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Aus: ideaSpektrum, 43/2005 (26. Oktober 2005)
Autoren: Hartmut Spiesecke, Markus Spieker
Web: www.idea.de

Chöre, Oratorien und Konzertmusik: 50 Stücke, die Christen kennen sollten (Teil II)

50 christliche Musik-Klassiker

BUCH:  Markus Spieker / Hartmut Spiesecke - ''50 christliche MusikKlassiker'' (2005) ...Musik gehört zum Alltag fast aller Menschen ganz selbstverständlich dazu - ohne sie ist unser Leben kaum denkbar. Die Journalisten Hartmut Spiesecke und Markus Spieker (beide Berlin) haben sich auf die Suche nach 50 christlichen Klassikern gemacht. Zu ihrer Hitliste gehört das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach ebenso wie "Amazing Grace", gesungen von Elvis Presley, oder Dietrich Bonhoeffers "Von guten Mächten wunderbar geborgen" in der Vertonung von Siegfried Fietz. In dieser zweiten Folge stellen wir Messen, Konzertmusik, Passionsstücke, Oratorien und Lieder Luthers vor. Im ersten Teil (ideaSpektrum Nr. 39/2005) ging es um die Klassiker der modernen Musik. Im dritten Teil folgen Stücke zum Ewigkeitssonntag und zu Weihnachten.


» Auswahl:



Passion

Johann Sebastian Bach - ''Johannes-Passion (BWV 245)'' (1724)
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Johann Sebastian Bach: Johannes-Passion (1724).
Bachs Johannes- und seine Matthäus-Passion sind Inbegriff christlicher Kirchenmusik (eine dritte, die Markus-Passion, blieb verschollen). Dabei unterscheiden sie sich deutlich voneinander: Die Johannes-Passion ist die dramatisch gestaltete Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu, die Matthäus-Passion das nachvollziehbare theologische Verstehen dieser Geschichte. Sie gestaltetet die entsetzliche Dynamik, die Jesus in den Kreuzestod treibt. Der Nachvollzug der Handlung wurde von Bach musikalisch vorangetrieben. Deswegen sind wir so ergriffen von der Johannes-Passion, weil wir beim Hören verstehen, wie es zur Kreuzigung kam.

Johann Sebastian Bach - ''Matthäus-Passion (BWV 244)'' (1729)
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Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion (1729).
Bachs Matthäus-Passion ist die Deutung des Lebens Jesu. Sein Leiden und Sterben finden hier einen musikalischen Ausdruck, der uns verstehen läßt, warum und wozu dies alles geschah. Im Unterschied zur Johannes-Passion ist die fünf Jahre später entstandene Matthäus-Passion viel interpretierender. Sie soll uns unser eigenes Leben und Sterben im Glauben erklären.




Joseph Haydn - ''Die letzten sieben Worte'' (1785)
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Joseph Haydn: Die sieben letzten Worte (1785).
Musik zur Todesstunde Jesu: Joseph Haydn komponierte ein Stück für Karfreitag, an dem eigentlich gar keine Musik erklingen durfte. Im Jahr 1785 entstand eine der eigenwilligsten Kompositionen der Musikgeschichte: Der Bischof von Cadiz (Andalusien) beauftragte Haydn, eine Komposition auf die sieben letzten Worte Jesu zu fertigen. Haydn schrieb für großes Orchester, also ohne gesungenen Text. Das Besondere ist die Form des Werkes: Haydn komponierte weder ein Oratorium noch eine Kantate, sondern eine langsame Einleitung, sieben langsame Sätze, die ein Zwischenspiel enthalten, und einen sehr schnellen Schlußsatz, der mit "Erdbeben" betitelt ist.

