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Aus: x-report / ideaSpektrum 11/2005 (16. März 2005)
Autor: Romy Schneider
Web: www.idea.de

Die fromme Musikszene: Es tut sich einiges

Interview mit Promikon-Chef Christoph Buskies

PromikonDie größte christliche Künstlermesse Europas findet am 19. März in Mannheim statt: Auf der "Promikon" präsentieren sich Sänger, Bands, Komiker und Schauspieler. Sie können dann von Kirchengemeinden oder anderen "gebucht" werden. Über die Entwicklung der christlichen Musikszene unterhielt sich x-Reporterin Romy Schneider mit dem Promikon-Chef, dem Religionspädagogen Christoph Buskies (Greifenstein/Mittelhessen).


(1) x-report (Romy Schneider):
Christliche Bands beim Vorentscheid zum European Song Contest, in den Charts, immer neue Bands und Veröffentlichungen. Die christliche Musikszene scheint erfolgreich zu sein. Woran liegt's?

Christoph Buskies (Promikon): Zunächst muß ich einfach sagen, daß es der Segen Gottes ist, den wir hier deutlich erleben. Ich kenne die christliche Szene über 20 Jahre. Und ich weiß, wie sehr sich christliche Künstler gesellschaftliche Akzeptanz und Erfolg gewünscht haben. Aber es hat früher nie so funktioniert, wie in dieser Zeit. Entweder ist der Künstler "umgekippt", oder der Markt hat ihn nicht angenommen ...


Wenn Künstler "umkippen"

(2) x-report: Umgekippt ...?
Buskies: ... ja, wenn z.B. christliche Inhalte oder das missionarische Anliegen nicht mehr zu erkennen waren oder aber immer weiter nach hinten geschoben wurden. Der Erfolg der christlichen Musikszene liegt auch daran, daß die Gesellschaft heute einerseits offener ist für christliche Inhalte und andererseits Christen den Mut haben, wie etwa Florence Joy, zu ihrer Botschaft zu stehen. Hinzu kommt, daß in der frommen Musikszene die Strukturen, die Qualität und auch das Management besser geworden sind. Viele wissen durch die Künstlermesse "Promikon", daß diese Szene groß ist und die Künstler Qualität haben. So wurden Christen in Fachkreisen bekannt. Ich habe mehrfach gehört, daß Agenturen neugierig sind auf die kommende "Promikon-Messe".


Man wird nicht mehr verspottet

(3) x-report: Klingt alles sehr positiv. Kommt Gegenwind von Radiosendern, die christliche Künstler belächeln oder gar verspotten?
Buskies: Verspotten auf keinen Fall. Wenn in Fernsehtalkshows Leute ihren Glauben bekennen, wird das sogar mit einer gewissen Bewunderung zur Kenntnis genommen und akzeptiert. Die Leute suchen nach Werten, nach authentischem Leben, nach Menschen, die mit den Problemen unserer Zeit anders umgehen, als einfach nur hilflos dazustehen. Ich frage mich allerdings, ob wir diese Chance auch ausreichend nutzen.


(4) x-report: "Christliche Musikszene" ist das ein pauschaler Begriff. Was muß "drin" sein, wenn außen "christlich" draufsteht?
Buskies: Für uns ist das immer eine spannende Frage, wenn wir unser Künstlerhandbuch zusammenstellen. Denn wir bekommen auch Anfragen von säkularen Gruppen, die aufgenommen werden wollen. Deshalb haben wir uns vor etlichen Jahren darauf geeinigt, daß die Motivation der ausschlaggebende Punkt ist. Man muß nicht in jedem Konzert eine christliche Botschaft verkünden. Wie soll das beispielsweise auch eine Instrumentalgruppe tun? Wichtig ist, daß im Herzen der Wunsch da ist, Menschen auf Gott aufmerksam zu machen. Das kann auf verschiedene Weise geschehen. Es gibt Künstler, die in der Öffentlichkeit vielleicht nicht als Christen zu erkennen sind, aber hinter der Bühne einen wichtigen missionarischen Dienst tun.


Die "Allee der Kosmonauten" ...

(5) x-report: Wie erkennen Sie diese Motivation?
Buskies: Wir fragen einfach danach. Optimal ist es außerdem, wenn Künstler/ Gruppen/ Bands von einer fitten Gemeinde betreut und begleitet werden und hier ein Zuhause haben. So ist es zum Beispiel bei "Allee der Kosmonauten", die als Lobpreisband ihr Zuhause in einer freien evangelischen Gemeinde in Worms haben und mit dem "Segen der Gemeinde" auf Tour gehen und die Botschaft in die Welt tragen.


(6) x-report: Was machen Sie, wenn das Leben einer Gruppe der Botschaft auf der Bühne widerspricht?
Buskies: Das gibt es leider. Christen verhalten sich oft nicht christlich. Und gerade bei Künstlern, die in der Öffentlichkeit stehen, wird das besonders gewertet. Ich bin allerdings dagegen, daß man Christen vorschnell verurteilt und sie ausgrenzt. Begleitung und Gebet ist meines Erachtens hier angesagt. Wenn wir mitbekommen würden, daß aus einer Band jemand Drogen nimmt, müßten wir uns allerdings distanzieren.


Über 170 Künstler sind dabei

(7) x-report: Pflegen Sie zu jedem Künstler aus ihrem Handbuch einen engen Kontakt?
Buskies: Unser Katalog ist zunächst einmal auch eine Sammlung von Vorstellungen und Anzeigen. Wir haben nicht zu jedem der über 170 Künstler einen engen Kontakt. Doch die meisten - etwa 80 % - treffen wir regelmäßig auf Veranstaltungen. Darüber hinaus gibt es seit vielen Jahren Künstler, die wir betreuen, wie Judy Bailey, David Thomas, Gospelfire mit Hemi Jost oder aus Greifenstein die junge Nachwuchsgruppe "Saskia".


