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CCM-Rezis Exklusiv-Interview:

Matt BrouwerVom Highflyer zum Diener

Online-Interview mit dem kanadischen Singer/Songwriter Matt Brouwer

(Dies ist eine Übersetzung.
 Die englische englisch / Englisch Originalversion findet sich hier...)

Monica Seidler: Das Hauptthema von "Unlearning" ist für mich "Vater" und "Der Weg zurück nach Hause". "Imagerical" handelte mehr von Gottes Eigenschaften und unserer Antwort darauf im Lob, während Du in "Unlearning" viel von Deinen/unseren Gefühlen, Bedürfnissen, Fragen und Kämpfen singst. Willst Du damit die Bedeutung einer Bekehrung in einer gefallenen Welt betonen, oder ist es eher ein persönlicher Kampf? Oder beides? Oder etwas anderes?

Matt Brouwer (MB): Beim Machen dieser CD und aufgrund meiner Erfahrungen des "Umlernens" in meinem Leben musste ich innehalten und mir Rechenschaft darüber ablegen, was ich tue. Die Lieder, die entstanden, als ich mit dem Schreiben begann, waren wie Seiten, die direkt aus meinem Leben erzählten. Der Überlebenskampf meiner Familie, nachdem mein Vater gestorben war, als ich noch ein Kind war, hatte einen enormen Einfluss auf meine Beziehung zu Gott. Diese Beziehung ist sehr intensiv gewesen und nicht immer einfach. Ich denke, "Unfamiliar" ist das persönlichste Lied, das ich je geschrieben habe, und es ist beängstigend, diese Details andern Menschen mitzuteilen, denn die Geschichte in diesem Lied ist die Wirklichkeit. Am 7. November 1979 winkte uns Dad zum Abschied, als er zur Arbeit ging, nicht ahnend, dass wir ihn nie wieder sehen würden. Ich wüsste gerne, was er denkt und fühlt, wenn er uns sieben Kinder heute sehen könnte. Der Tod ist etwas, das wir alle erleben. Darum hoffe ich, dass andere von meiner Schilderung von Dad's Tod angesprochen werden und dass sie zu Gott hingezogen werden, wenn sie sehen, wie ich Heilung erleben durfte im Wissen, dass dies nicht das Ende ist. Ja, diese Suche nach einem Zuhause und einem Vater ist das Thema dieser CD.

Matt BrouwerIch denke, dass alle Menschen dieselben Grundprobleme durchmachen, dieses Suchen nach Sicherheit und Wert. Hierin haben alle Menschen eine gemeinsame Grundlage, die sie miteinander verbindet. Es scheint, als habe die christliche Musik keine grössere Ausstrahlung mehr über die Kirche hinaus, weil sich die Subkultur, von der sie sich nährt, selber so abgesondert hat. Ich halte viel von Lobpreis- und Anbetungsmusik. Aber ich finde auch, dass es Musik geben sollte, die Geschichten darüber erzählt, wie das Evangelium die Leben von Menschen, die Jesus aufgenommen haben, ganz praktisch mit Sinn erfüllt. Ich fühlte mich einfach nicht danach, meine letzte CD zu wiederholen. Ich bin überzeugt, dass alles, was wir tun, Gottesdienst ist, wenn wir es zu Gottes Verherrlichung hingeben.


Monica: Das CD-Cover und einige der Liedtexte sprechen von "driving along" (fahren). Sind Deine Lieder eine Art "Autofahrtgespräche" mit Gott? Reist Du im Augenblick viel?

MB: Das ist eine tolle Beschreibung! Ich pendelte zwischen Kalifornien und meinem Zuhause in Houston, Texas, hin und her, als ich diese CD machte. Es ist eine lange Fahrt durch die Wüste. Die meisten Worte des Liedes "If You Stay" schrieb ich, während ich dort fuhr. Es hatte eine eigenartige Wirkung auf mich: Gefühle von Einsamkeit und gleichzeitig von Hoffnung. Wie die Wüste mit dem blauen Himmel (sky) zusammentrifft - irgendwie musste ich an den Himmel (heaven) denken. Ich fahre auch sonst viel, und es hilft mir, den Kopf zu lüften.


Matt BrouwerMonica: Kannst Du mir etwas über den Produzenten erzählen?