Arvo Pärt - ''Johannes-Passion'' (1982)
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Arvo Pärt: Johannes-Passion (1982).
Eine Passion ganz ohne Leidenschaft, in ebenmäßigem Gleichmaß - so klingt Arvo Pärts Musik nach Johannes. Nicht Bachs Dramatik, sondern eine vorgestellte Musik des Mittelalters ist hier Vorbild einer neuen Art des Hörens. Die Passion imitiert Musik des Mittelalters und kombiniert sie behutsam mit Dissonanzen des 20. Jahrhunderts. Am auffälligsten sind in der Musik des estnischen Komponisten die Pausen - komponierte Stille.



Oratorien

Joseph Haydn - ''Die Schöpfung'' (1796-98)
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Joseph Haydn: Die Schöpfung (1796-98).
»Nie war ich so fromm als bei der Komposition der Schöpfung«, bekannte Haydn. Wie konnte diese größte Tat Gottes musikalisch dargestellt werden, ohne ihr die Größe, das Unvorstellbare, zu nehmen? Haydn komponierte für ein großes Orchester mit Holz- und Blechbläsern, für Chor und für drei Solostimmen. Nicht mehr für eine Aufführung in der Kirche, wie noch Bachs Passionen, sondern längst für den Konzertsaal schrieb er die Schöpfung. Und es wurde eine Musik von erhabener Größe: In den ersten beiden Teilen werden die Schöpfungstage beschrieben, während der dritte Teil von Adam und Eva im Paradies kündet.

Hector Berlioz - ''Die Kindheit Christi'' (1850/54)
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Hector Berlioz: Die Kindheit Christi (1850/54).
Das süße Jesuskind in der Krippe, das seit der Romantik zu unserer gängigen Vorstellung gehört, hatte nicht nur eine anstregende Reise im Bauch der Mutter hinter sich, sondern auch die Flucht nach Ägypten vor sich. Hector Berlioz (1803-1869) erinnert uns daran, wie gefährlich die erste Lebenszeit Jesu war. Er konzipierte drei Teile der Kindheit Christi: den Traum des Herodes (an dessen Ende die Geburt Jesu steht), die Flucht nach Ägypten und die Ankunft in Sais im Nildelta. Den Schluß behalten der Rezitator und der Chor: Seele und Herz sehen die himmlische Ewigkeit.

Georg-Friedrich Händel - ''Messias'' (1741)
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Georg Friedrich Händel: Messias (1741). Halleluja!
Kaum ein Chorsatz ist bekannter als dieser aus Händels Messias. Das Oratorium kombiniert geschickt Texte des Alten mit dem Neuen Testament und erklärt dadurch, daß Jesus wirklich der Messias der biblischen Überlieferung ist. Im Herbst 1741 komponierte Georg Friedrich Händel sein vielleicht berühmtestes Werk, das dreiteilige Oratorium Messias. Der erste Teil nutzt Texte der Propheten Jesaja, Haggai und Maleachi und schließt mit der Weihnachtsgeschichte nach Lukas. Der zweite Teil vereint Prophetien und Beschreibungen von Jesus und endet mit dem berühmten Halleluja-Chor. Der dritte, kürzeste Teil bringt Texte zur Auferstehung. Stets sind Altes und Neues Testament verklammert: Die Bibel ist authentisch.

Franz Liszt - ''Christus'' (1863-67)
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Franz Liszt: Christus (1863-67).
Franz Liszt (1811-1886) war einer der größten Pianisten seiner Zeit und wurde später katholischer Priester. Sein dreistündiges Oratorium ist in drei Teile gegliedert: Der erste erzählt die Weihnachtsgeschichte, der zweite sammelt verschiedene Texte und Geschichten zusammen und der dritte beinhaltet Passion und Auferstehung. Kennzeichen des Oratoriums ist - seine Unterschiedlichkeit. Die Teile sind disparat, die Zusammenhänge gerade des zweiten Teils willkürlich. Und dennoch geben sie dem Ganzen erst sein Besonderes. Nicht allein um die Person Christi geht es, sondern um die Glaubenshaltung. Keine Geschichte soll hier erzählt werden, sondern der Glaube an Jesus soll in den biblischen Episoden sowie den liturgischen Stabat Mater-Teilen quasi erscheinen. Alles vereint die Musik: Das war Liszts musikalisches Glaubensbekenntnis.



