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Aus: x-report / ideaSpektrum, 23/2004 (2. Juni 2004)
Autor: Satoshi Macchi
Web: www.idea.de

Lobpreis auf Englisch?

Der Verein Deutscher Sprache (VDS), der sich für den Gebrauch der Muttersprache einsetzt, hat es ausgerechnet: Nur 1,2 Prozent der im Radio gespielten Poplieder werden auf deutsch gesungen. Das hat auch Auswirkungen auf Christen: Zunehmend gibt es in Gottesdiensten in Deutschland, Österreich und der Schweiz englische Lieder. x-Reporter Satoshi Macchi (Ulm) wollte wissen, in welcher Sprache junge Christen in Europa Gott singen. Seine Umfrage ergab, daß Evangelikale in Deutschland mehr englische Lieder singen, als dies in anderen Ländern der Fall ist. idea befragte zwei Musikexperten, wie sie sich diese Entwicklung erklären.


»Meine Wahrnehmung ist eher, daß sich die deutsche Sprache in den letzten Jahren wieder stärker etabliert hat. Auch im säkularen Raum haben gerade Künstler wie Xavier Naidoo, Yvonne Catterfeld oder er enorm große deutschsprachige HipHop-Bereich dafür gesorgt, daß Deutsch in einer schönen Selbstverständlichkeit auch von der breiten Masse angenommen wird. Wir bei ABAKUS Musik veröffentlichen bewußt seit Jahren deutsche Texte, weil trotz allen guten Englischkenntnissen ein sensibler Text in der Muttersprache am ehesten zugänglich wird. Meiner Erkenntnis nach ist eine zusätzliche Sprachbarriere eher hinderlich, wenn es darum geht, mit den Texten die Leute zu erreichen und auch etwas zu bewirken.«
Siegfried Fietz (Greifenstein bei Wetzlar), Liedermacher und Komponist


»In den 70er und 80er Jahren wurde Deutschsingen mit Schlager verbunden - das galt unter Jugendlichen als uncool, also sang man viel auf Englisch. Inzwischen entdecken sie aber die deutsche Sprache wieder: Lieder wie "Großer Gott, wir loben dich" sind ein geistlich sehr wertvolles Erbe. Ich finde es gut, wenn Lobpreis auf deutsch gesungen wird. Wir singen unsere Lieder allerdings überwiegend in Englisch - schließlich sind wir in ganz Europa unterwegs. Auf unseren evangelistischen Jugendcamps in Deutschland singen wir aber neben englischen auch deutsche Lieder. Die Leute wollen ja wissen, was sie da mitsingen.?«
Steve von Normal Generation (Altensteig im nördlichen Schwarzwald)


In welcher Sprache wird gesungen?

Marysia Sztwiertnia (21), Linguistik-Studentin, Warschau (Polen): 80% Polnisch, 20% Englisch
»Wenn wir Gott loben, geht es leichter in der Sprache, mit der wir beten.«

Connie Fahrenwaldt (22), Biologie-Studentin, Rostock (Deutschland): 60% Englisch, 40% Deutsch
»Deutsche Übersetzungen passen oft nicht zum englischen Rhythmus. Außerdem sind viele deutsche Studenten schon mal für mehr als ein paar Monate in Großbritannien oder Amerika gewesen.«

Nikolett Gueth (20), Student der Sonderpädagogik, Budapest (Ungarn): 90% Ungarisch, 10% Englisch
»Im Liederbuch unserer Studentenmission gibt es insgesamt 143 Lieder. Davon haben nur 15 Lieder einen englischen Text.«

Torhild Fikseaunet (22), Ingenieurwissenschaften für Schiffsbau, Trondheim (Norwegen): 50% Norwegisch, 25% Schwedisch, 25% Englisch
»Es wäre langweilig, wenn wir noch mehr englische Lieder singen würden. Viele Studenten haben sich bereits über zu viele englische Lieder beschwert.«

Eva Ticha (22), Biochemie-Studentin, Pardubice (Tschechien): 100% Tschechisch
»Die meisten englischen Lieder sind sowieso auf tschechisch übersetzt.«

Radoslar Dodek (22), Informatik-Student, Zilina (Slowakei): 100% Slowakisch
»Nicht alle Studenten verstehen englisch gut. Außerdem sind die meisten englischen Lieder auf slowakisch übersetzt.«

Henrik Radberg (24), Biotechnologie-Student, Göteborg (Schweden): 60% Schwedisch, 40% Englisch
»Wir haben viele gute schwedische Lobpreislieder, zudem sind die meisten englischen Lieder ins Schwedische übersetzt.«

