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"Man kann dabei zusehen, wie ein Album entsteht"

Michael W. Smith im Gespräch

Michael W. SmithMichael W. Smith hat seit fünf Jahren kein neues Pop-Album mehr veröffentlicht. Jetzt ist es da: "healing rain". Russ Breimeier vom christlichen US-Magazin ChristianityToday.com hat mit Michael W. Smith über sein neuestes Album gesprochen. (Hinweis: Das Interview ist eine deutsche Übersetzung und wurde von Gerth Medien zur Verfügung gestellt.)


Frage, Russ Breimeier:
Du meldest dich also mit Healing Rain mit einem neuen Pop-Album zurück.
Antwort, Michael W. Smith: Nun, es ist viel Zeit vergangen. Ich habe eigentlich nicht lange nach This Is Your Time angefangen, diese Platte aufzunehmen. Ich habe so um die 50 oder 60 Songs für das Album geschrieben, tatsächlich aber nur 31 davon aufgenommen. Manchmal muss man bei der Suche nach Fehlern hartnäckig bleiben, und da sich die Veröffentlichung der Platte sowieso verzögerte, habe ich gedacht, dass ich mich noch weiter darum bemühen sollte, bessere Songs zu schreiben. Drei der Songs auf dem Album sind vor drei Jahren geschrieben worden. Ein guter Song ist ein guter Song und so werden diese Songs hoffentlich auch den Test der Zeit bestehen.

Die Aufnahmen zu diesem Album war wohl die angenehmste, zugleich aber auch die härteste Zeit für mich. So etwas möchte ich bestimmt nicht gleich wieder machen, doch ich habe es wirklich auch sehr genossen, im Studio zu sein. Man produziert Dinge, wird kreativ und kann dabei zusehen, wie ein Album zum Leben erwacht. Während des ganzen Prozesses dachte ich bei mir: „Wow, ich kann so etwas ja immer noch tun!“ Es war sehr aufregend für mich, wieder ins Studio zu gehen und neue Dinge auszuprobieren.

Michael W. Smith - CD ''healing rain''Russ Breimeier: Zum Beispiel?
Michael W. Smith: Um nur eine Sache zu nennen: Ich habe nicht daran geglaubt, dass ich dieses Album produzieren würde, doch letztendlich habe ich sechs der elf Songs geschrieben. Ich werde älter und glaube nicht, dass ich noch so am Puls der Zeit bin wie die jüngeren Kids, doch ich habe herausgefunden, dass ich immer noch Songs schreiben kann.

Es gibt bestimmte Dinge, die ich meiner Ansicht nach gut kann, und dann gibt es Dinge, von denen ich nicht glaube, dass ich gut darin bin. Auf dem Album sind ein paar Tracks, die sich ziemlich hip anhören – dass sind die, die nicht von mir stammen! Matt Bronleewe hat vier weitere produziert und einen hat Sam Ashworth, der Sohn von Charlie Peacock, aufgenommen.

Russ Breimeier: Was ist mit dem Schreiben von Songs? Du musst Deine Musik üblicherweise mit einer Vielzahl von Texten in Einklang bringen.
Michael W. Smith: Ich habe mich bei drei Songs wieder mit einem meiner Lieblingskünstler, Wayne Kirkpatrick, zusammengetan. "Eagles Fly" ist mit Wes King zusammen entstanden und "Human Spark" zusammen mit Dan Hill. Diesen Song haben wir unmittelbar nach dem 11. September 2001 geschrieben.

Ein großes Erlebnis für mich war die Reise über den Atlantik, um ein paar Songs mit Martin Smith, dem Leadsänger von Delirious? zu schreiben, der so viele grandiose Songs für Gemeinden verfasst hat. Wir hatten eine tolle Zeit. In ihm habe ich einen neuen Co-Writer gefunden. Es war eine wahre Wonne, weil ich ihm einfach meine musikalischen Ideen vorgespielt habe, er dann kicherte und zu schreiben begann. Keine 30 Minuten später hatten wir einen Song. Ich liebe es, auf diese Art mit Leuten zusammen Songs zu schreiben. Wayne Kirkpatrick braucht einen Monat, um einen Text zu schreiben, was auch ok so ist, denn am Ende sind dann für gewöhnlich ziemlich verblüffende Dinge entstanden.

