Porträt
Warum ein US-Sänger für deutsche Gospels
wirbt und damit sehr erfolgreich ist
"Sehr viel mehr als
Musik"
Von Hans-Joachim Vieweger
Es ist schon kurios: Da muß erst ein farbiger amerikanischer Sänger
kommen, um Gospelmusik auf deutsch unter die Leute zu bringen. »In
jedem Dorf kann man inzwischen Gospelchöre hören«,
sagt Eric Bond (48),
»die Leute lieben das, aber sie verstehen
die Texte nicht.« Diese Erfahrung macht er auch in einem
Münchner Gospel-Chor, in dem er in den 90er Jahren als Solist und
Arrangeur arbeitet. »Warum singen wir eigentlich
nicht auf deutsch?« fragt er, erntet aber nur ungläubiges
Lächeln. Gospel auf deutsch - das gibt es doch nicht, so die einhellige
Reaktion.
Vor
jedem Lied gebetet

Bond will das Gegenteil beweisen. »Zugegeben:
Deutscher Gospel ist anders als amerikanischer, aber im Grunde geht es
darum, die Bedeutung des Wortes rüberzubringen, denn Gospel erzählt
die Gute Nachricht von Jesus Christus.« Bond liefert die
Musik, die Texte kommen von seiner Partnerin, der Religionslehrerin Jutta
Hager. Gesungen werden die Lieder zunächst bei verschiedenen Gospel-Seminaren,
die Bond seit 1999 in und um München veranstaltet und aus denen ein
Chor hervorgeht, der an die Evangelische Hochschulgemeinde der TU München
angebunden ist, die "Gospelsterne".
»Wenn ich einen Song schreibe, bete ich zuerst:
'Gott, was willst du, daß diese Menschen singen?'«
sagt Bond. Und die Sänger sind begeistert von ihrem charismatischen
Leiter und seiner Musik; etwa 35mal im Jahr stehen sie mit ihm auf der
Bühne. Inzwischen gibt es auch ein Gospel-Projekt mit Kindern - die
"Gospelsternchen".
Auftritt bei Gottschalk

Für Eric Bond, der aus Ohio stammt und sich mit zwölf Jahren
in einer Baptistengemeinde taufen läßt, hat sich eine Vision
erfüllt, die er als Jugendlicher hat: Er sieht sich vor einem großen
Chor, der nur aus weißen Menschen besteht, die Lieder singen, die
er geschrieben hat, aber das in einer Sprache, die er nicht versteht -
einer "harten" Sprache, wie er sagt. Damals denkt er, es könnte
sich um Russisch handeln, inzwischen weiß er, daß es Deutsch
war. Doch es dauert noch eine Weile, bis er das herausfindet: Anfang der
80er Jahre reist er mit einer Rockband durch die Welt. 1984 läßt
er sich in München nieder; er tritt in Thomas Gottschalks Late-Night-Shows
auf, später in Musicals oder mit Othello im Residenztheater. Bis
er seine eigentliche Berufung im Gospel findet.
Lob
von Heinz Rudolf Kunze

Der Erfolg gibt ihm recht: "Sehr viel mehr als Musik" oder "Feuer
und Flamme für Jesus" - so sind Artikel über seine Konzerte
überschrieben, die meist in Kirchen stattfinden. »Darin
sehe ich auch meine Berufung, eine Musik zu entwickeln, die die Leute
zurück in die Kirche bringt und die sie auch verstehen«,
so Bond. Jetzt konnte der Sänger und Komponist mit seinen Gospelsternen
in Berlin den zweiten deutschlandweiten Gospel-Wettbewerb gewinnen: den
"Gospel-Award". Die Jury um Alt-Rocker Heinz Rudolf Kunze lobte
dabei nicht nur die tolle Show der Gospelsterne, sondern auch den Mut,
deutsch zu singen.
--Hans-Joachim Vieweger
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