Lieder des Reformators

Martin Luther - ''Ein feste Burg ist unser Gott'' (1529)
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Martin Luther: Ein feste Burg (1529).
Martin Luther war nicht nur Theologe und Reformator, sondern auch Texter und Komponist vieler Gemeindelieder. Deutsche Kirchenlieder haben wesentlich dazu beigetragen, die Reformation durchzusetzen. Seit 1523 erschienen viele von Luthers Liedern schon kurz nach ihrer Entstehung in Gesangbüchern und fanden so schnelle Verbreitung. Das 1529 entstandene "Ein feste Burg" (EKG 363) ist vielleicht das bekannteste Lied Martin Luthers. Die Zuversicht aus dem Titelvers ist das Programm dieses Liedes. Es basiert auf Psalm 46, ist aber keine Übersetzung oder freie Nachdichtung, sondern ein ganz eigenständiger Text. »Es streit' für uns der rechte Mann ... er heißt Jesus Christ«, lautet der zentrale Vers der zweiten Strophe. »Das Reich muß uns doch bleiben«, heißt es am Ende der vierten Strophe, trotz aller Anfechtungen, und hier ist Luthers Vorstellung von der Erlösung allein aus Gnade Liedertext geworden.


Messen und liturgische Musik

Josquin Desprez - ''Missa Pange Lingua'' (1515)
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Josquin Desprez: Missa Pange Lingua (1515).
Der frankoflämische Komponist Josquin Desprez (um 1440-1521) macht aus Musik eine individuelle Sprache des Ausdrucks. Seine Messe zu Fronleichnam ist ein Beispiel für die Meisterschaft Josquins. Sein Ziel ist ein erkennbarer Zusammenhang von Text und Musik, bei dem die Musik den Text deutet, sozusagen "hörbar" macht. Seine Missa Pange Lingua entstand um 1515 und ist für das Fronleichnamfest komponiert worden. Josquin verwendete den Fronleichnamhymnus "Pange Lingua" der in sechs Abschnitten im Kyrie präsentiert wird. Es gelingt Josquin, dem zu dieser Zeit noch jungen kanonischen liturgischen Messetext eine individuell geprägte Musik hinzuzufügen, die den Text musikalisch nachahmt und ausdeutet.

Giovanni Pierliugi da Palestrina - ''Missa Papae Marcelli'' (ca. 1567)
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Giovanni Pierliugi da Palestrina: Missa Papae Marcelli (ca. 1567).
Der 1525 bei Rom geborene Musiker lebte in wilden Reformationszeiten, in denen die katholische Kirche eine Reihe von Selbstvergewisserungen nötig hatte. Das Trientiner Konzil 1563 war sicher die wichtigste Station, die Palestrina damals hautnah miterlebte. Damals wurde um die "wahre" Kirchenmusik gestritten, und dieser Streit ging vor allem darum, ob Kirchenmusik ebenso wie weltliche Musik mehrstimmig sein dürfe oder wegen der Textverständlichkeit einstimmig sein müsse. Palestrina entschloß sich Mitte der 1560er Jahre zur Komposition einer Messe, die er dem 1555 nur wenige Monate amtierenden Papst Marcellus II. widmete - dieser ein entschiedener Befürworter kirchlicher Mehrstimmigkeit.

