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Aus: ideaSpektrum, 13/2002 (27. März 2002)
Autor: Theo Lehmann
Web: www.idea.de

» Die einen lieben moderne Lobpreismusik, die anderen ziehen Choräle vor.
Dazu eine Glosse des sächsischen Jugendevangelisten Theo Lehmann (Chemnitz).

In fünf Stufen zum überströmten Thron

Früher schrieb ein Liederdichter für ein Lied locker fünf bis zehn Strophen, und die wurden auch alle gesungen. Heute genügt schon ein einziger Chorus, und der wird dann eben fünf bis zehnmal gesungen. Diese Verminderung der Strophen kann man deshalb auch als Katastrophe bezeichnen (natürlich nur rein Sprachlich gesehen, "kata" heißt "herab", also weniger). Wegen dieser Eingleisigkeit spricht man von der "Lobpreisschiene", auch dann, wenn der Chorus durch einige Strophen angereichert wird. Lobpreisverdächtig ist ein Lied, in dem irgend etwas erhoben wird, möglichst ein Thron. Ein Lied, in dem nicht spätestens in der zweiten Strophe ein Thron steht, ist rein lobpreismäßig als mangelhaft einzustufen. Stufen zum Thron sind übrigens meist überflutet beziehungsweise überströmt, daher am besten zu überspringen, zum Beispiel die Stufe des Leidens, der Selbstverleugnung, des Kreuz-auf-sich-nehmens und ähnliche unangenehme Dinge, die in der Bibel als Preis der Nachfolge genannt werden. Man kann halt nicht jeden Preis loben. Auf einer höheren Stufe des Lobpreises befindet sich das Liedgut in der Sprache der Engel, also Englisch. Hier kommt es verständlicherweise nicht mehr darauf an, verständlich, sondern einfach "high" zu sein.?
Theo Lehmann «


Einige Anmerkungen dazu: Was ist eigentlich eine Glosse? - Eine Glosse kann verschiedenes zum Inhalt haben: a) Erläuterung eines erklärungsbedürftigen Ausdrucks, b) spöttische Randbemerkung oder c) kurzer Kommentar in mit (polemischer) Stellungnahme zu bestimmten Ereignissen.

Theo Lehmann spricht verschiedene Probleme der heutigen Gemeinde- und Jugendmusikkultur innerhalb des christlichen Bereiches in Deutschland an. Wir sollten wirklich mal darüber nachdenken und unser Umfeld einmal konkret unter die Lupe nehmen. Vielleicht lassen sich einige Konsequenzen aus dem Gelesenen und Beobachteten ziehen?!?
Obwohl ich die Meinung von Theo teile, sollte man trotzdem dieses moderne Genre nicht sofort pauschal verurteilen. Theo hat vieles etwas übertrieben dargestellt, damit uns der Spiegel um so deutlicher vor Augen steht, doch man sollte jede lokale Situation differenziert sehen, denke ich.
Was viele nicht wissen werden: Theo Lehmann ist neben seiner Berufung und Leidenschaft, ein (Jugend-) Evangelist zu sein, auch ein Experte in Sachen Musik, besonders was die Bereiche Gospel und Blues angeht. Seine Promotion hat er im Bereich der schwarzen Gospelmusik gemacht! Auch gibt es einige Bücher auf dem christlichen Markt, die sich verschiedenen Themen bzw. Interpreten der (christlichen) Musikbranche widmen. Er versteht also, was von der Thematik an und für sich. Da er sehr viel herumkommt in christlichen Breiten (und verschiedenen Gemeindetypen...) und außerdem viel Erfahrung hat, dürfte sein Beitrag deshalb um so schwerwiegender sein.

David Decker für CCM-Rezis, Mai 2002



Das Original dieses Textes erschien in "ideaSpektrum", Nr. 13/2002 (vom 27. März 2002).

Erscheinungsdatum:
8.6.2002
Redakteur: David Decker für CCM-Rezis
 


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