MB: Er heisst Ian Nickus und lebt in Los Angeles, Kalifornien. Ich lernte ihn über einen Freund kennen und hörte seine CD "Cole Grey: songs for a weak moment". Es war genau die Art von Gefühl und rauer, unabhängiger Ehrlichkeit, die ich in meiner Musik einfangen wollte. Er ist erstaunlich talentiert und einer der ehrlichsten und echtesten Menschen, die ich je getroffen habe. Er ermutigte mich sehr, mich selber in meiner Musik zu sein, auch in meinen Schwächen.


Monica: Deine Aussagen zur Mission - zum Beispiel in Deinem Online-Tagebuch, im Promo-Video - sind wichtig und so unüblich in unserer stargeblendeten CCM-Kultur. Es braucht wirklich Wort und Tat zugleich. Willst Du mehr über Deinen Dienst in der Gemeinde und in der Mission erzählen?

Matt BrouwerMB: 2002 führte mich Gott in eine Gemeinde in Houston, Texas, wo ich seither einer der Anbetungsleiter bin [Matt leitet "The Harvest", einen jugendlich-modernen Gottesdienst in der Woodlands United Methodist Church]. Das Jahr 2001, als ich als christlicher Künstler in Nashville war, war echt eine verwirrende Zeit in meinem Leben. Ich fühlte mich verloren und wusste nicht mehr recht, was ich in meiner Musik eigentlich sagen wollte. Ich begann zu realisieren, dass ich auf einem Grundniveau zu leben und zu dienen anfangen sollte, damit Gott seine Botschaft von der Liebe und Hoffnung in meinem Herzen neu hervorbringen kann. Und so engagierte ich mich in den Diensten in der Kirche und begab mich auf einige Missionsreisen; ich ging auch nach Venezuela, Guatemala und Polen - und es veränderte mein Leben. Ich traf Menschen in entmenschlichender Armut an, die doch so voller Freude waren und mich unmittelbar und bedingungslos liebten, dass es mich für immer veränderte. Ich träumte vorher davon, Singer/Songwriter in Nashville zu werden, Musikvideos zu machen, Goldene Schallplatten einzuheimsen, um die Welt zu touren - aber all das begann sich nach meiner Rückkehr von diesen Reisen zu verändern. Nicht dass kommerzieller Erfolg schlecht ist, aber ich wollte nicht länger davon angetrieben werden. Hier begann wirklich der Prozess des "Umlernens" in mir. 2001 war ich nach Nashville gezogen, und es war für mich kein sofortiger Erfolg. Es war hart und nicht das, was ich erwartet hatte. Der Tod meiner selbstbezogenen Träume schuf für Gott einen fruchtbaren Boden, um einen neuen Traum erstehen zu lassen, der viel, viel mehr mit Seiner als mit meiner Ehre zu tun hat.


Matt BrouwerMonica: Was war Deine grösste Umlern-Lektion in den letzten Monaten?

MB: Vor einem Jahr begann ich die Bibel von vorne nach hinten durchzulesen. Was ich entdeckte, überraschte mich sehr. Nicht dass ich vorher noch nie die Bibel von A bis Z gelesen hätte, aber beim Lesen begann ich zu verstehen, wie radikal Jesu Lehre ist. Wahrheiten wie "Die Letzten werden die Ersten sein" und dass wir die Konsequenzen bedenken sollen, die eine Nachfolge Jesu hat, trafen mich tief ins Herz.
Seit meiner Kindheit dachte ich, dass es ein Zeichen für Gottes Segen sei, wenn alles in Deinem Leben grossartig läuft. Du wirst von Krankheit verschont, erntest finanziellen Erfolg, und Du bist grundsätzlich glücklich. Heute erkenne ich, dass die Bibel so oft davon spricht, dass Leiden ein Segen sei. Ich habe am meisten bei meinen Idealen von Erfolg und von meinem Lebenszweck "umgelernt". Es ist ein ziemlicher Weg, Dinge zu "verlernen", die sich bei Deiner Erziehung tief verwurzelt haben. Ja, es ist ein fortwährender Prozess.



—Interview: Monica Seidler für CCM-Rezis, Dezember 2004

Aufgezeichnet am 7. Dezember 2004
Mehr Infos zu Matt Brouwer unter www.mattbro.com


Erscheinungsdatum online:
12.12.2004
Redakteur(e): Monica Seidler für CCM-Rezis

weitere Rezensionen - siehe Matt Brouwer-Künstlerseite >>
 


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