|
Chöre,
Oratorien und Konzertmusik: 50 Stücke, die Christen kennen sollten
(Teil II)
50 christliche Musik-Klassiker
Musik
gehört zum Alltag fast aller Menschen ganz selbstverständlich
dazu - ohne sie ist unser Leben kaum denkbar. Die Journalisten Hartmut
Spiesecke und Markus Spieker (beide Berlin) haben sich auf die Suche nach
50 christlichen Klassikern gemacht. Zu ihrer Hitliste gehört das
Weihnachtsoratorium von
Johann Sebastian Bach ebenso wie
"Amazing Grace", gesungen von Elvis
Presley, oder Dietrich Bonhoeffers "Von
guten Mächten wunderbar geborgen" in der Vertonung von Siegfried
Fietz. In dieser zweiten Folge stellen wir Messen, Konzertmusik, Passionsstücke,
Oratorien und Lieder Luthers
vor. Im ersten Teil (ideaSpektrum Nr.
39/2005) ging es um die Klassiker der modernen Musik. Im dritten
Teil folgen Stücke zum Ewigkeitssonntag und zu Weihnachten.
» Auswahl:
Passion
Johann Sebastian Bach: Johannes-Passion (1724).
Bachs Johannes-
und seine Matthäus-Passion
sind Inbegriff christlicher Kirchenmusik (eine dritte, die Markus-Passion,
blieb verschollen). Dabei unterscheiden sie sich deutlich voneinander:
Die Johannes-Passion ist
die dramatisch gestaltete Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu, die
Matthäus-Passion das nachvollziehbare theologische Verstehen dieser
Geschichte. Sie gestaltetet die entsetzliche Dynamik, die Jesus in den
Kreuzestod treibt. Der Nachvollzug der Handlung wurde von Bach musikalisch
vorangetrieben. Deswegen sind wir so ergriffen von der Johannes-Passion,
weil wir beim Hören verstehen, wie es zur Kreuzigung kam.
Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion (1729).
Bachs Matthäus-Passion
ist die Deutung des Lebens Jesu. Sein Leiden und Sterben finden hier einen
musikalischen Ausdruck, der uns verstehen läßt, warum und wozu
dies alles geschah. Im Unterschied zur Johannes-Passion
ist die fünf Jahre später entstandene Matthäus-Passion
viel interpretierender. Sie soll uns unser eigenes Leben und Sterben im
Glauben erklären.
Joseph Haydn: Die sieben letzten Worte (1785).
Musik zur Todesstunde Jesu: Joseph
Haydn komponierte ein Stück für Karfreitag, an dem eigentlich
gar keine Musik erklingen durfte. Im Jahr 1785 entstand eine der eigenwilligsten
Kompositionen der Musikgeschichte: Der Bischof von Cadiz (Andalusien)
beauftragte Haydn, eine Komposition auf die sieben letzten Worte Jesu
zu fertigen. Haydn schrieb für großes Orchester, also ohne
gesungenen Text. Das Besondere ist die Form des
Werkes: Haydn komponierte weder ein Oratorium noch eine Kantate, sondern
eine langsame Einleitung, sieben langsame Sätze, die ein Zwischenspiel
enthalten, und einen sehr schnellen Schlußsatz, der mit "Erdbeben"
betitelt ist.
Arvo Pärt: Johannes-Passion (1982).
Eine Passion ganz ohne Leidenschaft, in ebenmäßigem Gleichmaß
- so klingt Arvo Pärts Musik nach Johannes. Nicht Bachs Dramatik,
sondern eine vorgestellte Musik des Mittelalters ist hier Vorbild einer
neuen Art des Hörens. Die Passion imitiert Musik des Mittelalters
und kombiniert sie behutsam mit Dissonanzen des 20. Jahrhunderts. Am auffälligsten
sind in der Musik des estnischen Komponisten die Pausen - komponierte
Stille.
Oratorien
Joseph Haydn: Die Schöpfung (1796-98).
»Nie war ich so fromm als bei der Komposition
der Schöpfung«, bekannte Haydn.
Wie konnte diese größte Tat Gottes musikalisch dargestellt
werden, ohne ihr die Größe, das Unvorstellbare, zu nehmen?