Orlando di Lasso - ''Bußpsalmen'' (um 1560)
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Orlando di Lasso: Bußpsalmen (um 1560).
Die Vertonung der Bußpsalmen Davids war für den Frankoflamen Orlando di Lasso der Anlaß, seinen ganzen kompositorischen Reichtum zu zeigen. Diese üppige Musik verstand sich auch als Alternative zur Schlichtheit des protestantischen Chorals. Kirchenmusik ist nicht auf rein liturgische Formen beschränkt, die ausschließlich dem Vollzug der Messe dienten. Zu den schon im 16. Jahrhundert berühmtesten Beispielen zählen Orlando di Lassos (1530-1594) Bußpsalmen. Die Lebendigkeit der Bußpsalmen scheint in Gegensatz zu ihrem Inhalt zu stehen - nicht andächtige, zurückhaltende Musik ist hier zu hören, sondern prachtvolle. Orlando di Lasso zeigte hier, was er auch für weltliche Musik benutzte: einen kunstvollen, reichen musikalischen Satz. Zu hören ist Musik der Gegenreformation. Buße als Vertrauen auf den Herrn.

Claudio Monteverdi - ''Marienvesper'' (1610)
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Claudio Monteverdi: Marienvesper (1610).
Der Italiener Monteverdi komponierte 1607 eine der ersten Opern: Orfeo. Sie setzt konsequent einen neuen Stil um, nämlich den begleiteten Gesang. im Gegensatz zu Palestrinas Ideal der (häufig fünf) gleichberechtigten Stimmen hat hier die virtuos geführte solistische Melodiestimme Vorrang. Monteverdi komponierte auch eine Abendmusik auf die Jungfrau Maria, die Psalmvertonungen mit anderen Texten abwechselt. Durch ihren Klang- und Stilreichtum ist sie eines der repräsentativsten Werke ihrer Zeit. Der stete Wechsel der Satztechniken und Besetzungen (Soli und Chor) schafft Klangreichtum und Abwechslung. Die Strahlkraft der Vesper erklärt sich aus genau dieser Vereinigung ganz unterschiedlicher Musik.

Johann Sebastian Bach - ''h-moll-Messe'' (1733/1750)
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Johann Sebastian Bach: h-moll-Messe (1733/1750).
Die h-moll-Messe von Johann Sebastian Bach ist ein musikalisches Unikum. Mit einer Gesamtdauer von mehr als zwei Stunden ist sie zweifellos nicht mehr für den Gottesdienst gedacht. Bach nimmt in der h-moll-Messe immer wieder andere Stilmittel auf, verwendet gregorianische Choräle ebenso wie konzertierende Elemente, setzt unterschiedliche Charaktere nebeneinander. Das erklärt sich nicht aus der Entstehungsgeschichte, sondern ist Programm: Bach komponierte als eines seiner letzten Werke ein Kompendium der Kirchenmusik in der Gewißheit, daß eine neue Zeit anbricht. Es entstand ein Werk, daß alle aufführungspraktischen Maße sprengt und auch deswegen als exemplarisch verstanden sein will. Bachs Zeitgenossen gingen darüber hinweg - erst 1835 erfolgte die Uraufführung.

Claudio Monteverdi - ''Marienvesper'' (1610)
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Ludwig van Beethoven: Missas Solemnis (1819-23).
Beethoven komponierte eine Messe ohne Gottesdienst und brachte den "alten Stil" in die klassische Instrumentalmusik. Beethoven tat sich als Komponist christlicher Musik erkennbar schwer - zu weit war kirchliche Musikm offensichtlich von seiner Vorstellung "absoluter Musik" entfernt, deren Entwicklung von musikalischen Motiven und Themen ausgeht, die einen Formprozeß durchlaufen. Insofern ist die Missa Solemnis Beethovens spannende Lösung eines komplexen Problems. Mit der 9. Symphonie und ihrem berühmten Chorfinale auf Schillers Ode an die Freude findet Beethoven schließlich eine musikalische Form, die die traditionelle Symphonie übersteigt und absolute Musik ins Allgemein-Menschliche steigert. Ist die Missa Solemnis (schon von der Länge her: rund 80 Minuten Aufführungsdauer) weniger Kirchenmusik als Konzertmusik, so wird mit der 9. Symphonie Konzertmusik zur "Musikreligion" - musikalisch genial, theologisch fragwürdig.

