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»Ich
liebe es, eine Geschichte vor dem Hintergrund einer anderen Zeit oder
Kultur zu betrachten«

Michelle Tumes im Interview über ihr Comeback
( Dies
ist eine Übersetzung. Englische Originalversion hier...)
Nach
längerer Pause hat sich Michelle
Tumes zurückgemeldet. CCM-Rezis bat die in Australien geborene
Singer-Songwriterin, mehr über ihre Zeit ausserhalb des Rampenlichts,
über ihr neues Album "Michelle
Tumes" und über ihre vielfältigen musikalischen und
literarischen Einflüsse zu erzählen. Dabei erfuhren wir auch
von ihrer besonderen Liebe zu Europa ...
Monica Seidler: Michelle, du singst, spielst Klavier, schreibst und arrangierst Lieder. Auf dem neuen Album dirigierst du gar das Orchester. Was bedeutet Musik in deinem Leben?
Michelle Tumes: Musik macht einen Riesenteil meines Lebens aus, so weit ich mich zurückerinnern kann. Ich kann mir ein Leben ohne sie gar nicht vorstellen. Sie hilft mir emotional und geistlich; wenn ich singe und musiziere, spüre ich Gottes Gegenwart.
Monica: Kannst du uns einen kleinen Rückblick auf diese vergangenen Jahre ausserhalb des Rampenlichts geben? Hat sich deine Einstellung zur Musik, zu Konzerten und zum Platten-Machen verändert?
Michelle: Diese vergangenen paar Jahre waren wie ein zweischneidiges Schwert! Während es toll war, eine Auszeit zu nehmen, machte ich mir auch ernsthaft Gedanken darüber, wie mein nächster Schritt aussehen würde. Ich brauchte sehr lange, um zu schreiben und etwa 50 bis 100 Lieder aufzunehmen, woraus es dann nur gerade 11 schafften. Ich studierte zudem [Alte Geschichte und Literatur], was mir dabei half, meinen Schreibprozess zu verfeinern. Alte Geschichte und Geschichten haben mich tief inspiriert. – Meine Haltung heute ist dieselbe wie damals, als ich begann. Ich bin so dankbar, dass ich Musik machen kann. Und ich bin begeistert und ängstlich zugleich. Ängstlich, weil ich mir manchmal Sorgen darüber mache, was die andern wohl denken. Ich werde daran noch eine Weile arbeiten müssen!
Monica:
Dein Sound und dein Gesang klingen sehr eigenständig. Was sind deine
Einflüsse?
Michelle: Meine Einflüsse liegen eigentlich in meinem musikalischen
Background, z. B. Singen in Gesangs-Ensembles an der Schule, Lieder und
Hymnen in der Kirche und klassische Musik. Ich mag auch moderne Musik
und Künstler wie Sting, Enya, U2
und Amy Grant.
Monica: Deine Songs sind voller Andacht und zugleich so anders als übliche CCM [Contemporary Christian Music]. Deine Liedtexte stecken voller Erzählung und Bilder. Du führst deine Zuhörer wie durch eine Seelenlandschaft voller abenteuerlicher Szenerien. Woher nimmst du deine Inspiration?
Michelle: Ich merke, dass ich an Lebenssituationen anknüpfen kann, wenn ich erkenne, dass ich nicht allein bin. Das heisst, wenn ich eine alte Geschichte oder einen Text finde, die eine Situation ansprechen, die ich gerade erlebe. Der Gedanke, dass andere dasselbe durchgemacht haben, gibt mir Trost. Ich liebe es, eine Geschichte vor dem Hintergrund einer anderen Zeit oder Kultur zu betrachten. Dadurch sehe ich die Lebensreise aus einem neuen Blickwinkel. Im Buch Prediger steht, dass es "nichts Neues unter der Sonne" gibt. Das schenkt mir Hoffnung, dass es uns allen gleich ergeht, wir alle im gleichen Boot sitzen!
Monica: Kannst du das in Bezug auf deine Lieder
näher erklären?