Haydn komponierte für ein großes Orchester mit Holz- und Blechbläsern,
für Chor und für drei Solostimmen. Nicht mehr für eine
Aufführung in der Kirche, wie noch Bachs
Passionen, sondern längst für den Konzertsaal schrieb er die
Schöpfung. Und es wurde eine Musik von erhabener Größe:
In den ersten beiden Teilen werden die Schöpfungstage beschrieben,
während der dritte Teil von Adam und Eva im Paradies kündet.
Hector Berlioz: Die Kindheit Christi (1850/54).
Das süße Jesuskind in der Krippe, das seit der Romantik zu
unserer gängigen Vorstellung gehört, hatte nicht nur eine anstregende
Reise im Bauch der Mutter hinter sich, sondern auch die Flucht nach Ägypten
vor sich. Hector Berlioz (1803-1869) erinnert uns daran, wie gefährlich
die erste Lebenszeit Jesu war. Er konzipierte drei Teile der Kindheit
Christi: den Traum des Herodes (an dessen Ende die Geburt Jesu steht),
die Flucht nach Ägypten und die Ankunft in Sais im Nildelta. Den
Schluß behalten der Rezitator und der Chor: Seele und Herz sehen
die himmlische Ewigkeit.
Georg Friedrich Händel: Messias (1741). Halleluja!
Kaum ein Chorsatz ist bekannter als dieser aus Händels Messias. Das
Oratorium kombiniert geschickt Texte des Alten mit dem Neuen Testament
und erklärt dadurch, daß Jesus wirklich der Messias der biblischen
Überlieferung ist. Im Herbst 1741 komponierte Georg
Friedrich Händel sein vielleicht berühmtestes Werk, das
dreiteilige Oratorium Messias.
Der erste Teil nutzt Texte der Propheten Jesaja, Haggai und Maleachi und
schließt mit der Weihnachtsgeschichte nach Lukas. Der zweite Teil
vereint Prophetien und Beschreibungen von Jesus und endet mit dem berühmten
Halleluja-Chor. Der dritte, kürzeste Teil bringt Texte zur Auferstehung.
Stets sind Altes und Neues Testament verklammert: Die Bibel ist authentisch.
Franz Liszt: Christus (1863-67).
Franz Liszt (1811-1886) war einer der größten Pianisten seiner
Zeit und wurde später katholischer Priester. Sein dreistündiges
Oratorium ist in drei
Teile gegliedert: Der erste erzählt die Weihnachtsgeschichte, der
zweite sammelt verschiedene Texte und Geschichten zusammen und der dritte
beinhaltet Passion und Auferstehung. Kennzeichen des Oratoriums ist -
seine Unterschiedlichkeit. Die Teile sind disparat, die Zusammenhänge
gerade des zweiten Teils willkürlich. Und dennoch geben sie dem Ganzen
erst sein Besonderes. Nicht allein um die Person Christi geht es, sondern
um die Glaubenshaltung. Keine Geschichte soll hier erzählt werden,
sondern der Glaube an Jesus soll in den biblischen Episoden sowie den
liturgischen Stabat Mater-Teilen quasi erscheinen. Alles vereint die Musik:
Das war Liszts musikalisches Glaubensbekenntnis.
Lieder
des Reformators
Martin Luther: Ein feste Burg (1529).
Martin Luther war nicht nur Theologe und Reformator, sondern auch Texter
und Komponist vieler Gemeindelieder. Deutsche Kirchenlieder haben wesentlich
dazu beigetragen, die Reformation durchzusetzen. Seit 1523 erschienen
viele von Luthers Liedern schon kurz nach ihrer Entstehung in Gesangbüchern
und fanden so schnelle Verbreitung. Das 1529 entstandene "Ein
feste Burg" (EKG 363) ist vielleicht das bekannteste Lied Martin
Luthers. Die Zuversicht aus dem Titelvers ist das Programm dieses Liedes.
Es basiert auf Psalm 46, ist aber keine Übersetzung oder freie Nachdichtung,
sondern ein ganz eigenständiger Text. »Es streit' für
uns der rechte Mann ... er heißt Jesus Christ«, lautet
der zentrale Vers der zweiten Strophe. »Das Reich muß uns
doch bleiben«, heißt es am Ende der vierten Strophe, trotz
aller Anfechtungen, und hier ist Luthers Vorstellung von der Erlösung
allein aus Gnade Liedertext geworden.
Messen
und liturgische Musik
Josquin Desprez: Missa Pange Lingua (1515).
