| |
Es kommt nicht allzu oft vor, dass sich eine Rockband, deren Sound von zwei brachialen Gitarren dominiert wird, eine derartige Ernsthaftigkeit auf die Fahnen schreibt. Jonathan "Jon" Foreman und seine Band Switchfoot geben sich jedenfalls nicht mit dem zufrieden, was die Popwelt ihnen vordergründig zu bieten hat. "Wenn ich glücklich damit bin, eine Hitsingle zu schreiben oder einen Platin-Award zu bekommen, dann habe ich in der Beziehung zu meinen Mitmenschen versagt", sagt Foreman. "Wir haben den besten Job der Welt, denn wir verdienen unser Geld mit Musikmachen und wir haben auch noch Spaß dabei. Aber wir haben uns ganz bestimmt nicht auf die ganze Sache eingelassen, um irgendjemandem irgendetwas zu verkaufen. Für uns geht es darum, mit Leuten auf einem ganz anderen Level zu kommunizieren."
Als das Meeting zu Ende war, ging Foremann zu Bono und drückte ihm vierzig Dollar in die Hand. "Ich sagte ihm, dass ich ihm das Geld schulde, weil ich mich ein paar Jahre zuvor in ein U2-Konzert geschmuggelt hatte", sagt er. "Er lachte nur und sagte, dass er das auch gemacht hatte, als er noch jünger war. Wir unterhielten uns eine Weile, er gab mir das Geld zurück und sagte, er sei bereits reichlich entlohnt worden. Um ehrlich zu sein war ich sehr beruhigt, weil es meine letzten vierzig Dollar waren und ich das Geld eigentlich für die Heimfahrt brauchte." Hinsichtlich seines DATA-Engagements (Sixpence None The Richer engagiert sich auch dafür...) erklärt Foreman: "Ich spreche ab und zu in Interviews darüber oder auf der Bühne, aber ich bin sehr vorsichtig, damit ich den Leuten damit nicht auf die Nerven gehe. Wir waren nie eine politische Band. Unsere Songs handeln mehr von der Politik des Herzens' als von tatsächlicher Außenpolitik. Ich denke, man kann die äußeren Probleme nicht lösen, wenn wir unsere inneren Probleme nicht bewältigt haben."
"Es ist kein düsteres Album, aber es handelt von finsteren Dingen, die mir passiert sind", sagt Foreman. "Einige der Songs handeln von Hoffnung - die schwerer wiegt als alle unserer Wunden - und das diese Hoffnung etwas ist, an das wir uns klammern können. Ich denke, dass den Kids so etwas auffällt und dass sie sich solche Dinge aus unserer Musik herausziehen." Nach einer kleinen Pause fügt er hinzu: "Versteht mich nicht falsch - ich bin nicht dem Irrglauben verfallen, dass unsere Songs mit einem Schlag die Welt verändern. Aber Veränderung ist möglich und ich will defintiv ein Teil davon sein. Wir sprechen nach den Konzerten regelmäßig draußen mit den Leuten und neulich kam ein Junge zu mir und umarmte mich, weil er so ergriffen von dem Song 'dare you to move' war. Ganz offensichtlich hatte er eine harte Zeit hinter sich und er war sich nicht mehr sicher, ob er überhaupt weiterleben wollte. Aber als er den Song hörte, war er neu inspiriert. Das ist unglaublich. An manchen Tagen, wenn du dich fragst, was du eigentlich machst - und mitten im Nirgendwo ein Konzert spielst - dann denkst du an Momente wie diesen und dir wird klar, dass du der Teil einer größeren Geschichte als deiner eigenen bist."
Produziert von John Fields (Andrew W.K.) und abgemischt von Chris Lord-Alge (Goo Goo Dolls, Michelle Branch), Tom Lord-Alge (Newsboys; Blink 182, Rolling Stones) und Jack Joseph Puig (John Mayer, No Doubt) enterte "the beautiful letdown" die Billboard Top200 Albumcharts im vergangenen Frühling [2003] auf Position 85. Mittlerweile hat das Album Goldstatus, die Single "meant to live" (gleichzeitig Auskopplung aus dem Soundtrack des "Spider-Man 2"-Soundtracks) rangiert aktuell auf Platz zwanzig der Billboard Charts. Das Video zu dem Song wurde von Laurent Briet (Radiohead) inszeniert. Den rauen, kantigen Live-Sound der Band führt Foreman auf die DIY-Attitude der Band zurück. "Wir hatten keine Lust, unsere Zeit in einem Tausend-Dollar-pro-Tag-Studio zu verplempern", lacht er. "Also machten wir die komplette Vorproduktion in meinem Schlafzimmer. Als wir das Album dann aufnahmen, hatten wir das Ding innerhalb von zwei Wochen fertig. John (Fields) arbeitet sehr schnell und wir ebenso. Es gab keine Mittag- oder Abendessens-Pausen - wir haben straight durchgearbeitet und das Ergebnis ist einfach großartig. Man kann Sachen leicht ruinieren, wenn man zuviel Zeit im Studio verbringt."
In den vergangenen Jahren wurden insgesamt mehr als vierzig Switchfoot-Songs für verschiedene TV-Shows verwendet, u.a. "Dawson's Creek" (fünf Stücke), "Regis And Kelly", "Felicity" und viele andere. "Der Kontext, in dem die Stücke verwendet werden, ist manchmal ziemlich skurril", sagt Foreman. "Ich hatte mal einen Song über die Sehnsucht nach Spiritualität geschrieben, der dann einer Badewannen-Szene unterlegt wurde. Die Lieder können sich sehr weit von der Bettkante entfernen, wo sie ursprünglich geschrieben wurden." Trotz diesen neuen Entwicklungen haben viele Lieder des Quartetts noch immer einen christlichen Hintergrund und lassen sich vom christlichen Glauben der Bandleute her interpretieren.
"Tim, Chad, Jerome und ich haben ziemlich viel gesehen in den vergangenen sechs Jahren", sagt Foreman. "Wir machen das, seit Tim seinen Highschool-Abschluss hat. Aber jetzt ist es wie der Beginn eines neuen Kapitels. Mit diesem Album beginnt unsere Zukunft."
|
|
(Text von Columbia Records/ Sony Music Deutschland - überarbeitet und ergänzt von David Decker.) |
|
|
|
|
Redakteur: David Decker für CCM-Rezis |
|
| | neu hier | alle CDs | Hinweise | Autoren | Rubriken | Deine Rezi | Netzwerk | |
|
© 2004 by shineMedia Kontakt komm! dennoch Startseite |