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Switchfoot

Biographie

Geschichte der Rockband Switchfoot

Es kommt nicht allzu oft vor, dass sich eine Rockband, deren Sound von zwei brachialen Gitarren dominiert wird, eine derartige Ernsthaftigkeit auf die Fahnen schreibt. Jonathan "Jon" Foreman und seine Band Switchfoot geben sich jedenfalls nicht mit dem zufrieden, was die Popwelt ihnen vordergründig zu bieten hat. "Wenn ich glücklich damit bin, eine Hitsingle zu schreiben oder einen Platin-Award zu bekommen, dann habe ich in der Beziehung zu meinen Mitmenschen versagt", sagt Foreman. "Wir haben den besten Job der Welt, denn wir verdienen unser Geld mit Musikmachen und wir haben auch noch Spaß dabei. Aber wir haben uns ganz bestimmt nicht auf die ganze Sache eingelassen, um irgendjemandem irgendetwas zu verkaufen. Für uns geht es darum, mit Leuten auf einem ganz anderen Level zu kommunizieren."

SwitchfootDiese Einstellung war es auch, die dem Switchfoot-Sänger und -Gitarristen und seinen Bandkollegen (Bruder/ Bassist Tim Foreman, Keyboarder Jerome Fontamillas [ex-Mortal und -Fold Zandura] und Drummer Chad Butler) eine Einladung zum DATA-Kongress in Nashville einbrachte. Die Charity-Organisation DATA (Debt, AIDS, Trade for Africa) wurde von U2-Frontmann Bono ins Leben gerufen, um das Bewusstsein für AIDS zu schärfen und den Schuldenerlass für Entwicklungsländer voran zu treiben. "Es war großartig", sagt Foremann, der bereits mit sudanesischen Flüchtlingen in Switchfoots Heimatstadt San Diego arbeitete. "Der Mann hat all das Geld, den Ruhm und den Bekanntheitsgrad, den man sich nur wünschen kann und er stellt sich hin und spricht leidenschaftlich über diese armen Menschen in Afrika, die niemals seine Platten kaufen werden. Ihm zuzuhören war mit Sicherheit eine Erfahrung, die mein Leben verändert hat."

Als das Meeting zu Ende war, ging Foremann zu Bono und drückte ihm vierzig Dollar in die Hand. "Ich sagte ihm, dass ich ihm das Geld schulde, weil ich mich ein paar Jahre zuvor in ein U2-Konzert geschmuggelt hatte", sagt er. "Er lachte nur und sagte, dass er das auch gemacht hatte, als er noch jünger war. Wir unterhielten uns eine Weile, er gab mir das Geld zurück und sagte, er sei bereits reichlich entlohnt worden. Um ehrlich zu sein war ich sehr beruhigt, weil es meine letzten vierzig Dollar waren und ich das Geld eigentlich für die Heimfahrt brauchte."

Hinsichtlich seines DATA-Engagements (Sixpence None The Richer engagiert sich auch dafür...) erklärt Foreman: "Ich spreche ab und zu in Interviews darüber oder auf der Bühne, aber ich bin sehr vorsichtig, damit ich den Leuten damit nicht auf die Nerven gehe. Wir waren nie eine politische Band. Unsere Songs handeln mehr von der ‚Politik des Herzens' als von tatsächlicher Außenpolitik. Ich denke, man kann die äußeren Probleme nicht lösen, wenn wir unsere inneren Probleme nicht bewältigt haben."

SwitchfootAuf dem ersten Album im Vertrieb von Sony Music, "the beautiful letdown", gibt Foreman Einblicke in sein Seelenleben mit Songs über Hoffung, Liebe, Glauben und dem Wunsch, mehr zu sein als irgendein Musiker, der seine CD an den Mann bringen will. Im Titelstück "the beautiful letdown" gräbt er nach schmerzhaften Wahrheiten und bei "ammunition" tritt er beherzt auf's Verzerrer-Pedal, um seine Wut über die Unstimmigkeiten unserer Zeit herauszuschreien. Auf der Singleauskopplung "meant to live", die von T.S. Elliots "The Hollow Men" inspiriert ist, sucht er in einer Welt, die sowohl Liebe als auch Hass beherbergt, nach Möglichkeiten zu überleben.

