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Leigh
Nash im Gespräch über ihr Leben nach "Sixpence None The Richer" und ihr neues Soloalbum.
Nach
der Trennung ihrer Band "Sixpence
None The Richer" 2004 war sich die Sängerin Leigh
Nash nicht sicher, was die Zukunft für sie bereithalten würde.
Aber in der Zwischenzeit hat sich viel getan: Sie hat eine Solokarriere
gestartet, ihr eigenes Plattenlabel gegründet, eigene Songs geschrieben,
und als Krönung erschien im August 2006 ihr Soloalbum
"Blue On Blue". (Hinweis: Das Interview ist eine deutsche
Übersetzung und wurde von Gerth Medien zur Verfügung gestellt.)
Abgesehen davon ist sie glücklich verheiratet mit Mark
Nash und genießt die Freuden des Mutterseins: Ihr Sohn Henry ist
2 Jahre alt. All diese Dinge machen sie zu einer sehr glücklichen
Person. Allerdings hat sie auch schwierige Phasen durchlebt: Das ehemalige
Label von "Sixpence None The Richer", Squint Entertainment,
ließ die Band im Stich, wodurch sich die Veröffentlichung ihres
Albums "Divine Discontent"
um zwei "schreckliche" Jahre verzögerte, wie Nash
sagt. Als das Album schließlich Ende 2002 von Warner/Reprise veröffentlicht
wurde, war die Karriere der Band bereits am Ende. "Die Situation
war einfach nur schlimm", erinnert sich Nash; "und wir
waren sehr unglücklich." Aber trotz dieser schmerzhaften
Erinnerungen ist sie zufrieden. Im Interview spricht sie über ihre
Solokarriere, ihr neues Album, ihre Familie und darüber, was sie
wirklich über christliche Musik denkt.
Frage, Mark Moring (MM): Das Wichtigste
gleich zu Beginn: Ich werde dich nicht ausfragen über Dinge wie Squint,
Plattenlabel, Verträge und solche Sachen.
Antwort, Leigh Nash: Vielen Dank! Das ist wie ein Weihnachtsgeschenk
für mich!

MM: Du hast
über diese schwierige Zeit gesprochen und gesagt, dass es immer noch
weh tut, darüber nachzudenken. Aber im Moment läuft alles bestens
für dich: Du hast eine glückliche Familie, einen kleinen Sohn
und bald erscheint dein erstes Soloalbum. Trotzdem trägt das Album
den wehmütigen Titel "Blue On Blue". Wie sieht es wirklich
in dir aus?
Leigh Nash: (lacht) Ich würde nicht sagen, dass ich
traurig bin - zur Zeit bin ich extrem glücklich. Ich kann kaum fassen,
wie gut es im Moment läuft: Ich habe mein eigenes Plattenlabel und
bin deshalb nicht an einen Vertrag gebunden. Ich bin sozusagen mein eigener
Herr und stehe nicht unter dem Druck, etwas veröffentlichen zu müssen.
Ich habe heute mehr Einfluss auf den geschäftlichen Aspekt als je
zuvor. Und ich habe das große Glück, dass die Leute von Nettwerk
[kanadische Plattenfirma, bei der die Sängerin ihr Imprint-Label
gegründet hat, Anm. der Red.] mich unterstützen. Die
ganze Situation ist so neu für mich, und abgesehen davon bin ich
ja auch noch Mutter. Das alles sind die großartigen Dinge in meinem
Leben, aber dann gibt es da noch meine Vergangenheit mit "Sixpence
None The Richer" und den Erfolg, den wir hatten. Manchmal habe ich
Zweifel und bin mir unsicher. Ich bin eine sehr ängstliche Person.
Und durch die neue Situation sind auch neue Ängste hinzugekommen,
wie z.B. die Unsicherheit, was die Zukunft bringen wird.
MM: Nach deiner
Zeit bei "Sixpence None The Richer"
ist es sicher nicht einfach, alleine weiterzumachen. Vermisst du die Band?
Leigh Nash: Ich bereue die Zeit in der Band nicht, aber ich bin
immer noch etwas traurig, weil es ein sehr wichtiger Bestandteil meines
Lebens war. Manchmal frage ich mich: War die Trennung die richtige Entscheidung?
13 Jahre lang haben uns die Leute gesagt, dass Gott Matt [Slocum, Gründer
der Band, Anm. der Red.] und mich aus einem bestimmten Grund zusammengebracht
hat, und auch ich war der festen Überzeugung. Und heute denke ich:
Haben wir unsere Aufgabe erfüllt? Sollten wir immer noch zusammen
sein? Das hätte ich jetzt besser nicht gesagt (lacht). Aber
so fühle ich eben. Zur gleichen Zeit finde ich spannend, was ich
gerade mache, und deshalb sollte ich die Vergangenheit wohl einfach hinter
mir lassen und nach vorne schauen. Vielleicht wäre das am allerbesten.
Ich weiß, dass Gott bei mir ist und dass ich seinen Willen tue.
Und ich weiß, dass er mich führt.