Franz Schubert - ''Deutsche Messe'' (1827)
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Franz Schubert: Deutsche Messe (1827).
Schuberts "Deutsche Messe" ist ein Werk, das die Tradition der Messe aufnimmt, aber einen durch und durch romantischen statt des lateinischen Liturgietextes verwendet. Das hat die Nachwelt geradezu entzückt: die erste Messe in deutscher Sprache, die den als altmodisch empfundenen Text durch einen neuen ersetzt und mit eingängigen Melodien versieht. Das Schuberts Deutsche Messe berühmt geworden ist, liegt nicht zuletzt an der Form in volksliedhaften Strophen, getrennt von instrumentalen Zwischenspielen.

Claudio Monteverdi - ''Marienvesper'' (1610)
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Gioacchino Rossini: Petite Messe Solennelle (1863).
Wer Rossini hört, denkt an italienische Oper, an den Barbier von Sevilla oder die Italienerin in Algier. Rossini komponierte aber auch wirklich dramatisches "Stabat mater" (Sequenz über das Mitleiden Marias beim Kreuzestod Jesu) und eben die kleine feierliche Messe, die Petite Messe Solonnelle. Die Messe ist allerdings weder klein (55 Minuten) noch besonders feierlich, und zu letzterem trägt vor allem die instrumentale Besetzung bei: Statt großem Orchester hört man hier lediglich zwei Flügel und ein Harmonium. Davon sollte jedoch niemand auf das geistige Format des Stückes schließen, denn Rossini ließ sich etwas Besonderes einfallen. So fügte er dem lateinischen Messetext vor dem abschließenden Agnus Dei noch eine Textsequenz ein, die der großen Fronleichnamsliturgie entnommen ist: "Unsere Feinde bedrängen uns von allen Seiten. Gib uns Hilfe und Kraft." Rossini zeigt gleichermaßen Meisterschaft wie Respekt vor der Kirchenmusikalischen Form.

Siegfried Fietz - ''von guten Mächten wunderbar geborgen'' (1970/1977/1992)
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Anton Bruckner: Te Deum (1884).
Bruckners musikalisches Gotteslob hat einen sehr repräsentativen Charakter. Bruckner komponierte es für großen Chor und großes Orchester, dazu vier Gesangssolisten. Einen kurzen Abschnitt in der Mitte singen die Solisten ohne Chor, den unmittelbar darauf folgenden der Chor ohne Solisten - Wechselgesang mit der Bitte um Errettung. Ansonsten: Gotteslob mit allen Pauken und Trompeten, und am Schluß die feste Hoffnung, daß diese Rettung kommt. Diese Hoffnung hegte Bruckner auch ganz fest für sich selbst: »Wenn mich der liebe Gott einst zu sich ruft und fragt: 'Wo hast du die Talente, die ich dir gegeben habe?', dann halte ich ihm die Notenrolle hin, und er wird mir ein gnädiger Richter sein.«

Frank Martin - ''Messe'' (1926)
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Frank Martin: Messe (1926).
Zu den Komponisten, die sich im 20. Jahrhundert intensiv mit dem Christentum beschäftigt haben, gehört der Schweizer Frank Martin (1890-1974). Er schuf eine Reihe von Werken, die christliche Themen ganz selbstverständlich aufgreifen. Offensichtlich hat der strenge Calvinist besonders im 2. Weltkrieg die Notwendigkeit gespürt, der christlichen Botschaft auch musikalisch Ausdruck zu verleihen. Das früheste christliche Werk Martins ist seine Messe für Doppelchor von 1926. Sie nimmt - für einen Calvinisten nicht selbstverständlich - den lateinischen Messetext auf und besteht aus fünf sätzen (das Benedictus ist in das Sanctus integriert).


