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Aus: ideaSpektrum, 40/2004 (29. September 2004)
Autor: Karsten Huhn
Web: www.idea.de

Te.Steinlein (Thomas Steinlein)

Porträt

Ein blinder Sänger war überzeugter Atheist. Bis er einen Gottesdienst besuchte.

Der singende Evangelist

Von Karsten Huhn

Thomas Steinlein will mehr Freude in die Kirche bringen. Er spielt selbstkomponierte Lobpreis- und Anbetungslieder, singt klare, leidenschaftliche Lieder, die er am Klavier begleitet. Seine Vorbilder sind neben modernen Musikern wie David Ruis und Mark Schultz auch die alten Liederdichter Zinzendorf, Gerhardt und Tersteegen. »In ihren Texten steckt ein ganz tiefer Glaube. Das sind Lieder, die nicht alt werden.«

Wie sein Publikum auf die Konzerte reagiert, kann Steinlein nur hören. Denn seit Geburt ist der 37jährige blind. Geboren ist er in Gera, aufgewachsen in Chemnitz. Schon als Sechsjähriger übt er am Klavier; am liebsten spielt er Stücke von Johann Sebastian Bach. Seine Eltern sind überzeugte Atheisten, nur eine Tante betet abends manchmal mit ihm und nimmt ihn sonntags zur katholischen Kirche mit. Steinlein besucht ein Blindengymnasium, macht danach eine Ausbildung als Sekretär und beginnt, in Weimar Musik zu studieren. Auferstehung der Toten, Vergebung der Sünden, ewiges Leben - das sind für ihn damals Fremdworte. »Ich war bekennender Atheist, glaubte an Marx und Engels. Ihre Ideen sind gut, dachte ich, nur die Umsetzung stimmte nicht.«


Te.Steinlein (Thomas Steinlein)Aus Anstand mitgegangen

Erste musikalische Erfolge feiert Steinlein als Liedermacher, als Texter und Sänger des Pop-Trios "Finest Candle" und der erzgebirgischen Mundartrockband "Dr. LOB" (Lob steht für "Lieder ohne Bedeutung"). Ein Pfarrer, den Steinlein bei einer Familienfeier kennenlernt, erzählt ihm vom christlichen Glauben. Wenige Wochen später läßt Steinlein sich von ihm taufen. »Ich lebte danach weiter wie bisher, aber im nachhinein denke ich, daß diese Taufe ein Puzzleteil in Gottes Plan war.« Drei Jahre später, am 5. November 1995 wird er Christ.


Ich gewann einen Vater

An diesem Tag folgt Steinlein der Einladung eines Freundes zu einem Gottesdienst einer Gemeinde in Erfurt. »Ich dachte, ich geh mal aus Anstand mit. Aber in dem Augenblick, wo ich in die Gemeinde kam und an der Garderobe meine Jacke ablegte, wußte ich, daß ich zu diesen Leuten gehöre. Es war wie eine Offenbarung für mich. Ich gewann einen Vater im Himmel und eine riesige Familie - und wurde freigekauft von der Sünde.« Zwei Monate später, nach Abschluß seines Studiums, zieht Steinlein nach Hamburg. Seine geistliche Heimat findet er in der Elim-Gemeinde, die zum Bund Pfingstkirchlicher Gemeinden gehört. Dort lernt er zahlreiche christliche Musiker kennen, besorgt sich Kassetten mit Predigten, besucht Seminare. »Ich habe das Gemeindeleben aufgesogen wie ein Schwamm.« In einem Hauskreis lernt er Marion kennen, mit der er heute verheiratet ist und einen fünf Jahre alten Sohn hat.


Te.Steinlein (Thomas Steinlein)Lizenz zum Beten

Von seinen bisherigen musikalischen Engagements trennt er sich bald nach seiner Ankunft in Hamburg. Steinlein will jetzt nur noch für Gott singen. Zunächst unterrichtet er noch Klavier, Gesang und Komposition. Dann macht er sich als singender Evangelist selbständig und bringt seine ersten Alben "Locker im Herrn" und "Lizenz zum Beten" heraus. Heute gibt er etwa 140 Konzerte im Jahr. Seine Stücke sind mitreißend rhythmisch, die Texte zum Mitsingen geeignet. Zwischendurch plaudert er mit seinem Publikum und erzählt, wie er Christ wurde. Wenn Steinlein nicht zusammen mit seinem Gitarristen oder seiner Band gebucht wird, fährt er meist alleine mit der Bahn. Hat er keine Angst? »Ich bin unbesorgt, schließlich bin ich mit Gott unterwegs. Meine Behinderung ist für mich viel normaler, als sich die meisten vorstellen.« Alle vier Wochen beten die Ältesten seiner Gemeinde mit ihm für die Heilung seiner Augen. »Ich glaube unbedingt an Heilung, aber ich glaube nicht, daß Gott jeden hier und jetzt heilt. Gott hat mir soviel geschenkt, selbst wenn er mich nicht heilt, wäre das für mich keine Glaubenskrise.«

--Karsten Huhn



Das Original dieses Textes erschien in "ideaSpektrum", Nr. 40/2004 (29. September 2004).

Erscheinungsdatum:
7.10.2005
Redakteur: David Decker für CCM-Rezis

weitere Rezensionen - siehe Te.Steinlein-Künstlerseite >>
 


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