Der frankoflämische Komponist Josquin Desprez (um 1440-1521) macht
aus Musik eine individuelle Sprache des Ausdrucks. Seine Messe zu Fronleichnam
ist ein Beispiel für die Meisterschaft Josquins. Sein Ziel ist ein
erkennbarer Zusammenhang von Text und Musik, bei dem die Musik den Text
deutet, sozusagen "hörbar" macht. Seine Missa
Pange Lingua entstand um 1515 und ist für das Fronleichnamfest
komponiert worden. Josquin verwendete den Fronleichnamhymnus "Pange
Lingua" der in sechs Abschnitten im Kyrie präsentiert wird.
Es gelingt Josquin, dem zu dieser Zeit noch jungen kanonischen liturgischen
Messetext eine individuell geprägte Musik hinzuzufügen, die
den Text musikalisch nachahmt und ausdeutet.
Giovanni Pierliugi da Palestrina: Missa Papae Marcelli (ca. 1567).
Der 1525 bei Rom geborene Musiker lebte in wilden Reformationszeiten,
in denen die katholische Kirche eine Reihe von Selbstvergewisserungen
nötig hatte. Das Trientiner Konzil 1563 war sicher die wichtigste
Station, die Palestrina damals hautnah miterlebte. Damals wurde um die
"wahre" Kirchenmusik gestritten, und dieser Streit ging vor
allem darum, ob Kirchenmusik ebenso wie weltliche Musik mehrstimmig sein
dürfe oder wegen der Textverständlichkeit einstimmig sein müsse.
Palestrina entschloß sich Mitte der 1560er Jahre zur Komposition
einer Messe, die er dem 1555 nur
wenige Monate amtierenden Papst Marcellus II. widmete - dieser ein entschiedener
Befürworter kirchlicher Mehrstimmigkeit.
Orlando di Lasso: Bußpsalmen (um 1560).
Die Vertonung der Bußpsalmen Davids war für den Frankoflamen
Orlando di Lasso der Anlaß, seinen ganzen kompositorischen Reichtum
zu zeigen. Diese üppige Musik verstand sich auch als Alternative
zur Schlichtheit des protestantischen Chorals. Kirchenmusik ist nicht
auf rein liturgische Formen beschränkt, die ausschließlich
dem Vollzug der Messe dienten. Zu den schon im 16. Jahrhundert berühmtesten
Beispielen zählen Orlando di Lassos (1530-1594) Bußpsalmen.
Die Lebendigkeit der Bußpsalmen scheint in Gegensatz zu ihrem Inhalt
zu stehen - nicht andächtige, zurückhaltende Musik ist hier
zu hören, sondern prachtvolle. Orlando di Lasso zeigte hier, was
er auch für weltliche Musik benutzte: einen kunstvollen, reichen
musikalischen Satz. Zu hören ist Musik der Gegenreformation. Buße
als Vertrauen auf den Herrn.
Claudio Monteverdi: Marienvesper (1610).
Der Italiener Monteverdi komponierte 1607 eine der ersten Opern: Orfeo.
Sie setzt konsequent einen neuen Stil um, nämlich den begleiteten
Gesang. im Gegensatz zu Palestrinas
Ideal der (häufig fünf) gleichberechtigten Stimmen hat hier
die virtuos geführte solistische Melodiestimme Vorrang. Monteverdi
komponierte auch eine Abendmusik
auf die Jungfrau Maria, die Psalmvertonungen mit anderen Texten abwechselt.
Durch ihren Klang- und Stilreichtum ist sie eines der repräsentativsten
Werke ihrer Zeit. Der stete Wechsel der Satztechniken und Besetzungen
(Soli und Chor) schafft Klangreichtum und Abwechslung. Die Strahlkraft
der Vesper erklärt sich aus genau dieser Vereinigung ganz unterschiedlicher
Musik.
Johann Sebastian Bach: h-moll-Messe (1733/1750).