(8) x-report: Während der "Promikon" am 19. März wird auch der Preis des "Message Music Contest" vergeben. Initiatoren des Musikwettbewerbs sind u.a. evangelikale Werke. In der Jury sitzen Promis wie Thomas Stein ("Deutschland sucht den Superstar"). Was haben die mit dem Christentum zu tun?
Buskies: Es gibt mehrere Jurymitglieder, die allen wegen bestimmter Qualitäten ausgewählt wurden. Thomas Stein war bei der "Gospelnacht" auf RTL dabei und ist einer der profiliertesten Leute, wenn es darum geht, Musik zu bewerten. Von daher hat er dort seinen Platz. Andere Mitglieder, wie zum Beispiel Judy Bailey oder Mola Adebisi, können darüber hinaus auch das geistliche Anliegen verstehen und beurteilen. Es ist uns sehr wichtig, die dabei zu haben.

x-report: Vielen Dank für das Gespräch.



Promikonwas ist ...

... Promikon?
Das "Projekt für missionarische Konzertarbeit" begann vor 13 Jahren mit sieben Musikgruppen und hat sich seitdem zur größten frommen Musikmesse in Europa entwickelt. In Mannheim präsentieren sich dieses Jahr etwa 150 Künstler, Verlagshäuser und Firmen. Bei der Abschlußgala werden die besten Künstler mit vier Preisen ausgezeichnet. Außerdem findet erstmals der "Message Music Contest" statt, bei dem die Zuschauer per Handy wählen können, welche der 10 Musikgruppen das Rennen macht.
Die Jury, zu der u.a. Judy Bailey, Thomas Stein und Mola Adebisi gehören, hatte zuvor die Finalisten aus 600 Bewerbern ausgesucht.
Tickets und nähere Infos unter www.promikon.de oder Tel. 06449-7190090

Romy Schneider


Anmerkungen von CCM-Rezis:

(4) Daß Instrumentalgruppen angeblich keine Botschaft "verkünden" könnten, beruht auf der falschen Vorstellung, daß Musik "neutral" sei und nur der Text entscheide, wie was mit welchen Inhalten/ Werten aufgefüllt wird. Das dem nicht so ist, zeigen vielfältige Untersuchungen, etwa zu klassischer Musik (ideaSpektrum berichtete...). Auch die Bibel spricht hier Klartext, wenn man an die Begebenheit mit König Saul und dem Hirtenjunge David denkt, der durch sein Harfespiel den bösen Geist des Königs besänftigen konnte. Es gehört also auch bei Instrumentalmusik einfach mehr dazu, als die puren Noten auf dem Blatt. Eine Note mag "keinen" Wert an und für sich haben - ein ganzes Musikstück, aus vielen Noten - dagegen sehr wohl!

(5) Es ist vorbildlich und mutig, direkt nach der Motivation der Künstler zu fragen. Wenn ich allerdings in den jährlichen Promikon-Katalog schaue, lese ich nicht mal bei einer Handvoll Künstler etwas von einer - wenigstens in Ansätzen - geistlichen Motivation bzw. Vision.
Eine weitere Frage, die sich mir stellt: Was ist eine "fitte" Gemeinde? Nach welchen Maßstäben wird das in diesem Falle beurteilt und wer beurteilt das?

(6) Die Erwähnung von Begleitung und Gebet finde ich vorbildlich - und das dies in der Praxis geleistet wird bzw. werden soll! Das Statement zur Einnahme von Drogen wirkt im obigen Kontext jedoch etwas deplatziert und nicht schlüssig! Vielleicht nicht klar ausgedrückt; aber was ist mit den Leuten, die gerne mal ein Bier trinken? Alkohol ist nun mal auch eine Droge...

(8) "Profiliert" hin oder her: Ein Wettbewerb, der als wichtigstes Unterscheidungskriterium zu den anderen Musikwettbewerben in Deutschland die "Message", also die christliche Botschaft, erhoben hat, braucht nun wirklich keine weltlichen Musikpäpste, um die Musik zu bewerten. Im Falle von Herrn Stein fehlt einfach völlig die geistliche Komponente bzw. Kompetenz. Wie soll jemand, der fragwürdigste "Stars" wie DSDS-Gewinner "Alexander" als zukunftsweisend gepriesen hat, glaubwürdig und professionell über christliche Nachwuchskünstler entscheiden? Das bleibt mir absolut rätselhaft und nicht nachvollziehbar. Ähnliche Bedenken habe ich bei ex-VIVA-Moderator Mola Adebisi. Da werden berechtigte geistliche Interessen und Kriterien - die eigentlich "vorgekaukelt" werden - vordergründigen und schnellebigen Prominenten-Anbiederei geopfert, nur um kurzfristig hohe Aufmerksamkeitswerte zu erzielen und vielleicht ins Fernsehen zu kommen. Das hat mit einem Wettbewerb, der die Botschaft in den Vordergrund stellen wollte, meines Erachtens nichts mehr zu tun.

David Decker für CCM-Rezis, März 2005



Das Original dieses Textes erschien in "ideaSpektrum", Nr. 11/2005 (vom 16. März 2005).

Erscheinungsdatum online:
22.3.2005
Redakteur(e): David Decker für CCM-Rezis
 


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