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CCM-Rezis
Exklusiv-Interview:
»Mein Zuhause beherbergte
über 20'000 Schallplatten«

Newcomer Greg Adkins im Gespräch
(Dies ist eine Übersetzung.
Die englische
Originalversion findet sich hier...)
Eines der besten und pfiffigsten diesjährigen
Indie-Debüts ist für mich Greg Adkins' "Lower
Than The Angels". Der Musiker aus Knoxville im US-Teilstaat Tennessee
startete 2003 sein Projekt "52 songs in 52 weeks", in dem er
jede Woche ein Lied schrieb und auf der eigenen Webseite
vorstellte. Das grosse Echo ermutigte ihn, die besten Stücke auf
seinem ersten Album einzuspielen. CCM-Rezis sprach mit ihm über dieses
aussergewöhnliche Projekt, sein Album und seine vielfältigen
musikalischen Einflüsse.
Monica Seidler: Greg Adkins, du hast im Oktober 2003 dein Musikprojekt "52 songs in 52 weeks" begonnen. Was brachte dich auf diese "ehrgeizige" Idee?
Greg Adkins: Ich hatte seit etwa 5 oder 6 Jahren Lieder geschrieben, doch mein grösstes Problem war die Disziplin. Ich brauchte einfach eine Inspiration, um zu schreiben ... Ich schrieb nur etwa 5 oder 6 Lieder in einem Jahr, und eigentlich war keins davon wirklich gut. Daher hatte ich eines Nachts den Einfall, eine Webseite zu beginnen, wo ich während eines ganzen Jahres jede Woche einen Song schreiben würde ... Es wäre eine Möglichkeit, mich bei der Stange zu halten, wenn man meine Webseite besuchen würde; ich würde einen Druck verspüren, das Tempo beizubehalten.
Monica:
Erzähl mir bitte etwas über die offensichtliche Dynamik dieses
Projekts, über die Reaktionen darauf. Gab es bestimmte Lektionen
– musikalisch, persönlich, glaubensmässig –, die du in diesem
Jahr gelernt hast?
Greg: Das Echo war echt toll. Die Webseite generierte über
100'000 Hits im Laufe dieses Jahres. Ich lernte viel über mich als
Komponist. Ich erkannte, dass ich imstande bin, anspruchsvolles Material
zusammenzustellen. Und ich lernte, ans Liedermachen wie an eine Disziplin
heranzugehen. Gut zu sein, ist für mich etwas, woran ich fast täglich
arbeiten muss, zumindest für ein Weilchen. Musikalisch wurde ich
viel besser an der Gitarre im Verlauf des Jahres. Ich lernte auch viel
übers Aufnehmen und Arrangieren, als ich zu Hause an all den Demos
arbeitete.
Monica: Du beherrschst anscheinend alle
möglichen Genres: typisch amerikanischen Alt-Country, pulsierenden
Folk-Rock à la Rich Mullins
und Andrew Peterson, verspielte
Singer-Songwriter-Stücke in der Nachfolge eines Billy Joel, diesen
erstaunlichen Talking Blues in der Zugabe, treibenden Pop-Rock mit U2-Anklängen
... Und oft ist da ein starkes Retro-Feeling. Bist du ein nostalgischer
Musikliebhaber?
Greg: Als ich aufwuchs, war mein Vater der Programmdirektor eines
Rock'n'Roll-Radiosenders. Mein Zuhause beherbergte über 20'000 Schallplatten.
In meiner Kindheit hörte ich Dylan,
die Beatles, Billy Joel, all das. Wenn man als Kind so viel Musik hört
wie ich, hat das zwangsläufig einen grossen Einfluss. Ich war tatsächlich
schon immer ein riesiger Musikfan. Ich höre eine MENGE Musik (mein
60-GB-iPod ist randvoll), und ich denke, dass sich das in meinen Kompositionen
niederschlägt. Meine Lieblingsgenres sind Folk, zeitgenössischer
Folk, Americana, Alt-Country und Bluegrass. Aber ich mag auch eine gute
Rockband. Dass mich Musik anspricht, beginnt beim Text. Ich höre
mir nicht viele Bands an, die nur "Gefühl" kreieren. Ich
möchte, dass ein Text mich anspricht, mir etwas erzählt, mir
eine Wahrheit mitteilt. Wenn ein Künstler etwas zu sagen hat, was
berührt, komme ich normalerweise auch mit dem Stil in Einklang. Deswegen
mag ich wohl eine so breite Stilvielfalt.