MM:
Das klingt doch alles ganz positiv.
Also warum dann ein Titel wie "Blue
On Blue"?
Leigh Nash: Einer meiner Lieblingssongs auf dem Album heißt
"Blue", und ich dachte ganz einfach, dass es sich sehr schön
anhört. Für mich klingt der Titel nicht super-melancholisch
und unglücklich. Aber vielleicht denken das andere Leute. Das ist
dann ihr Problem (lacht). Musik ist manchmal etwas Melancholisches.
Ich bin ein großer Fan von alter Country Musik und dieser Melancholie,
die man empfindet, wenn man sich George Jones und Patsy Kline anhört.
Aber die meisten Songs auf "Blue On Blue" sind sehr fröhlich.

MM: Als es
mit "Sixpence None The Richer" losging warst du noch sehr jung.
Also ist das eigentlich alles, was du kennst. War es schwer für dich,
eine Solokarriere zu starten?
Leigh Nash: Ja, das war es. Im Moment ist es ein bisschen chaotisch.
Ich sehe heute alles mit anderen Augen. In Sachen Kreativität haben
ich niemanden mehr, der mir was vorschreibt. Es gibt niemanden wie Matt
oder die anderen Bandmitglieder, die mir ihre Meinung sagen - ich alleine
trage die Verantwortung. Aber ich mag das. Ich war sehr lange bei "Sixpence
None The Richer" - ich habe mit 14 oder 15 Jahren angefangen, und
heute bin ich 29. Es ist schon ein seltsames Gefühl. Und ich vermisse
Matt, aber wir verstehen uns nach wie vor großartig und treffen
uns oft. Ich denke, wir beide genießen unsere Freiheit und die Möglichkeit,
unsere eigenen Sachen zu machen.

MM: Bist du
zuversichtlich? Oder fragt sich ein Teil von dir: "Wird das alles
wirklich gut gehen?"
Leigh Nash: Ich weiß, dass ich sehr viel harte Arbeit in
dieses Album investiert habe. Und deshalb bin ich zuversichtlich, dass
es funktionieren wird. Aber ich kann mich daran erinnern, dass ich vor
meinem Soloprojekt zu allen gesagt habe: "Das wird auf keinen
Fall so gut wie bei "Sixpence None The Richer", und ich werde
auf keinen Fall so stolz darauf sein wie damals." Aber jetzt
bin ich es doch, und dafür bin ich sehr dankbar.

MM: Hast du
dieses Selbstvertrauen aus dir selbst gewonnen, oder haben dir Menschen,
wie z.B. dein Ehemann Mark, dabei geholfen?
Leigh Nash: Ich denke, es kommt aus mir selbst. Vor ein paar Monaten
habe ich mir das Album angehört und anschließend zu Mark gesagt:
"Weißt du was, Mark? Egal, was passiert und was die Leute
sagen, ich bin wirklich sehr stolz auf dieses Album!" Und er
hat geantwortet: "Es ist schön, das von dir zu hören."
Also hatte ich dieses Selbstvertrauen schon bevor es überhaupt Reaktionen
auf das Album gab.

MM: Ist Mark
in deine kreative Arbeit involviert?
Leigh Nash: Ja, das ist er. Ich habe ihm oft Melodien vorgesungen
und Texte gezeigt, um sicherzugehen, dass ich mich nicht zum Trottel mache,
wenn ich es anderen Leuten vorspiele. Er ist definitiv die erste Person,
die meine Lieder zu hören bekommt.

MM: Hat er jemals
gesagt: "Das wird nicht funktionieren?"
Leigh Nash: Ganz selten, deshalb bin ich mir nicht sicher, ob es
wirklich gut ist, ihn zu fragen. Er ist kein allzu strenger Kritiker!