Michelle: Ich bin z. B. auf ein wunderschönes Buch namens
Der Alchemist von Paulo Coelho gestossen, das sich um die Suche
eines Hirtenknaben dreht. Dieser Junge versucht einen Schatz zu finden,
nur um dann festzustellen, dass dieser gerade im bescheidenen und stillen
Umfeld liegt, wo er seine Schafherde hütet. Das hat wirklich "Gypsy
Heart" inspiriert. Es ergründet, wie jemand versucht, fern vom
Frieden Gottes zu "grüneren Weiden" zu gelangen, nur um
dann zu erkennen, dass echte Zufriedenheit bedeutet, in unseren Herzen
zufrieden in Ihm zu sein. "Domine" ist im Grunde eine Verschmelzung
einiger Psalmen, die ein Gefühl von Gottesferne einfangen und wie
wir zu Ihm um Hilfe schreien. Er ist mächtig und doch mitfühlend
und zu retten bereit. "Break Through" ist wesentlich von Geschichten
inspiriert, die in alter Zeit spielen, wo eine verzweifelte Person im
Turm des eigenen Herzens eingesperrt ist. Ich stellte mir eine Armee ganz
ähnlich wie jene von König Arthur vor, angeführt von einem
Banner der Hoffnung, die jemanden aus einer fernen Burg retten soll. Das
ist für mich eine Parallele dafür, wie Jesu Kraft unsere Vergangenheit
bezwingt, die uns möglicherweise zu Gefühlsklötzen hat
werden lassen.

Die Verlobten von Alessandro Manzoni ist auch ein Buch, das mich
beeindruckt hat. Die Geschichte spielt im Italien des 19. Jh., wo eine
Kriminellenbande ihren Einfluss ausübt. Der Anführer dieser
kriminellen Organisation schenkte dem Herrn sein Herz auf so dramatische
Art, dass ich beim Lesen weinen musste. Das historische Umfeld der Geschichte
nahm mich gefangen, und als diese Bekehrung geschah, hatte dies so direkt
Bezug zu meinem Glauben. Schliesslich hilft mir die Bibel mit ihrem
geschichtlichen Gehalt und geistlich Wunderbaren, Glaube mit Menschen
in Beziehung zu setzen, die Gott gebraucht hat. Und das spricht in mein
Leben hinein, z. B. der Glaube von Abraham.
Monica:
Welches Lied von den neuen magst du selber am liebsten, und warum?
Michelle: Das ist schwer zu sagen, denn ich habe das Gefühl, ich bin zu nah am Album. Aber die Geschichte hinter "Gypsy Heart" ist wohl meine liebste. Sie erzählt, wie oben erwähnt, von einer Person, die von ihrem Zuhause wegzieht auf der Suche nach exotischen Orten, die besser seien als das Daheim, nur um herauszufinden, dass echter Friede aus der Liebe Gottes in ihrem Herzen kommt. Die Reise führt zurück zu Christus.
Monica:
Was sollen die Zuhörer durch deine Musik erleben?
Michelle: Es wäre mir eine solche Ehre, wenn andere die Lieder auf ihren eigenen Glauben, ihre Reise durch dieses Leben beziehen könnten. Ich kann dir gar nicht sagen, wie glücklich es mich macht, wenn jemand aus seiner Lebensgeschichte erzählt und wie ein Lied ihm geholfen hat oder wie es ihm in gewisser Hinsicht Trost und Hoffnung geschenkt hat.
Monica:
Dein liebster Bibelvers?
Michelle: Nehemia 8, 10: »... denn die Freude am Herrn
ist eure Stärke«. Wenn ich mich erschöpft und beladen
fühle, hilft dieser Vers mir wirklich und gibt mir eine Kraft, die
sich in meinem natürlichen Wesen nicht findet.
Monica: Willst du deinen europäischen Freunden noch eine besondere Nachricht durchgeben?
Michelle: Hallo und Grüsse! Europa ist ehrlich einer meiner Lieblingsorte auf Erden! Ich meine das wirklich ernst. Die Leute, die ich dort getroffen habe, waren so echt, ehrlich und bodenständig, während sie zugleich eine einmalige Eleganz besassen. Ich hoffe, dass ich das Leben wie ihr geniessen kann. Ihr seit ein echtes Lebensvorbild. Gerne käme ich bald wieder auf Besuch!
Monica: Michelle, herzlichen Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast!
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