Krzysztof Penderecki - ''Credo'' (1992-98)
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Krzysztof Penderecki: Credo (1992-98).
Dieses neue "Glaubensbekenntnis" klingt traditionsbewußt und bescheiden. Aber es erklärt uns: Die Auferstehung ist der Tag, den der Herr gemacht. Der Pole Krzysztof Penderecki ist einer der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart. Er wurde 1933 geboren und hat neben Konzertmusik immer wieder auch Musik zu christlichen Themen komponiert. Besonders aber faszinierte ihn das Credo - höchst ungewöhnlich, denn gerade mit dem Glaubensbekenntnis hatten im 20. Jahrhundert die meisten Komponisten wenig am Hut.



Konzertmusik

Felix Mendelssohn Bartholdy - ''5. Symphonie'' (1830)
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Felix Mendelssohn Bartholdy: 5. Symphonie (1830).
Felix Mendelssohn Bartholdy wurde nur 38 Jahre alt und ist doch einer der schaffenskräftigsten Komponisten des 19. Jahrhunderts gewesen. Er wurde lange unterschätzt und war ein echtes Allroundtalent: Er komponierte, spielte hervorragend Klavier, dirigierte, leitete die Berliner Singakademie und später die Leipziger Gewandhauskonzerte, führte 1829 Bachs vergessene Matthäus-Passion auf und leitete damit nicht nur eine Bach-Renaissance ein, sondern schrieb damit maßgeblich Musikgeschichte. Die 5. Symphonie trägt den Beinamen "Reformationssymphonie" und wurde zum 300. Jahrestag des Augsburger Bekenntnisses komponiert.

Igor Strawinsky - ''Psalmensinfonie'' (1930)
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Igor Strawinsky: Psalmensinfonie (1930).
Psalmen sind in der Musik des 20. Jahrhunderts selten. Den selbstverständlichen Umgang mit biblischen Texten gibt es im säkularen Zeitalter kaum noch. Um so erstaunlicher ist Strawinskys Psalmensinfonie. Strawinsky (1882 in Petersburg geboren, 1971 in den USA gestorben), lebte seit 1920 in Paris, komponierte aber eine Symphonie, die sich deutlich abgrenzt von den romantischen Symphonien der russischen, französischen und deutschen Tradition. Das Orchester ist nur mit tiefen Streichern, aber stark mit vierfachen Holz- und Blechbläsern sowie umfangreichem Schlagwerk besetzt.

Claudio Monteverdi - ''Marienvesper'' (1610)
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Olivier Messiaen: Éclairs sur l'Au-Dela (1992).
Der Franzose Olivier Messiaen (1908-1992) hat nicht nur Vogelstimmen von der Orgel nachspielen lassen, sondern auch einige der wichtigsten Kompositionen auf biblische Themen geschaffen: Die Éclairs sur l'Au-Dela, die Blitzlichter (oder auch Aufklärung, Erhellung) auf das Paradies. Der erste von elf Sätzen stellt die monumentale Ankunft Christi dar, das Riesenorchester tönt von der Herrlichkeit des Herrn, der riesenhaft erscheint. Dier siebente Satz trägt den Titel "Und Gott wird alle Tränen von ihren Augen trocknen" und besteht aus harmonischen Varianten rund um die Quinte d-a. Dazwischen: natürlich Vogelstimmen! Im elften Satz ist das Paradies erreicht, das Licht Christi strahlt über alles.


BUCH:  Markus Spieker / Hartmut Spiesecke - ''50 christliche MusikKlassiker'' (2005) ...




Die ausführliche Version gibt es jetzt als Buch:

Markus Spieker/ Hartmut Spiesecke, 50 christliche Musik-Klassiker, Holzgerlingen 2005, Hänssler-Verlag, 9.95 EUR/ 18.90 sFr., online bestellen...



--Hartmut Spiesecke, Markus Spieker



Das Original dieses Textes erschien in "ideaSpektrum", Nr. 43/2005 (vom 26. Oktober 2005).

Erscheinungsdatum:
27.12.2005
Redakteur: David Decker für CCM-Rezis
 


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