Michael W. SmithRuss Breimeier: Du hast einige Songs in den George Lucas Skywalker Studios in Kalifornien aufgenommen. Wie kam es dazu?
Michael W. Smith: Wir wollten eigentlich hauptsächlich einfach nur mal aus der Stadt raus. Hier in Nashville ein Album aufzunehmen ist großartig, hat jedoch auch den Nachteil, dass wir Mobiltelefone und auch tägliche Verpflichtungen hatten, die uns immer wieder davon abhielten, uns wirklich auf die Arbeit zu konzentrieren.

Also haben wir uns nach einem coolen Ort zum Aufnehmen umgeschaut und da hat mir jemand von den Skywalker Studios erzählt. Ich bin ein großer Fan von Star Wars und von George Lucas Arbeit. Wir haben ihn angerufen, uns informiert und herausgefunden, dass es möglich wäre, dort eine Woche lang aufzunehmen. Es war wirklich unglaublich. Der Aufnahme-Ort war solch ein großer und geräumiger Raum wie "Abbey Road". Einige Tracks der "Skywalker Sessions" haben es auf dieses Album geschafft – z.B. "Human Spark" und "We Can't Wait Any Longer".

Russ Breimeier: Wenn man sich die Reaktionen auf deine "Second Decade Tour 2003" ansieht, dann scheint es so, als ob die Leute auf deine Anbetungssongs stärker reagieren würden als auf deine Popsongs. Glaubst du, dass sich dies darauf zurückführen läßt, dass du im Popbereich nicht so stark vertreten bist, oder ist dies eher ein Anzeichen für die Beliebtheit von Anbetungsliedern im Allgemeinen?
Michael W. Smith: Ich denke, es ist ein wenig von beidem. Die Anbetungsalben waren bei den Leuten derart beliebt, dass sie wahrscheinlich glücklich darüber wären, wenn wir einfach nur solche Alben produzieren würden. Und ich glaube, viele Leute sind vermutlich nur zu den Konzerten gekommen, um das Anbetungszeug zu hören, weil sie nur diese Alben von mir besitzen. So kannten sie "Wired For Sound" oder "Rocketown" wahrscheinlich gar nicht und das ist auch ok so. Wer hätte auch je geahnt, dass die Anbetungsalben zu den erfolgreichsten Platten meiner Karriere werden würden?

Michael W. SmithRuss Breimeier: Glaubst du, dass dieses neue Publikum deinen Popsound jetzt begeistert aufnehmen wird?
Michael W. Smith: "Healing Rain" scheint der perfekte Song zu sein, um eine Verbindung zwischen jenen Zuhörern herzustellen, die Anbetungssongs hören wollen und jenen, die eher auf Pop/Rock-Songs stehen. Dasselbe gilt für "Here I Am" und "ll I Want", die beide von Martin Smith geschrieben worden sind. Beides sind Anbetungssongs, aber sie sind progressiv und damit nicht nur für Gemeinden.

Russ Breimeier: Wie ist "Here I Am" entstanden?
Michael W. Smith: Ich werde nie vergessen, wie Martin mich fragte, wohin ich gehe, um zu Beten und mit Gott allein zu sein. Da erzählte ich ihm, dass ich dies auf meiner Farm tue. Dieser Ort inspirierte mich auch für den ersten Song. Die erste Zeile darin lautet: "Es gibt einen Ort, an den ich gehe und wo die Engel mich beten hören." Das wichtigste bei diesem Album war für mich, dass es mit Gebet beginnt und endet.