"Es ist kein düsteres Album, aber es handelt von finsteren Dingen, die mir passiert sind", sagt Foreman. "Einige der Songs handeln von Hoffnung - die schwerer wiegt als alle unserer Wunden - und das diese Hoffnung etwas ist, an das wir uns klammern können. Ich denke, dass den Kids so etwas auffällt und dass sie sich solche Dinge aus unserer Musik herausziehen." Nach einer kleinen Pause fügt er hinzu: "Versteht mich nicht falsch - ich bin nicht dem Irrglauben verfallen, dass unsere Songs mit einem Schlag die Welt verändern. Aber Veränderung ist möglich und ich will defintiv ein Teil davon sein. Wir sprechen nach den Konzerten regelmäßig draußen mit den Leuten und neulich kam ein Junge zu mir und umarmte mich, weil er so ergriffen von dem Song 'dare you to move' war. Ganz offensichtlich hatte er eine harte Zeit hinter sich und er war sich nicht mehr sicher, ob er überhaupt weiterleben wollte. Aber als er den Song hörte, war er neu inspiriert. Das ist unglaublich. An manchen Tagen, wenn du dich fragst, was du eigentlich machst - und mitten im Nirgendwo ein Konzert spielst - dann denkst du an Momente wie diesen und dir wird klar, dass du der Teil einer größeren Geschichte als deiner eigenen bist."

SwitchfootManche meinen Switchfoot würde musikalisch sowohl auf Police und James Taylor als auch auf die Beatles und Stevie Wonder zurückgreifen und wirbelnden Gitarrenpop voll mühelos gedrechselter Melodiebögen und Soundstrukturen kreieren, die ständig im Fluss befindlich scheinen. "Wir haben noch nie in diese Genre-Schubladen hineingepasst", sagt Foreman. "Ich denke, dass Vielseitigkeit unsere Stärke ist." Es ist in den letzten Jahren jedoch klargeworden, daß sie im modernen Gitarrenrock zu Hause sind, diverse Ausflüge in den Pop bzw. sogar in den Soul inbegriffen. Switchfoot ist nach mehr als sieben Jahren eine gereifte Band, die weiß, daß sie nur mit Bodenständigkeit und Kreativität überleben kann im harten Musikgeschäft.

Produziert von John Fields (Andrew W.K.) und abgemischt von Chris Lord-Alge (Goo Goo Dolls, Michelle Branch), Tom Lord-Alge (Newsboys; Blink 182, Rolling Stones) und Jack Joseph Puig (John Mayer, No Doubt) enterte "the beautiful letdown" die Billboard Top200 Albumcharts im vergangenen Frühling [2003] auf Position 85. Mittlerweile hat das Album Goldstatus, die Single "meant to live" (gleichzeitig Auskopplung aus dem Soundtrack des "Spider-Man 2"-Soundtracks) rangiert aktuell auf Platz zwanzig der Billboard Charts. Das Video zu dem Song wurde von Laurent Briet (Radiohead) inszeniert.

Den rauen, kantigen Live-Sound der Band führt Foreman auf die DIY-Attitude der Band zurück. "Wir hatten keine Lust, unsere Zeit in einem Tausend-Dollar-pro-Tag-Studio zu verplempern", lacht er. "Also machten wir die komplette Vorproduktion in meinem Schlafzimmer. Als wir das Album dann aufnahmen, hatten wir das Ding innerhalb von zwei Wochen fertig. John (Fields) arbeitet sehr schnell und wir ebenso. Es gab keine Mittag- oder Abendessens-Pausen - wir haben straight durchgearbeitet und das Ergebnis ist einfach großartig. Man kann Sachen leicht ruinieren, wenn man zuviel Zeit im Studio verbringt."

