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"Zum
100. Geburtstag: 'Musikalische Begegnungen mit Dietrich Bonhoeffer'"

Interview mit Jochen Rieger
Der
bekannte Theologe und Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten
wäre im Februar 2006 100 Jahre alt geworden. Zur neuen CD "Musikalische
Begegnungen mit Dietrich Bonhoeffer" gibt es hier ein Interview mit
Produzent Jochen Rieger. (Hinweis:
Das Interview wurde von Gerth Medien zur Verfügung gestellt.)
Frage, Gerth Medien (GM): Dietrich
Bonhoeffer war ein beeindruckender Mensch mit einer Vielzahl an interessanten
Facetten und Charakterzügen. Welche Eigenschaft hat dich an ihm am
meisten beeindruckt und warum?
Antwort, Jochen Rieger: Mich hat in erster Linie seine Geradlinigkeit
beeindruckt. Er hat das, was er im Herzen als richtig erkannt hat, konsequent
gelebt und durchgezogen auch dann, als sein Glaube an Christus
Konsequenzen mit sich brachte, die ihn Kopf und Kragen hätten kosten
können. Er war sich dessen bewusst und hat in Hitlers Terror-Regime
dennoch nicht den Mund gehalten und ist mutige Schritte gegangen.
GM:
Du hast kürzlich ein CD-Projekt zu Ehren Bonhoeffers abgeschlossen.
Darauf sind 14 Titel zu hören, die sich inhaltlich an Bonhoeffer-Zitaten
orientieren. Gibt es ein Lied, das dich persönlich besonders bewegt?
Jochen Rieger: Das ist nicht ganz leicht zu beantworten. In allen
Texten steckt Weisheit und Tiefe, und es lohnt sich, sich mit ihnen auseinander
zu setzen. Mich persönlich spricht jedoch das Lied Heiliger
Realismus ganz besonders an. Hier geht es darum, die absolute Perfektion
nicht auf Erden zu erwarten. Da ich selbst auch zum Perfektionismus neige,
ist das eine gute Botschaft, obwohl wir uns natürlich bemühen
sollten, das Beste zu erreichen. Aber das Perfekte erwarten wir im Himmel,
wo es hingehört. Diese Einstellung kann uns im Alltag
helfen, die Dinge gelassener zu sehen, nicht an sich selbst und anderen
zu verzweifeln.
GM:
Kannst du uns kurz die Entstehungsgeschichte zu diesem Album schildern?
Jochen Rieger: Ein Auslöser für das Album war der Film
"Bonhoeffer die letzte Stufe". Als ich ihn vor einigen
Jahren gesehen habe, war ich tief bewegt von der Kraft und Überzeugung
Bonhoeffers, dem Rad sozusagen in die Speichen zu fallen.
Es war ja so: Bonhoeffer war in den USA quasi in Sicherheit, und obwohl
er wusste, was ihm im dunklen Nazi-Deutschland widerfahren würde,
fuhr er mit dem letzten Schiff wieder dorthin zurück. In Deutschland
bekannte er sich zu Jesus Christus. Selbst im KZ tröstete er Mithäftlinge,
lehnte Angebote zur Mitarbeit bei der NSDAP mit Aussicht auf Freiheit
ab und hielt den letzten Gottesdienst kurz vor seiner Hinrichtung
im KZ Flossenbürg mit Würde.

Ich selbst habe diese dunkle Zeit in Deutschland nicht miterlebt. Darüber
bin ich dankbar. Doch frage ich mich manchmal, wie ich wohl unter solch
einem Druck gehandelt hätte. In diesen Überlegungen empfinde
ich Bonhoeffers Leben als echtes Leitbild: tiefer Glaube, konsequentes
Handeln in einer unmenschlichen Umgebung und das Festhalten an Gottes
Güte auch unter schlimmsten äußeren Umständen.

Sich dem Lebenswerk dieses mutigen Mannes in Form von Liedern zu nähern
empfand ich als große Herausforderung und gleichzeitig als Geschenk.
Ich bin den Liedtextern und auch den engagierten Sängerinnen und
Sängern, den Instrumentalisten und auch allen anderen, die dabei
mitgeholfen haben, sehr dankbar.
GM: Wenn du heute Dietrich Bonhoeffer eine
Frage stellen könnest, wie würde sie lauten?
Jochen Rieger: Ich würde ihn fragen, wo er die Gefahren unserer
Zeit sieht. Unsere Gesellschaft ist geprägt von Individualismus,
Konsum und Spaß. Wo würde er heute dem Rad in die Speichen
fallen? Was könnte ich heute von Ihnen lernen, Herr Bonhoeffer?
GM: Vielen Dank für das Gespräch!
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