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Amy Grant

Amy Grant, Gary Chapman und Vince Gill - Scheidung und Heirat - alles normal?

»Wer also seine Frau wegschickt und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch; aber auch der bricht die Ehe, der eine geschiedene Frau heiratet.«
[ Lukas 16,18 ]

»Du sollst nicht die Ehe brechen!«
[ 2. Mose 20,14 ]


Zur Vorgeschichte: Zum Jahreswechsel 1998/1999 gaben Amy Grant und Gary Chapman nach 16 Jahren Ehe ihre Trennung bekannt. Ein halbes Jahr später ließen sie sich im Sommer 1999 offiziell scheiden. Beide gehören zu den bekanntesten und erfolgreichsten (Solo-) Künstlern in der sogenannten "christlichen" Musikszene, allen voran natürlich Amy. Lange Zeit war dieses Paar als DAS Traumpaar schlechthin, nicht nur der CCM-Szene (*1), bekannt. Die meisten Leute wußten aber nicht, daß die Ehe schon Mitte der achtziger Jahre kurz vorm Zerbrechen war, als Gary "Drogenprobleme" hatte.

Gut gewählt waren sicherlich die beiden Termine der Bekanntgabe der Trennung der beiden - im Trubel eines Jahreswechsels und dann im Laufe der Ereignisse der 99er GMA-Week (*2). Es sollte wohl möglichst wenig Aufsehen um die traurige Trennungsgeschichte gemacht werden. Amy und Gary zählen ja auch mit zu den bestverkaufenden Künstlern der CCM-Szene.

Die Reaktionen von offiziellen Vertretern der christlichen Musikindustrie aus verschiedenen Bereichen lassen sich dann wohl auch am besten mit dem Wort "Schadensbegrenzung" zusammenfassen. "Lediglich" auf Seiten der Fans zeigten sich einige äußerst ablehnende Reaktionen; trotzdem dürfte das Lager derjenigen, die den beiden weiterhin die Treue halten, nicht sehr viel kleiner geworden sein.


Karriere und Liedtexte: Schaut man einmal auf die letzten 12 Jahre von Amys Karriere zurück, fällt einem auch auf, daß sie sich kontinuierlich, Stück für Stück, von ihren christlichen Wurzeln entfernt hat. Eine besonders deutliche Sprache sprechen ihre Liedtexte. Mitte der 80er Jahre bekam sie einen Plattenvertrag bei der säkularen Firma "A&M Records" [jetzt "Interscope"], dort erschien im Jahr 1988 ihr Album "lead me on" ("führe mich weiter"). Seit diesem Album muß man auf ihren Studioproduktionen mit der Lupe nach christlichen Inhalten in den Texten suchen. Seinen Höhepunkt erreichte das Ganze mit den Alben "heart in motion" ("Herz in Bewegung") von 1991 und "house of love" ("Haus der Liebe") von 1994 sowie den dazugehörigen (zweideutigen!) Videoclips. Doch nach wie vor läßt sie sich gerne von der CCM-Szene hofieren und feiern und wird von den meisten immer noch als "DIE christliche Sängerin" angesehen und auch so bezeichnet. [Mit mir würden sich sicher viele Leute freuen, wenn Amy - wie in den ersten Jahren - endlich wieder mutige und "zupackende" christliche Texte singen würde, anstatt belanglos dahergeträllerte Liebesliedchen. ...die man ja so oder so interpretieren kann!]

   
Amy Grant und ihr erster Ehemann Gary Chapman.
Amy Grant und ihr erster Ehemann Gary Chapman.  

Bei ihrem Ex-Mann Gary findet man nach wie vor - oder jetzt erst recht? - tiefgehende christliche Texte. Bei einem Interview, das er dem christlichen "ccm magazine" in den USA gab, laß man jedoch so zwischen den Zeilen, daß er eigentlich der "Saubermann" bei den ganzen Vorkommnissen gewesen sei...