Nadia Walchli (19), Medizin-Studentin, Bern (Schweiz): 60% Deutsch, 40% Englisch
»Noch mehr englische Lieder sind nicht wünschenswert, weil man am besten mit der Sprache Gott loben kann, die man auch beim Beten verwendet.«

Peter Dultmann (20), Student der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Ede (Niederlande): 70% Holländisch, 30% Englisch
»Wir singen viel auf englisch, weil die holländische Übersetzung englischer Lieder oft erst ein paar Jahre später erscheint.«

Helmut Korb (23), Student der Sportwissenschaften, Innsbruck (Österreich): 60% Deutsch, 40% Englisch
»In eigener Sprache ist es leichter, Gott zu loben. Es geht ja schließlich beim Lobpreis um das, was man singt.«

John Vanderelst (23), Linguistik-Student, Louvane (Belgien): 90% Französisch, 10% Englisch
»Zum Lobpreis brauche ich meine eigene Sprache. Sie kommt näher aus meinem Herzen. Ich fände es seltsam, wenn jemand Englisch gegenüber seiner Heimatsprache bevorzugt.«

Marvin Schoeller (22), Wirtschaftsinformatik-Student, Hamburg: 70% Englisch, 30% Deutsch
»Deutsche Übersetzungen von englischen Liedern klingen oft komisch.«

Satoshi Macchi


Ich möchte x-report/ ideaSpektrum auf diesem Wege für diesen Artikel "Lobpreis auf Englisch?" danken! Die Umfrage in Europa war sehr hilfreich. Wie schon fast vermutet, schneiden die Deutschen dabei muttersprachlich am Schlechtesten ab. Aus den meisten Aussagen der anderen Studenten spricht ein klares Selbstbewusstsein für ihre Nation, die in Deutschland leider fehlt. Es wird generell immer weniger gesungen in Deutschland, Kinder und Jugendliche kennen und bringen kaum noch deutsche Volkslieder. Hinzu kommen zwei Extreme bei den Radiosendern: Entweder eine Dauerberieselung mit englischsprachigem Einheitsbrei oder mit seichten Schlagern...

Für mich es daher einfach nicht nachvollziehbar, wie man im in Jugendkreisen und gar im Gemeindegottesdienst auch immer mehr englisch singen kann und will. Hier bleibt nicht nur die ältere und mittlere Generation auf der Strecke, sondern zunehmend auch junge Leute. Die Erfahrung in der Praxis zeigt: Selbst Gymnasiasten verfügen mitunter nur über "Anfänger-Kenntnisse" in Englisch, bei Haupt- und Mittelschülern kommt oft sogar eine bewusste "Anti-Englisch-Haltung" hinzu. Selbst von Studenten (ich bin selbst einer), war bisher nur eine Minderheit im englischsprachigen Ausland. - Man schließt daher viele Leute vom Verständnis und vom "Gefühl" beim Singen in der Jugendgruppe und in der Gemeinde aus. Dieser Trend muß endlich gestoppt und umgekehrt werden! Es ist notwendig mit den englischen Liedern Maß zu halten und sie nicht ausufern zu lassen!

Das Problem mit den meist niveaulosen und sprachlich hanebüchenen Übertragungen englischer Lieder ins Deutsche ist hinlänglich bekannt. Der Wahrheit halber will ich anfügen, daß es auch positive Beispiele gibt (z.B. "Herr dein Name sei erhöht"). Abhilfe ist eigentlich längst verfügbar, denn in den letzten Jahren sind auch unzählige gute deutsche Lieder neugeschrieben worden - von muttersprachlichen Textern/ Komponisten. Hier ist aber noch weiterer Bedarf, besonders an bodenständigem, aussagekräftigem, generationenübergreifendem Liedgut, weil sich meist nur das langfristig behaupten kann. Was wir keinesfalls weiter brauchen, sind sogenannte (übersetzte oder selbstgeschriebene) Lobpreischorusse, wo ein nicht-alltagsrelevanter, beschränkter Wortschatz lediglich wie bei einem Zufallsgenerator neu "durchgedreht" wird.

Das vermehrte Deutsch-Singen beginnt damit, daß wir es selber tun und uns dafür stark machen. Was das Radio anbelangt, so hilft aus meiner Sicht, nach Abwägung aller Elemente nur noch eine Quote für deutschsprachige Musik.

David Decker für CCM-Rezis, Juni 2004



Das Original dieses Textes erschien in "ideaSpektrum", Nr. 23/2004 (vom 2. Juni 2004).

Erscheinungsdatum:
22.3.2005
Redakteur: David Decker für CCM-Rezis
 


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