Die h-moll-Messe von
Johann Sebastian Bach ist ein musikalisches
Unikum. Mit einer Gesamtdauer von mehr als zwei Stunden ist sie zweifellos
nicht mehr für den Gottesdienst gedacht. Bach nimmt in der h-moll-Messe
immer wieder andere Stilmittel auf, verwendet gregorianische Choräle
ebenso wie konzertierende Elemente, setzt unterschiedliche Charaktere
nebeneinander. Das erklärt sich nicht aus der Entstehungsgeschichte,
sondern ist Programm: Bach komponierte als eines seiner letzten Werke
ein Kompendium der Kirchenmusik in der Gewißheit, daß eine
neue Zeit anbricht. Es entstand ein Werk, daß alle aufführungspraktischen
Maße sprengt und auch deswegen als exemplarisch verstanden sein
will. Bachs Zeitgenossen gingen darüber hinweg - erst 1835 erfolgte
die Uraufführung.
Ludwig van Beethoven: Missas Solemnis (1819-23).
Beethoven komponierte eine Messe ohne Gottesdienst und brachte den "alten
Stil" in die klassische Instrumentalmusik. Beethoven tat sich als
Komponist christlicher Musik erkennbar schwer - zu weit war kirchliche
Musikm offensichtlich von seiner Vorstellung "absoluter Musik"
entfernt, deren Entwicklung von musikalischen Motiven und Themen ausgeht,
die einen Formprozeß durchlaufen. Insofern ist die Missa
Solemnis Beethovens spannende Lösung eines komplexen Problems.
Mit der 9. Symphonie und ihrem berühmten Chorfinale auf Schillers
Ode an die Freude findet Beethoven schließlich eine musikalische
Form, die die traditionelle Symphonie übersteigt und absolute Musik
ins Allgemein-Menschliche steigert. Ist die Missa Solemnis (schon von
der Länge her: rund 80 Minuten Aufführungsdauer) weniger Kirchenmusik
als Konzertmusik, so wird mit der 9. Symphonie Konzertmusik zur "Musikreligion"
- musikalisch genial, theologisch fragwürdig.
Franz Schubert: Deutsche Messe (1827).
Schuberts "Deutsche Messe"
ist ein Werk, das die Tradition der Messe aufnimmt, aber einen durch und
durch romantischen statt des lateinischen Liturgietextes verwendet. Das
hat die Nachwelt geradezu entzückt: die erste Messe in deutscher
Sprache, die den als altmodisch empfundenen Text durch einen neuen ersetzt
und mit eingängigen Melodien versieht. Das Schuberts Deutsche Messe
berühmt geworden ist, liegt nicht zuletzt an der Form in volksliedhaften
Strophen, getrennt von instrumentalen Zwischenspielen.
Gioacchino Rossini: Petite Messe Solennelle (1863).
Wer Rossini hört, denkt an italienische Oper, an den Barbier von
Sevilla oder die Italienerin in Algier. Rossini komponierte aber auch
wirklich dramatisches "Stabat mater" (Sequenz über das
Mitleiden Marias beim Kreuzestod Jesu) und eben die kleine feierliche
Messe, die Petite Messe Solonnelle.
Die Messe ist allerdings weder klein (55 Minuten) noch besonders feierlich,
und zu letzterem trägt vor allem die instrumentale Besetzung bei:
Statt großem Orchester hört man hier lediglich zwei Flügel
und ein Harmonium. Davon sollte jedoch niemand auf das geistige Format
des Stückes schließen, denn Rossini ließ sich etwas Besonderes
einfallen. So fügte er dem lateinischen Messetext vor dem abschließenden
Agnus Dei noch eine Textsequenz ein, die der großen Fronleichnamsliturgie
entnommen ist: "Unsere Feinde bedrängen uns von allen Seiten.
Gib uns Hilfe und Kraft." Rossini zeigt gleichermaßen Meisterschaft
wie Respekt vor der Kirchenmusikalischen Form.
Anton Bruckner: Te Deum (1884).
Bruckners musikalisches Gotteslob
hat einen sehr repräsentativen Charakter. Bruckner komponierte es
für großen Chor und großes Orchester, dazu vier Gesangssolisten.
Einen kurzen Abschnitt in der Mitte singen die Solisten ohne Chor, den
unmittelbar darauf folgenden der Chor ohne Solisten - Wechselgesang mit
der Bitte um Errettung. Ansonsten: Gotteslob mit allen Pauken und Trompeten,
und am Schluß die feste Hoffnung, daß diese Rettung kommt.
Diese Hoffnung hegte Bruckner auch ganz fest für sich selbst: »Wenn
mich der liebe Gott einst zu sich ruft und fragt: 'Wo hast du die Talente,
die ich dir gegeben habe?', dann halte ich ihm die Notenrolle hin, und
er wird mir ein gnädiger Richter sein.«
Frank Martin: Messe (1926).