Ungleiches Maß?: Verglichen mit der "Amy-Gary-Geschichte" sind die "Eheprobleme" in zurückliegenden Zeiten in der christlichen Szene weitaus "schlimmer" ausgefallen. Die Popsängerin Sandi Patty war ein Superstar, mit zahlreichen Dove-Awards überhäuft - nach den "negativen Vorfällen" zog sie sich einige Jahre zurück, tat Buße und kehrte 1998 wieder "richtig" in die Szene zurück. Bei dem Soulsänger Michael English gab es quasi einen richtigen Absturz. Er wurde nach einer Affäre mit einer anderen Künstlerin von der Industrie aus der Szene "hinausgeekelt", die CDs flogen aus den Läden, es gab eine monatelange Entrüstung in der gesamten Szene, die auch bis nach Europa reichte. Bei Amy und Gary dagegen werden alle CDs weiterverkauft, es gibt keine Entrüstung, wie sie es sie vielleicht noch vor zehn Jahren gegeben hätte. Man hört hier und da ein "Ach, das ist aber traurig, aber sie müssen für sich allein entscheiden." - dann geht das Leben wie gehabt weiter. Was würde wohl Gott zu dem allem sagen?


Zu den aktuellen Ereignissen: Anfang März 2000 heiratete Amy Grant wieder, und zwar den Countrypop-Sänger Vince Gill aus Nashville. Zwischen beiden gab es bereits seit letztem Jahr ein "Techtelmechtel" - gekannt haben sie sich aber schon seit 1993. Von Vince ist nicht bekannt, ob er wirklich an Jesus glaubt; höchstwahrscheinlich aber nicht. Die Berichte über die Hochzeit kommen allesamt "freudestrahlend" daher - z.B. auf den zahlreichen Webseiten der christlichen Musikszene, in deren Newslettern und sogar auf dem deutschen, christlichen Radiosender ERF 2. Es finden sich keine kritischen Stimmen, die was zur vorhergehenden Scheidung sagen (Vince Gill war auch geschieden), oder gar etwas über die Ehe mit einem ungläubigen Partner.

   
  Amy Grant mit ihrem zweiten Ehemann Vince Gill und Töchterchen Corinna.  
  Amy Grant mit ihrem zweiten Ehemann Vince Gill
und Töchterchen Corinna.
 

Viele werden jetzt sagen, es obliegt uns nicht, über Amys, Gary's und Vince' Privatleben und deren Ehen zu urteilen. - Ich sehe das etwas anders. In dem Moment, wo ein Künstler weltweit bekannt ist, Millionen Platten verkauft und ständig in der Öffentlichkeit steht, wird er automatisch zum Vorbild. Seine Handlungen bekommen dadurch ein anderes Gewicht. Die Verhaltensmuster dieser Person beeinflussen viele Menschen und werden in irgendeiner Weise nachgeahmt. Dasselbe geschieht mit den Reaktionen auf diese Handlungen der betreffenden Person. Das heißt, wenn es keine Entrüstungen auf eine Ehescheidung unter Christen mehr gibt, und auf die Heirat eines ungläubigen Partners, dann wird solches Verhalten als völlig normal hingestellt. Worüber man nicht redet, das ist auch nicht wichtig. - Doch Fehlanzeige! Durch derartige Kompromisse bekommt der Satan ganz leicht den Fuß in die Tür zu unserer christlichen Musikszene und wir sind auch ein äußerst negatives Zeugnis gegenüber einer gottlosen Welt.