Russ Breimeier: Ist der Titel "All I Want" das Schlussgebet?
Michael W. Smith: Das ist korrekt. Martins Schreibstil ist gut verständlich und meditativ. Es ist wirklich ein sehr interessanter Song für mich, ziemlich dunkel und erhebend, auch ohne viel Text. Die folgende Zeile daraus liebe ich total: »All I have is a love that set my world on fire // Let it fall, let it burn in me // And oh to be a friend of God is all that I desire // All I want is to be faithful // All I want is You.« ("Alles was ich habe ist eine Liebe, die mein Leben in Brand setzt / Lass sie fallen, lass sie in mir brennen / Gottes Freund zu sein ist alles, was ich begehre / Alles was ich will ist treu zu sein / Alles was ich will bist Du"). Sie fasst für mich einfach alles zusammen. Nichts anderes befriedigt mich. Nur darum bete ich und es schien für mich ein angemessener Weg zu sein, damit das Album zu beenden.

Michael W. SmithRuss Breimeier: Erzähl uns etwas zu "We Can't Wait Any Longer".
Michael W. Smith: Dieser Song ist durch meine Arbeit mit Bono [Anm.: von U2 -Red.] und DATA angeregt worden. Bono leistet großartige Arbeit. Ich denke, dass wir vor 6.500 bis 7.000 Kids, die täglich an AIDS sterben, nicht einfach die Augen verschließen können, ohne etwas für sie zu tun. Deshalb fordere ich Menschen dazu auf, in irgendeiner Weise aktiv zu werden – wende dich an deinen Bundestagsabgeordneten oder deinen Ministerpräsidenten, unterstütze die AIDS-Initiative, was auch immer – engagiere dich einfach auf irgendeine Weise. Tu etwas!

Genau darum dreht sich der Song. Es ist der schwierigste auf dem Album, aber ich denke, dass es wichtig ist, dass die Leute auch so etwas hören. Nachdem ich ihn fertig aufgenommen hatte, kam mir die verrückte Idee, den "Uganda Children's Choir" dafür zu gewinnen. Mit ihnen hatte ich durch die GMA schon zusammengearbeitet, deshalb dachte ich, dass es gewaltig sein würde, ihren Herzensschrei in Swahili auf dem Album zu haben. In der Bridge singen sie »Somebody save me, somebody help us« ("Jemand rette mich, jemand helfe uns"). Ganz am Ende, um nicht zu dunkel und bedrückend zu wirken und nur eine Szene des Todes und der Zerstörung zu erzeugen, sagt dann ein kleines ugandisches Mädchen: »Bitte, jemand muss uns befreien.« Ich hoffe, dass dies ein Weckruf für alle Amerikaner sein wird.

Russ Breimeier: A propos Amerikaner, lass uns doch mal über deine Beziehung zur Bush-Familie sprechen. Du bist auf der Nationalversammlung der Republikaner aufgetreten. Wie war das?
Michael W. Smith: Es war beeindruckend. Jede Menge Maschinengewehre und Sicherheitshunde. Ich hatte vorher schon Kontakt zu anderen Präsidenten und bin seit Jahren ein Freund der Bush-Familie und so war es gewissermaßen nichts neues für mich. Doch dies war wahrscheinlich das heftigste Sicherheitsaufgebot, das ich je erlebt habe. Aber das war in Ordnung – alles war ok, solange du in das richtige Auto gestiegen bist.

Es war eine unglaubliche Nacht. Ich wurde ein wenig abgelenkt, weil Cheney herein kam, während ich die Geschichte zu "There She Stands" erzählte, bevor ich den Song dann spielte (lacht). In der Fernsehberichterstattung sah es so aus, als ob die ganze Arena applaudieren würde, diese war jedoch abgetrennt. Auf den ersten Blick dachte ich deshalb, dass der Aufruhr ein weiterer dafür Beweis war.

George W. BushRuss Breimeier: Wie kommt es, dass du Präsident Bush so gut kennst?
Michael W. Smith: Ich hab seinen Vater 1989 getroffen, als ich das Weihnachtsspecial für Washington TV machte. Meine Frau und ich landeten schließlich im Weißen Haus und sind seitdem Freunde der Familie. Ich glaube, ich bin George W. Bush zum ersten Mal begegnet, als ich Kennebunkport 1992 für ein Wochenende besuchte. Zu dieser Zeit war er noch nicht einmal Gouverneur von Texas – er beschäftigte sich damals mit den Texas Rangern. Und ich erinnere mich daran, wie ich und ein anderer Typ gegen Vater und Sohn Bush in einem Tennismatch antraten. Wir haben sie geschlagen, vielmehr völlig vernichtet. Ich bin schon stark auf Wettbewerbe aus, doch sie sind es noch viel mehr. Deshalb dachte ich, dass meine Beziehung zu den Bushs nach diesem Spiel beendet wäre.

