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»I'm
called to be Beth ...«

Gespräch mit Bethany Dillon am Springtime-Festival 2007 in Frauenfeld
Dank
den freundlichen Organisatoren des Springtime-Festivals 2007 in Frauenfeld
ergab sich für CCM-Rezis die Gelegenheit, Bethany
Dillon anlässlich ihres Abstechers in die Schweiz näher
kennenzulernen.

In der Frauenfelder Festhütte war gerade Fireflight deftig am Rocken, nachdem Hip-Hopper John Reuben bereits die Wände bedenklich zum Zittern gebracht hatte. Daher platzierte uns der Presseverantwortliche Raoul Bigler draussen unter einem Vordach. Und so sass Bethany Dillon eine Stunde vor ihrem Auftritt vor mir, wie üblich in Jeans und T-Shirt, einen Kaugummi zwischen den Zähnen, strahlend und neugierig. Ein ganz normales College-Girl. Alle Bedenken, wie wir uns wohl verständigen würden, verflogen in der ersten Minute. Wir plauderten einfach. Über die Zeit im Studio, ihr Songwriting, Image und Erwartungsdruck, über ihre grosse Familie und ihre Zeit in Indien. Obwohl es draussen garstig kühl und regnerisch war, konzentrierte sie sich ganz auf unser Gespräch, stellte auch Gegenfragen und warf einige Male ihr typisches breites "Thank youuu" dazwischen ... Was mein Aufnahmegerät von diesem ergiebigen Tête-à-Tête eingefangen hat, sei hier in Ausschnitten übersetzt wiedergegeben.
Im Studio mit drei Produzenten
 Bethany Dillons neues Album "Waking Up" lebt weiterhin von ihrem typischen gitarrenorientierten Folk-Rock, überrascht aber auch mit neuen Stileinflüssen und einer poppigen Radiofreundlichkeit. Daher interessierte mich als Erstes, wie es war, gleich mit drei Produzenten zusammenzuarbeiten. Bethany: »Es war anders, mit drei Leuten daran zu arbeiten, und wir hatten Angst, dass es ein Durcheinander geben könnte. Dass die CD dann nicht wie ein Ganzes klingen würde, weisst du. Ed Cash hatte beide CDs vorher produziert. Ich hatte daher einfach Angst, mich zu wiederholen. [...] Klar, auf 'Imagination' war schon Wachstum. Ich denke, ich wollte eben nicht in einer Sache steckenbleiben. Darum war es echt gut. Einer der Produzenten, mit denen ich arbeitete, war nicht mal Christ. Ich nahm mit ihm in Los Angeles auf [...] Es war wirklich gut. Es war für mich ein Lernprozess. Die ganze Erfahrung war neu. Aber ich bin froh, es so gemacht zu haben.« Besagter Produzent ist John Alagia, der mit Musikern der säkularen Szene wie John Mayer und Dave Matthews arbeitet und drei Stücke auf "Waking Up" produziert hat.

Auf die Frage, ob sie jeweils genaue Vorstellungen davon habe, wie ein Song klingen solle, ob sie fertige Ideen ins Studio bringe oder ob dort eher ein puzzleartiges Zusammensetzen und Ausprobieren stattfinde, erklärt sie: »Ja, irgendwie beides. Normalerweise, ich meine so ziemlich immer bringe ich fertige Songs ein, aber ein Lied muss immer [...] echt weich sein, und du musst Dinge ändern können. Wenn du dich bei einem Lied stur stellst, wird das Resultat nicht so gut, wie es könnte. Jedes Mal also, wenn du mit einem Stück ins Studio gehst, hat jemand eine Idee, die es ein wenig verändern wird. Ausser beim letzten Lied auf der CD, es heisst 'On Our Side'. Das war das einzige, bei dem es nicht so war. Es war ein echt persönliches Lied für mich. Mehr als je zuvor. So liess ich sie wissen, dass es genau so bleiben sollte.« Auf meine Bemerkung hin, dass ich dieses Lied sowohl in der bei Youtube aufgetauchten Live-Aufnahme nur mit Gitarre als auch mit der anschwellenden Orchesterbegleitung in der Studioversion sehr berührend finde, strahlt sie: »Ja, ich liebe die Streicher. Schön, dass es dir auch gefiel.«