MM: Auf "Blue
On Blue" geht es in erster Linie um Liebe und das alltägliche
Leben. Das wäre also ein logischer Zeitpunkt, um mit der christlichen
Musik zu brechen und stattdessen zu sagen: "Ich mache in Zukunft
nur noch säkulare Musik." Oder versuchst du, einen Mittelweg
zu finden, so wie es "Sixpence None The Richer" getan haben?
Leigh Nash: Ich finde es sinnvoll, sich nicht ausschließlich
auf den säkularen Markt zu konzentrieren. Und wenn Christen das Album
mögen, dann ist das fantastisch, denn ich bin selber Christin. Aber
ich möchte mich nicht auf den christlichen oder den säkularen
Markt beschränken. Ich möchte nur, dass die Platte veröffentlicht
wird, und wer auch immer sie dann kauft, kauft sie. Für mich ist
das ganz einfach, aber ich weiß auch, dass es in Wirklichkeit etwas
komplizierter ist. Ich möchte mich mit dem Album nicht wirklich vom
christlichen Markt abwenden, aber ich weiß einfach nicht, ob Fans
von christlicher Musik die Platte mögen werden. Es ist aus einer
christlichen Perspektive geschrieben und handelt von wunderschönen
Dingen, aber es ist eben nicht offensichtlich christlich. Das waren die
Lieder von "Sixpence None The Richer" auch nicht, und über
einen langen Zeitraum wurden wir auf keinem der beiden Märkte wirklich
akzeptiert, bis wir mit "Kiss Me"
einen Hit landeten. Ich denke nicht, dass uns das christliche Publikum
vorher wirklich gemocht hat, und danach mochte uns ein Teil von ihnen
immer noch nicht - wir haben es nie allen recht machen können. Und
darauf hatte ich irgendwann keine Lust mehr.

MM:
Wem habt ihr es nicht recht machen können?
Und worauf hattest du keine Lust mehr?
Leigh Nash: Ich denke, in den ersten acht Jahren haben wir ein
bisschen zu oft in Kirchen gespielt, und ich war etwas verbittert darüber,
wie die Leute dich behandeln, wenn du nicht das machst, was sie wollen.
Du stehst auf der Bühne und hast das Gefühl, genau das Richtige
zu tun. Du versuchst, so nah wie möglich bei Gott zu bleiben, und
trotzdem schreien dich Leute an, weil du ihnen nicht christlich genug
bist, oder zu christlich, oder was auch immer. Das geschah sehr oft, und
deshalb habe ich irgendwann zu mir gesagt: Wer die Musik mag, kauft sie.
Aber ich habe definitiv nichts dagegen, wenn meine CDs in christlichen
Läden verkauft werden.

MM: Aber kann
man nicht auch christliche Lieder über Themen wie Liebe und Familie
schreiben, ohne den Namen "Jesus" explizit zu nennen?
Leigh Nash: Genau so habe ich das immer gesehen! In meinem alltäglichen
Leben spreche ich die ganze Zeit mit meinen Freunden über Gott, und
ich würde auch sehr gerne mit anderen Leuten und mit Fans darüber
reden. Ich singe gerne über mein Leben, und Gott ist mein Leben.
Ich denke, Gott zeigt uns all diese wunderschönen Dinge im Alltag,
von denen wir singen und über die wir nachdenken können. Und
ich habe mich eben entschieden, über genau diese Themen zu singen.
Ich mache niemals etwas, nur um mehr Platten zu verkaufen. Außerdem
bin ich durch meinen eigenen Musikgeschmack geprägt - ich mag diese
offensichtlich christlichen Sachen nicht so gerne. Diese Art von Musik
gefällt mir einfach nicht. Und deshalb verteufeln mich einige Leute.

MM: Und Matt hat
das genauso gesehen wie du, als ihr Lieder für "Sixpence None The Richer" geschrieben habt, oder?
Leigh Nash: Ganz genau! Und Matt ist ein Poet, er ist ein genialer
Songwriter. Ich wollte, dass er über genau die Dinge schreibt, über
die er auch wirklich schreiben will. Das hat er immer getan, und dabei
sind einige der christlichsten Texte herausgekommen, die ich je gehört
habe. Aber er hat es dann gemacht, wenn ihm danach war und nicht weil
er dachte, er könnte damit eine bestimmte Zielgruppe erreichen.

MM: Hat die
Tatsache, dass du Mutter geworden bist deine Texte und deine Kreativität
beeinflusst?
Leigh Nash: Ja, das hat sie. Als ich herausfand, dass ich schwanger
war, wusste ich nicht, ob das meine Kreativität beeinflussen würde,
aber es war wirklich spannend. In den ersten sieben Monaten meiner Schwangerschaft
war ich mit der Band auf Tour. Dann trennten wir uns und ich bekam Henry.
Danach habe ich mich erst einmal ausschließlich auf ihn konzentriert.
Nach ungefähr vier Monaten verspürte ich einen unglaublichen
Drang, wieder Lieder zu schreiben und Musik zu machen. Aber ich war mir
etwas unsicher. Ich hatte mich schon damit abgefunden, nie wieder Musik
zu machen, aber trotzdem hoffte ich, dass es funktionieren würde.
Und nach diesen vier Monaten wusste ich, dass ich eine neue Platte machen
wollte - nicht aus Langeweile oder Verrücktheit, sondern weil ich
meine Gefühle für immer auf einer Platte festhalten wollte.
Ich hatte einfach so viel zu sagen.
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