Nun ist es aber wirklich nicht an uns, diese drei Menschen für immer zu verurteilen, nein, viel mehr sollten wir, d.h. die Musikindustrie und -Szene sowie die christlichen Gemeinden, solche Personen geistlich unterstützen und begleiten, im besonderen ernsthaft für sie beten. Es gibt nämlich unter christlichen Musikern viel mehr Probleme als uns überhaupt bekannt ist - da brodelt es oft ganz gewaltig unter der Oberfläche! Und zwar auch wegen der folgenden Gründe (also nicht nur wegen persönlicher Verfehlung des Einzelnen): In der christlichen Musikszene fehlt eine ausreichende und weitreichende geistliche Begleitung der Musiker durch örtliche Gemeinden. Oftmals sind die Künstler, und besonders die "Stars", nicht in irgendeine Ortsgemeinde eingebunden und werden auch nicht von Pastoren oder ähnlichen Leitern begleitet, schon gar nicht in Krisensituationen.

Weiterhin wird die gesamte christliche Szene immer als vollkommen perfekt dargestellt - das fängt schon bei den perfekt gestylten Gesichtern und Körpern auf den Covern der CD-Booklets an und geht weiter in Berichten über die Künstler. In der fast völlig verkommerzialisierten "christlichen" Musikszene darf es eben nichts Negatives mehr geben, denn das ist verkaufshinderlich. Der unliebsame Teil der Wahrheit wird einfach ausgeblendet - in Zukunft allem Anschein nach noch mehr als bisher (Und in Zeiten von sogenannter "politischer Korrektheit" erst recht, oder?). So entsteht schnell eine trügerisch perfekte Scheinwelt, in der solche Ehekrisen (oder anderes) leicht auftreten können, aber hinterher auch nie "richtig gelöst" werden. Das soll heißen, daß man meist keine echte Umkehr, das heißt Reue und Buße vorfindet, sondern es geht einfach weiter wie bisher.

Ich möchte nochmals verdeutlichen, daß Ehebruch unserem Gott ein Greuel ist (*3), und das wir es deshalb nicht totschweigen und auch nicht als normal hinstellen dürfen! Wir sollten ernsthaft für das Privat- und Bühnenleben von christlichen Künstlern beten. Es geht nicht darum, daß solche etwas nicht passieren darf, sondern wie wir als Christen mit entstandenen Problemen und Situationen umgehen. Wir unterscheiden uns von der gottlosen Welt nicht in den Problemen, die wir als Menschen haben, sondern in der Problembewältigung! Gott will uns helfen mit solchen Dingen umzugehen und fertig zu werden, und auch dabei, über so etwas offen sprechen zu können, damit andere aus Fehlern lernen können.

Mit diesem Artikel will ich mich keineswegs als "besser" darstellen oder über andere Menschen erheben, ich stelle mich genauso als Sünder unter die Gnade unseres Gottes.


»Keine Versuchung hat euch ergriffen als nur eine menschliche; Gott aber ist treu, der nicht zulassen wird, daß ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen wird, so daß ihr sie ertragen könnt.«
[ 1. Korinther 10,13 ]

»Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.«
[ 1. Johannes-Brief 1,9 ]

»Ewiges Leben wird er denen geben, die sich durch nichts davon abbringen lassen, Gottes Willen zu tun, weil sie sich nach Gott sehnen und ihm gefallen möchten.«
[ Römer 2,7 ]

                                                        —David Decker für CCM-Rezis, März 2000


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Erklärung:

(*1) - CCM => engl.: contemporary christian music = zeitgenössische christliche Musik; in den USA offizielle und gebräuchlichste Bezeichnung für die christliche Musik und Musikszene. Auf deutsch kann man die drei Buchstaben auch so abkürzen: coole christliche Musik.

(*2) - GMA-Week = "Woche der Gospel Music Assiocation", die jedes Jahr irgendwann im März/April in Nashville stattfindet - eine große christliche Musikmesse, meist in Kombination mit der Verleihung der Dove-Awards.

(*3) - Wenn es so in der Bibel steht, dann ist es auch so gemeint. Da kann man nichts dran herumdeuten oder gar beschönigen. Die Wahrheit ist oft schmerzhaft.


Erscheinungsdatum:
30.8.2002
Redakteur: David Decker für CCM-Rezis

weitere Rezensionen - siehe Amy Grant-Künstlerseite >>
 


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