Obwohl auch die kantig-rockige Bethany Dillon zu hören ist, wirkt "Waking Up" insgesamt sehr poppig, radiofreundlich. Sie bestätigt diesen Eindruck, als ich sie darauf anspreche. Sie hätten viele der Songs anfangs bewusst aufs Radio ausgerichtet. Später seien sie zwar wieder davon abgekommen, doch der Pop-Sound stecke nun, fügt sie fast entschuldigend hinzu, immer noch drin. Als ich entgegne, dass das ja nicht negativ sein müsse, dass "Waking Up" für mich vielmehr aufgeschlossener, ermutigend und fröhlicher klinge als einige Stücke auf "Imagination", nickt sie: »Oh, toll! Ja, dies ist für viele eine weit fröhlichere CD.«
Kein guter Song ohne Jesus!
 Von Anfang an fiel Bethany Dillon mit ihren gedankenreichen, poetischen Lyrics auf, die gerne mit Sara Groves (Bethany: »Sie ist meine Heldin!«) oder Jill Phillips verglichen werden. Und so erkundige ich mich als Nächstes nach ihrer Inspirationsquelle. Bethany: »Oh, ehrlich, ich kann kein Lied schreiben, wenn ich nicht Zeit mit Jesus zugebracht habe. Naja, ich schreibe sie, aber sie werden dann nicht sehr gut. Viele Songs entstehen aus Gesprächen, die ich führte, oder nachdem ich etwas gelesen habe, nach einem Film, den ich gesehen und der mich wirklich berührt hat. Oftmals finde ich mich in meinem Zimmer, morgens um 2 Uhr, weinend und betend, und dann ist plötzlich ein Song da, weisst du. Es ist so eine Art .... Er ist in Wirklichkeit verantwortlich dafür. Es ist vielmehr seine Sache, an der er mich gerne teilhaben lassen möchte. Und so, ja, liebe ich es, zu schreiben.« Und ich denke, dies hört man ihren Liedern auch an, die oft wie spontane Gebete oder Tagebucheinträge wirken. In ihren Songs und auch jetzt, wo sie so natürlich vor mir sitzt und plaudert, weist sie nicht krampfhaft auf sich selber hin, sondern über sich hinaus auf Gott. Mir fiel zudem auf, dass im neusten Album Jesus endlich beim Namen genannt wird. Auf meine Beobachtung hin bestätigt Bethany: »Ja, es war Absicht, seinen Namen oft einzubringen.«
Erwartungsdruck und ihr Image als junge Pop-Rockerin

Nichole Nordeman veröffentlichte kürzlich im "CCM Magazine" eine interessante Reportage, in der sie zusammen mit Musikerkolleg(inn)en über den Erwartungsdruck und das Hochglanztum nachdachte, die zuweilen seltsame Blüten treiben. Auch Bethany Dillon, die für ihren Casual Look bekannt ist, kam darin zu Wort. Ich hake nach, indem ich sie frage, ob es nicht manchmal belastend sei, so jung als diese reife Sängerin-Songwriterin gehandelt zu werden und in christlichen Kreisen als eine Art "Teenie-Idol" angeschaut zu werden. Bethany lacht zuerst, wird aber gleich wieder ernsthaft: »Ich finde es witzig, ehrlich! Es ist etwas, worüber ich echt nicht so oft nachdenke, weisst du. Ich denke einfach nicht über mein Alter nach oder ... Angst war eine grosse Belastung in meinem Leben. Ich glaube, Gott hat mir Freiheit in einer Reihe von Bereichen gegeben. Und das ist einer davon. Ich bin einfach berufen, Beth zu sein. Und ich glaube nicht, dass sich der Herr um Zahlen schert oder was die Meinung der Leute ist. Ich bin einfach Beth.«

Ich hake nochmals nach, dass doch auch von ihrer
Plattenfirma ein gewisser Image-, Erwartungsdruck ausgehen müsse.
Bethany Dillon beschreibt ihr Image daraufhin verschmitzt als "T-Shirt-und-Jeans-Girl"
und überlegt: "Sicher, ich glaube, von einem geschäftlichen
Standpunkt aus gesehen, denken sie, die Plattenfirma und alle andern in
diesem Umfeld, dass das, was ich tue, am besten als 'Pop, jung' und so
verpackt werden kann. Das ist nur grob und mit Glamour versehen. Ich bin
nicht diese Person. Sie nahmen mich unter Vertrag. Sie nahmen Beth unter
Vertrag. Und Beth trägt gerne und oft Jeans und T-Shirts. Das ist,
wer ich bin. Und woher auf eine Art auch meine Kunst kommt.« Als
ich ihr zustimme, dass es doch einen stärkeren Eindruck hinterlasse,
wenn sie echt und authentisch bleibe, statt jedem Trend bei den Kleidern,
der Frisur und dergleichen nachzurennen, meint sie lachend, dass sie wohl
versuchen könnte, cool auszusehen, dass sie das aber nicht lange
durchhalten würde. Es passe nicht zu ihr, und darüber sei sie
froh. Sie wolle nur frei und die sein, die sie sei. Wenn andere mit Glamour
umgehen könnten, so finde sie das toll. Doch für sie sei das
nichts.
Eine ständig wachsende Familie

Dann schildert Bethany Dillon, was ihr neben Musik am Herzen liegt, dass sie Bücher liebt, die Landstrasse bei ihr zu Hause in Ohio und natürlich ihre Familie, die kürzlich durch die Geburt einer Nichte Zuwachs erhielt: »Ja, es ist mir so viel wert, eine grosse Familie zu haben. Wir sind eine grosse, grosse Familie, und sie wächst immer noch. Viele meiner Geschwister sind adoptiert. Ich denke, das ist das Wertvollste für mich in dieser Welt: zu einer Familie zu gehören, die ich wirklich mag. Der ich in Freundschaft verbunden bin, weisst du. Das ist ein riesiger Segen.« Als ich erwähne, dass ich "nur" drei Geschwister habe, will sie sogleich mehr über meine Familie und meinen Glaubensweg wissen ...
Zurück nach Indien

