscht." Musikalisch sind sie erfolgreich, doch in der Band kriselt es. Jotts Alkoholkonsum führt zunehmend zu Spannungen, und Mischa spürt, daß die Komplimente, Jubelrufe und Liebesbriefe seiner Fans nur dem Rockstar, aber nicht ihm, Mischa, dem Menschen, gelten.


Allee der KosmonautenDer Masseur erzählte von Jesus

Im selben Jahr nimmt das Leben der beiden eine Wende. Bei einem Spaziergang durch München trifft Jott plötzlich ein Schlag auf den Kopf, und er bricht zusammen. Erst Minuten später begreift er, was passiert ist: Er ist über einen Parkplatz gegangen und von einer herunterfallenden Schranke getroffen worden. Die Gehirnerschütterung ist bald kuriert, doch wegen der Schmerzen an seiner Halswirbelsäule bekommt er Krankengymnastik und Massagen verschrieben. Während er auf der Massagebank liegt, erzählt ihm sein Masseur von Jesus. Jott hört zu seiner eigenen Verwunderung interessiert zu.

Am 24. Dezember 2002 besuchen Jott und Mischa den Gottesdienst der Freien evangelischen Gemeinde in Worms. "Gott schenkte uns seinen Sohn", sagt Pastor Hilmar Schultze. "Und das nur aus einem Grund: Damit wir nicht in der Erde verfaulen, sondern zu Gott kommen. Damit wir ewig leben." Jott und Mischa sind beeindruckt. "Wir spürten tief in unserem Herzen: Wir brauchen diesen Gott." Am nächsten Tag besuchen sie wieder den Gottesdienst. Nach der Predigt gehen sie auf Einladung von Schultze nach vorn und beten mit ihm. Es ist ihr erster Tag als Christen.

Einige Monate später lassen sie sich taufen und schließen sich der Gemeinde an. "Für mich war es am Anfang nicht einfach, meinen Eltern und meinem Bruder vom Glauben zu erzählen", sagt Mischa. "Sie dachten, ich sei irgend so ein Sektenfreak geworden."


Allee der KosmonautenHerbert Grönemeyer: Eine der besten Bands

Ihr altes Leben geben Jott und Mischa auf, Musik machen sie dagegen weiter, nun unter neuem Namen: "Allee der Kosmonauten". So heißt eine Straße im Osten Berlins, die an den Weltraumflug des ersten deutschen Kosmonauten, Sigmund Jähn, erinnert. Kosmonaut ist die aus dem Russischen übernommene Bezeichnung für Raumfahrer, analog dem aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum stammenden Astronauten. Zu den Fans der Pfälzer Jungs gehört auch Herbert Grönemeyer, Deutschlands erfolgreichster Sänger. "Ich halte ‚Allee der Kosmonauten' für eine der besten und intelligentesten Romantik-Rock-Bands Deutschlands", sagt er und läßt sie bei dem von ihm gegründeten Plattenlabel "Grönland" zwei Singles produzieren. Doch kurz vor Beginn der Produktion trennt sich die Firma ohne Angaben von Gründen von Jott und Mischa. Die Enttäuschung ist groß. Jott ist heute verheiratet und hat zwei Söhne; Mischa studiert Literaturwissenschaften in Mannheim. Er fährt gern in den Odenwald, spaziert an Weinhängen entlang und betet. "Alles auszuprobieren, verbaut die Möglichkeit, das Richtige zu tun", sagt Mischa heute. "Zum Glücklichsein gehört auch die Fähigkeit, verzichten zu können."

"Ich finde es unangenehm, wenn Leute in mir den Popstar sehen und nicht den Christen", sagt Jott, und Mischa fügt hinzu: "Wir wollen keine Stars sein. Stolz verklebt einem die Flügel." Mitunter scheinen dagegen noch alte Popstar- Gewohnheiten in ihnen zu stecken. Während des Gespräches telefonieren sie manchmal oder fragen auf ihren Handys Kurznachrichten ab. Ihr Alter wollen sie geheimhalten. Jott trägt eine Sonnenbrille, räkelt sich auf dem Sofa, und man weiß oft nicht genau, ob er etwas ernst meint oder gerade einen Witz erzählt. Wenn es um seinen Glauben geht, ist er dagegen unmißverständlich: "Wir glauben an Jesus Christus, Gottes Sohn", sagt Jott. "Ohne ihn gibt's keine Rettung, kein Leben, keine Zukunft - weil er alles Leben gibt. Das ist unsere Botschaft. Mehr nicht."


ALLEE DER KOSMONAUTEN
Schlagzeuger "Jott" Fürwitt und Sänger Mischa Marin

--Karsten Huhn



Das Original dieses Textes erschien in "ideaSpektrum", Nr. 29/2004 (vom 14. Juli 2004).

Erscheinungsdatum:
22.3.2005
Redakteur: David Decker für CCM-Rezis

weitere Rezensionen - siehe Allee der Kosmonauten-Künstlerseite >>
 


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