Monica:
Kannst du mir mehr über den Eröffnungstrack "Heavenly Descent"
erzählen, von dem der Albumtitel stammt: "Lower
Than The Angels"?
Greg:
Ich hatte einen Freund, der im Gemeindedienst mit mir zusammen war, der ganz schön hart aus der Gnade gefallen war. Ich hatte das Gefühl, ich hätte während seiner schwierigen Zeit ein besserer Freund sein können, und so entstand dieses Lied als eine Entschuldigung an ihn. Es ist auch als Ermutigung gemeint ... Manchmal, wenn Christen moralische Probleme haben, neigen wir dazu, sie als "verloren" abzuschreiben. Wir hören Ausdrücke wie "sie sind vom rechten [geraden und schmalen] Weg" abgekommen. Daher rührt die Zeile "straight and narrow" im Refrain; und es lag mir daran, dieser Zeile die häufig gebrauchte Formulierung "tief und weit" entgegenzustellen. Das ist die Ermutigung ... Die Gesangsstimme, die immer und immer wieder sagt: "tief und weit ... es gibt einen Strom, der tief und weit fliesst" [nach einem bekannten Lied über Gottes Gnade].
Monica: Wie war es, mit Produzent Andrew
Osenga und all diesen namhaften Musikern zusammenzuarbeiten?
Greg: Es war wunderbar. Andrew leistete grossartige Arbeit auf
diesem Album und machte alles so einfach. Es klingt, als hätten wir
sehr viel Zeit in das Aufnehmen gesteckt, in Wirklichkeit arbeiteten wir
aber sehr rasch. Die meisten der Tracks sassen in maximal zwei oder drei
Aufnahmen. Andrew ist ein bemerkenswerter Gitarrist. Er musiziert wirklich
mit viel Kreativität und Gefühl, und er bringt alle möglichen
Erfahrungen in der Studioarbeit ein.

Auch die übrigen Musiker waren toll. Ben Shive brachte einige echt
schöne Klavierstellen ein, die mir nie eingefallen wären. Paul
Eckberg ist einfach absolut zuverlässig am Schlagzeug, so wie Aaron
Sands am Bass. Diese beiden bildeten eine wirklich solide Rhythmusgruppe,
und wir nahmen ihre Parts zusammen auf, was sie umso stärker zusammenhielt.
Kenny Hutson kam und spielte Pedal Steel und Mandoline, was toll war.
Ich bin ein grosser Fan von ihm seit seiner Zeit bei Vigilantes of Love.
Es war auch eine Ehre, dass Andrew
Peterson mitmachte und in einem Stück sang. Ich bin nun schon
seit einigen Jahren ein grosser Fan von Andrews Liedkunst. Und ich bewundere
einfach enorm, wie er seine Karriere angegangen ist.
Monica:
Kaffeestube, Konzertsaal oder Kirche? – Welches ist dein Lieblingspublikum,
und was soll es durch deine Musik vor allem erfahren?
Greg: Das ist eine schwierige Frage. Wenn ich ehrlich bin, ist
mein bevorzugtes Publikum an diesem Punkt in meiner Karriere jenes, das
kam, um mich zu hören. Kaffeestuben sind daher im Allgemeinen nicht
wirklich ein Vergnügen. Normalerweise hast du eine Gruppe von Leuten,
die sich dort gerade aufhalten, und du musst sie dazu bringen, zuzuhören.
Das macht Spass, wenn es klappt, manchmal klappt's aber nicht, und dann
hast du das Gefühl, dass du deine Zeit vergeudet hast. Letzthin musste
ich an einem Abend drei Stunden fahren, um in einem Kaffeehaus aufzutreten,
und die Menge dort hörte auf keine einzige Note, kein einziges Wort
von mir ... Jeder ging seiner eigenen Beschäftigung nach, was ja
in Ordnung ist, aber das Musizieren macht in dieser Umgebung überhaupt
keine Freude. Ich glaube, ich ziehe wirklich Auftritte in Kirchen vor.
Ich habe das Gefühl, dass viele meiner Lieder der Kirche vieles zu
sagen haben, und so kommen sie in diesem Umfeld normalerweise auch echt
gut an.
Monica: Greg Adkins, ich danke dir für deine Antworten und dafür, dass du dir die Zeit genommen hast, sie für uns aufzuschreiben!
Weitere Infos zu Greg Adkins unter www.gregadkinsmusic.com.
"Lower Than The Angels" kann bei Grassrootsmusic angehört und u. a. bei My Christian Music (D) bestellt werden.
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