Im vergangenen Jahr begleitete Bethany Dillon die Missionsgesellschaft Gospel for Asia, die sie mit ihrer Musik unterstützt (so wie andere Künstler World Vision oder Compassion), nach Indien. Ihre Erlebnisse dort flossen auch in ihre neusten Lieder ein. Und so will ich mehr über diese Reise erfahren. Bethany, die voraussichtlich schon nächstes Jahr zurückkehren wird, gerät ins Erzählen: »Es waren die zehn schrecklichsten Tage meines Lebens und zugleich die zehn besten Tage meines Lebens. Es war ein so wunderschönes Bild von Jesus, weisst du, an einem so traurigen Ort. Ich würde diese Erfahrung gegen nichts eintauschen. Nie. [...] Ich ging mit Gospel for Asia mit, um mit meinen eigenen Augen zu sehen, was sie dort machen. Sie arbeiten unter den Ärmsten der Armen in Indien, diese heissen Dalits. Sie leben in Slums, haben wenig Hoffnung, dass sich ihr Leben je ändern wird, ihre Lebensumstände. Und so baut Gospel for Asia Kirchen und Bibelschulen auf, gräbt Brunnen, tut all das, um die verarmten Orte in Indien mit Jesu Namen zu errreichen.« 
Ob die Menschen dort denn verstünden, was ihnen
Christen erzählten und was es bedeute, einen Heiland zu haben, frage
ich nach. Bethany: »Es braucht viel Überzeugungsarbeit.
Denn besonders die Dalits haben ihr ganzes Leben lang gehört, dass
sie wertlos seien. Die indische Regierung hasst sie. Im Kastensystem werden
sie als 'Untermenschen', als weniger sogar als Menschen betrachtet. Und
so ist es für sie seltsam zu hören, dass jemand sie so sehr
liebt, dass er für sie stirbt.« Es werde
unter all den trostlosen Gesichtern förmlich sichtbar, wo Jesus am
Wirken sei, beschreibt sie begeistert: »Aber die Gläubigen
in Indien, ihr Gesichtsausdruck ist völlig anders. Es war sagenhaft,
das zu sehen. Er krempelt ihr ganzes Leben total um, weisst du. Alles.
Ob sie weiterhin in Slums leben oder nicht ... das spielt keine Rolle.
Es ändert sich, wer sie sind. So wunderbar.«

Und hier klärt sich auch auf, warum sie im CD-Booklet schreibt, sie danke Jesus dafür, dass er sie im letzten Jahr so wundervoll verletzt und geheilt habe. Bethany lacht: »Ah, ja, du hast das beachtet?! Ja, er fährt fort, mich an einer Menge Stellen, wo ich mich wohlfühle, zu verletzen und dann zu heilen. Das war so in Indien. Ich bin dankbar dafür. Dankbar, dass ich es dorthin schaffte, diese Dinge sehen konnte, so überwältigt sein durfte.« Der Kontrast dann beim Nachhausekommen in ihr angenehmes Leben ..., fügt sie nachdenklich an. Da sei ihr bewusst geworden, wie beiläufig sie Jesus oft behandle.
So viel Ablenkung vom Wesentlichen!

Es wird immer kälter da draussen unter unserem Vordach, und so packe ich meine letzte Frage aus. Was ist Bethany Dillons Wunsch für ihre Generation? Sie schnappt nach Luft: »Uh, eine riesige Frage! Ich denke, das Einzige, was mir wirklich wichtig ist, ist ... In meiner Generation – und ich kenne nur die amerikanische Seite davon, aber ich bin ziemlich sicher, dass das für den Westen weltweit gilt –, da wird so viel Zeit, so viel von unseren Herzen in Dinge investiert, die nicht bleiben werden. Ich meine, es gibt ja so vieles, was deine Zeit frisst: iPods, Computer, Youtube, Myspace, Fernsehen, Konzerte und so vieles, was wirklich gut aussieht, aber nicht von Dauer ist. Das ist auch für mich ein grosses Problem. Ich fühle einfach, dass in vielen Bereichen diese Dinge uns so selbstbezogen, in uns gekehrt werden lassen. Während er uns aufruft, auf Jesus ausgerichtet zu sein, weisst du. Ich stehe auch mitten in diesem Kampf.« Sie fühle auch bei sich, wie sie dazu neige, ihre Zeit an Vergängliches zu verschwenden. Klar sei das unsere Kultur, nickt sie. Aber Jesus bleibe ewig. Es sei ihre Hoffnung für sich und ihr Publikum, mehr zu ihm geführt zu werden und zu spüren, dass er das Einzige ist, was wirklich wichtig ist.

Noch rasch ein Erinnerungsfoto, eine spontane Umarmung
und letzte Grüsse, dann entschwindet Bethany Dillon wieder in die
tropenmässig aufgeheizte Festhütte, um sich für ihren Auftritt
nach 21 Uhr vorzubereiten. Danke Beth, für dieses interessante und
so unkomplizierte Gespräch!
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