Switchfoot"The beautiful letdown" erschien drei Jahre nach Switchfoots drittem Sparrow Records-Werk, dem vielgelobten "learning to breathe". In der Zwischenzeit erhielt die Band u.a. den "2001 ASCAP San Diego Music Award" als "Bestes Pop Album" und "Beste Pop Künstler", den "2002 ASCAP San Diego Music Award" als "Best Adult Alternative" und steuerten fünf Songs zum Soundtrack des Mandy-Moore-Films "A Walk To Remember" bei, darunter auch ein Duett von Foreman und Moore. "Wir waren bei der Filmpremiere", erinnert sich Foreman, "und hinter uns saß David Hasselhoff mit seiner Tochter und heulte sich die Augen aus. Das hatte etwas Surreales."

In den vergangenen Jahren wurden insgesamt mehr als vierzig Switchfoot-Songs für verschiedene TV-Shows verwendet, u.a. "Dawson's Creek" (fünf Stücke), "Regis And Kelly", "Felicity" und viele andere. "Der Kontext, in dem die Stücke verwendet werden, ist manchmal ziemlich skurril", sagt Foreman. "Ich hatte mal einen Song über die Sehnsucht nach Spiritualität geschrieben, der dann einer Badewannen-Szene unterlegt wurde. Die Lieder können sich sehr weit von der Bettkante entfernen, wo sie ursprünglich geschrieben wurden." Trotz diesen neuen Entwicklungen haben viele Lieder des Quartetts noch immer einen christlichen Hintergrund und lassen sich vom christlichen Glauben der Bandleute her interpretieren.

SwitchfootDie Geschichte von Switchfoot reicht zurück bis in die Mitte der Neunziger und an den Strand von San Diego, wo sich die Foremans und Butler beim Surfen kennen lernten (Jerome Fontamillas stieß "erst" im September 2000 dazu). Und obwohl sie an Wochenenden in einem nationalen Surfwettbewerb gegeneinander antraten, um mit Endorsement-Verträgen von Ausrüstern ausgestatten zu werden, war es die gemeinsame Liebe zur Musik, die sie zueinander brachte. Sie entschlossen sich, eine Band zu gründen und wählten den Namen Switchfoot (ein Begriff aus dem Surfen), nahmen monatelange Probe-Sessions in verschwitzten Garagen auf sich und begaben sich dann auf Tour. Nach nur zwanzig Gigs unterschrieben sie bereits einen Plattenvertrag bei "re:think Records" (1996 von Charlie Peacock gegründetes christliches Indielabel; 1998/99 von Sparrow Records übernommen) und veröffentlichten 1997 das Album "the legend of Chin". Seitdem spielen sie jährlich über 150 Shows und verkauften von ihren ersten drei Alben ("the legend of Chin", "new way to be human" und "learning to breathe") zusammen über 400.000 Einheiten. Kurz nachdem die Aufnahmen zu "the beautiful letdown" abgeschlossen waren, unterschrieben sie bei Columbia Records/ Sony Music einen Vertriebsvertrag.

"Tim, Chad, Jerome und ich haben ziemlich viel gesehen in den vergangenen sechs Jahren", sagt Foreman. "Wir machen das, seit Tim seinen Highschool-Abschluss hat. Aber jetzt ist es wie der Beginn eines neuen Kapitels. Mit diesem Album beginnt unsere Zukunft."


Switchfoot ist:

• Jonathan "Jon" Foreman - Gesang, Gitarre (Frontmann)
• Tim Foreman - Bassgitarre
• Jerome Fontamillas - Keyboards
• Chad Butler - Schlagzeug


(Text von Columbia Records/ Sony Music Deutschland - überarbeitet und ergänzt von David Decker.)


Erscheinungsdatum:
26.7.2004
Redakteur: David Decker für CCM-Rezis

weitere Rezensionen - siehe Switchfoot-Künstlerseite >>
 


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