|
Musik
zum Ewigkeitssonntag und zu Weihnachten: Stücke für Christen
(III)
50 christliche Musik-Klassiker
Musik
gehört zum Alltag fast aller Menschen ganz selbstverständlich
dazu - ohne sie ist unser Leben kaum denkbar. Die Journalisten Hartmut
Spiesecke und Markus Spieker (beide Berlin) haben sich auf die Suche nach
50 christlichen Klassikern gemacht. In der letzten Folge wird Musik zum
Ewigkeitssonntag und zu Weihnachten vorgestellt. In den Folgen
I + II (ideaSpektrum Nr. 39 und
43) ging es um moderne Musik sowie Messen und Konzertmusik.
» Auswahl:
Ewigkeitssonntag
Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem (1791).
Mozarts Requiem ist nicht
nur sein musikalisches Vermächtnis, sondern auch eines der berühmtesten
Todesstücke der Musikgeschichte, da Mozart während der Komposition
des Requiems starb. Wer heute das "ganze" Requiem hört,
der hat nur zweieinhalb Sätze originalen Mozart gehört, der
größere Rest wurde nach seinem Tod im Auftrag seiner Frau Konstanze
von Mozarts Schüler Franz Xaver Süßmayr nach Skizzen von
Mozart vollendet. So bleibt uns von dem 1791 entstandenen Requiem vor
allem der Blick auf den schroffen Beginn - und ein guter Grund mehr, sich
göttliche Erlösung von diesen schrecklich-schönen Klängen
zu wünschen.
Giuseppe Verdi: Messa da Requiem (1873).
Nur wer Höllenqualen ahnt, weiß Erlösung wirklich zu schätzen.
Verdis Requiem verbindet selige
Hoffnung mit fürchterlicher Drohung. Verdis Requiem ist nichts weniger
als eine Oper im Kirchengewande, die uns unseren Tod vor Augen stellt.
Der Höhepunkt des Werkes liegt zweifellos im "Dies irae".
Der "Tag des Zorns" wird hier besungen in einer Weise, die einen
das Blut in den Adern gefrieren läßt: brutale Paukenschläge,
Schreie des Chores tönen von einer Höllenfahrt, die sich keiner
wünscht. Das "Dies irae" bricht als Zitat sogar noch einmal
in die Erlösung des Schlusses ein, ohne dort freilich die Oberhand
zu gewinnen.
Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem (1887).
Brahms' Requiem erklärt uns Christlicher Glaube ist auch Trost für
die Hinterbliebenen. Ein "deutsches" Requiem ist hier ganz wörtlich
gemeint: Johannes Brahms (1833-1897)
ist der erste Komponist, der ein Requiem in deutscher Sprache schrieb.
Während der liturgische Text für die Totenmesse ist, stellte
Brahms seine eigene Textauswahl zusammen, die komplett aus Bibeltexten
besteht. Schon der Beginn macht deutlich, worum es Brahms geht: »Selig
sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.«
Brahms war evangelisch, komponierte aber keine Kirchenmusik. Es ist Zufall,
daß ausgerechnet dieses Werk im Ruf einer Kirchenkomposition steht
und seit seiner Uraufführung 1887 im Bremer Dom alljährlich
vor allem zum Ende des Kirchenjahres im November aufgeführt wird.
Gabriel Fauré: Requiem (1887).
Süßer kann man nicht sterben: Gabriel
Fauré läßt uns hören, daß man in Frankreich
nicht nur die besseren Liebhaber, sondern auch den leichteren Tod kennt.
Den Tag des Zorns hat Faure einfach gestrichen. Was bleibt übrig?
Ein Requiem, das nur noch von der ewigen Ruhe singt, die für die
Toten erbeten wird. Die Musik ist - schon fast unanständig für
eine Totenmesse - betörend und hat wesentlich dazu beigetragen, daß
das Werk in den letzten Jahren zum Publikumsrenner wurde. Der Schrecken
des Jüngsten Gerichts wird für ein Erlösungsversprechen
verschwiegen.
Weihnachten
Heinrich Schütz: Historia der Geburt Jesu Christi (um 1660).
Heinrich Schütz wurde
1585 geboren und prägte maßgeblich die Musik seiner Zeit und
der folgenden Generationen. In seinem langen Leben komponierte er (gestorben
1672) eine enorme Zahl von Musikstücken, die weit überwiegend
auf deutschen Texten beruhten und halfen, die deutsche Sprache als Gottesdienst-
und Liturgiesprache durchzusetzen. Die Historia der Geburt Jesu schildert
den biblischen Weihnachtsbericht aus Sicht des Evangelisten. Dieser wird
von Orgel und Violine (einem Vorgänger des Kontrabasses) begleitet.
Bachs Oratorium und seine Passionen sind nur denkbar mit den Werken von
Heinrich Schütz.
Johann Sebastian Bach: Weihnachtsoratorium (1734).
Bachs Weihnachtsoratorium
ist die mitreißende Deutung der Weihnachtsbotschaft. Kaum ein Werk
gilt mehr als Synonym für eine bestimmte Jahreszeit, ein bestimmtes
Kirchenfest, als Bachs Weihnachtsoratorium. Unmöglich, hier auch
nur die wichtigsten Stellen vorzustellen. Das Weihnachtsoratorium gibt
Zeugnis von der christlichen Freude über das Weihnachtsereignis der
Geburt Jesu.
Camille Saint-Saëns: Weihnachtsoratorium (1858).
Ein Oratorium aus Frankreich: Weniger dramatisch als Bachs Vorbild erläutert
uns Saint-Saëns musikalisch das Licht Christi in dunkler Weihnachtsnacht.
Der Katholik Saint-Saëns wählte dafür Bibeltexte rund um
die Verkündigung der Geburt Jesu an die Hirten durch die Engel. Das
Stück ist absichtsvoll fast kammermusikalisch besetzt: Nicht auf
Theatralik, sondern auf Innigkeit abgestimmt, gedacht nicht für den
Konzertsaal, sondern für den Weihnachtsgottesdienst und daher auch
nur 1/2 Stunde lang.
--Hartmut Spiesecke, Markus Spieker
|