Zu den Komponisten, die sich im 20. Jahrhundert intensiv mit dem Christentum
beschäftigt haben, gehört der Schweizer Frank Martin (1890-1974).
Er schuf eine Reihe von Werken, die christliche Themen ganz selbstverständlich
aufgreifen. Offensichtlich hat der strenge Calvinist besonders im 2. Weltkrieg
die Notwendigkeit gespürt, der christlichen Botschaft auch musikalisch
Ausdruck zu verleihen. Das früheste christliche Werk Martins ist
seine Messe für Doppelchor
von 1926. Sie nimmt - für einen Calvinisten nicht selbstverständlich
- den lateinischen Messetext auf und besteht aus fünf sätzen
(das Benedictus ist in das Sanctus integriert).
Krzysztof Penderecki: Credo (1992-98).
Dieses neue "Glaubensbekenntnis"
klingt traditionsbewußt und bescheiden. Aber es erklärt uns:
Die Auferstehung ist der Tag, den der Herr gemacht. Der Pole Krzysztof
Penderecki ist einer der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart. Er wurde
1933 geboren und hat neben Konzertmusik immer wieder auch Musik zu christlichen
Themen komponiert. Besonders aber faszinierte ihn das Credo - höchst
ungewöhnlich, denn gerade mit dem Glaubensbekenntnis hatten im 20.
Jahrhundert die meisten Komponisten wenig am Hut.
Konzertmusik
Felix Mendelssohn Bartholdy: 5. Symphonie (1830).
Felix Mendelssohn Bartholdy wurde nur 38 Jahre alt und ist doch einer
der schaffenskräftigsten Komponisten des 19. Jahrhunderts gewesen.
Er wurde lange unterschätzt und war ein echtes Allroundtalent: Er
komponierte, spielte hervorragend Klavier, dirigierte, leitete die Berliner
Singakademie und später die Leipziger Gewandhauskonzerte, führte
1829 Bachs vergessene Matthäus-Passion
auf und leitete damit nicht nur eine Bach-Renaissance ein, sondern schrieb
damit maßgeblich Musikgeschichte. Die 5.
Symphonie trägt den Beinamen "Reformationssymphonie"
und wurde zum 300. Jahrestag des Augsburger Bekenntnisses komponiert.
Igor Strawinsky: Psalmensinfonie (1930).
Psalmen sind in der Musik des 20. Jahrhunderts selten. Den selbstverständlichen
Umgang mit biblischen Texten gibt es im säkularen Zeitalter kaum
noch. Um so erstaunlicher ist Strawinskys Psalmensinfonie.
Strawinsky (1882 in Petersburg geboren, 1971 in den USA gestorben), lebte
seit 1920 in Paris, komponierte aber eine Symphonie, die sich deutlich
abgrenzt von den romantischen Symphonien der russischen, französischen
und deutschen Tradition. Das Orchester ist nur mit tiefen Streichern,
aber stark mit vierfachen Holz- und Blechbläsern sowie umfangreichem
Schlagwerk besetzt.
Olivier Messiaen: Éclairs sur l'Au-Dela (1992).
Der Franzose Olivier Messiaen (1908-1992) hat nicht nur Vogelstimmen von
der Orgel nachspielen lassen, sondern auch einige der wichtigsten Kompositionen
auf biblische Themen geschaffen: Die
Éclairs sur l'Au-Dela, die Blitzlichter (oder auch Aufklärung,
Erhellung) auf das Paradies. Der erste von elf Sätzen stellt die
monumentale Ankunft Christi dar, das Riesenorchester tönt von der
Herrlichkeit des Herrn, der riesenhaft erscheint. Dier siebente Satz trägt
den Titel "Und Gott wird alle Tränen von ihren Augen trocknen"
und besteht aus harmonischen Varianten rund um die Quinte d-a. Dazwischen:
natürlich Vogelstimmen! Im elften Satz ist das Paradies erreicht,
das Licht Christi strahlt über alles.

Die ausführliche Version gibt es jetzt als Buch:
Markus Spieker/ Hartmut Spiesecke, 50 christliche Musik-Klassiker, Holzgerlingen
2005, Hänssler-Verlag, 9.95 EUR/ 18.90 sFr., online
bestellen...
--Hartmut Spiesecke, Markus Spieker
|