Russ Breimeier: Offensichtlich war dies aber nicht der Fall!
Michael W. Smith: Ich bin seitdem so eine Art Ermutigung in Bushs Leben. Ich denke, dass er mich mag, weil er weiß, dass ich nichts von ihm erwarte. Jeder in D.C. hat seine Tagesordnung und will irgendetwas von irgendjemandem. Wir beide bemühen uns darum, unsere Freundschaft zu erhalten und nicht über Politik zu reden – obwohl ich gerne ein paar Gedanken mit ihm teile, versuche ich dennoch, mit unserer Beziehung sehr feinfühlig umzugehen.

Russ Breimeier: Ist der Mann, den du kennst, derselbe, den wir täglich in den Nachrichten und im Fernsehen sehen?
Michael W. Smith: Ich glaube, dass er ein starker und taffer Führer ist, jedoch auch eine empfindsame Seite hat, von der man im Fernsehen allerdings nicht allzu viel zu sehen bekommt. Genau das wäre aber mein Ratschlag an ihn – ich denke, dass es gut wäre, Amerika und der Welt mehr von dieser einfühlsamen Seite zu zeigen. Ich habe gesehen, wie es ihn förmlich zerriss, als er Geschichten von Soldaten und Verlusten erzählt hat.

Wir reden auch sehr häufig über den Glauben und über geistliche Dinge, was man aber im Fernsehen, das stark an anderen Themen orientiert ist, normalerweise nicht zu sehen bekommt. Bush hat sich völlig seinem Glauben verschrieben und hält jeden Morgen Andacht. Ab und zu habe ich ihm Bücher geschickt – die moderne englische Version von "My Utmost for His Highest" von Oswald Chambers und John Eldredges "Wild at Heart" - und habe mich gefragt, ob er sich je Zeit nehmen würde, um sie zu lesen. Als ich ihn dann das nächste Mal traf, dankte er mir dafür und meinte, dass er sie schon gelesen hat.

Michael W. SmithRuss Breimeier: Popmusik und Politik miteinander zu vermischen ist eine sehr umstrittene Angelegenheit. Machst du dir Sorgen darüber, dass deine Verbindung zu Bush einige deiner Fans vergraulen könnte?
Michael W. Smith: Eine Zeit lang gab es Gerede darüber, ob einige von uns der Pro-Kerry-Springsteen-Tour entgegen treten sollten. Ich hielt dies für keine gute Idee, da ich befürchtete, dass verunsicherte Leute die Springsteen-Tour nach hinten losgehen lassen könnten.

Wenn ich bei meinen Konzerten auf die Bühne gehe, ergreife ich für keine Seite Partei. Wenn Sie Bush nicht mögen, dann wählen Sie ihn einfach nicht.

Es beunruhigt mich viel mehr, dass so viele Menschen überhaupt nicht eingetragen sind, um wählen zu gehen. Sogar in christlichen Kreisen gibt es eine sehr große Zahl nicht eingetragener Wähler, so um die 40 bis 45 Prozent. Laut dem Pew Research Center haben sich nahezu die Hälfte der 59 Millionen Evangelikalen in Amerika nicht für die Wahl angemeldet. Das Entscheidende ist: wenn sie dieses Land lieben, dann werden sie im November wählen gehen.



Das Interview führte Russ Breimeier von ChristianityToday.com (USA).
Mit freundlicher Genehmigung übersetzt von Heike Gerhold.
Zur Verfügung gestellt von Gerth Medien, Asslar.

Erscheinungsdatum online:
30.10.2004
Redakteur(e): David Decker für CCM-Rezis

weitere Rezensionen - siehe Michael W. Smith-Künstlerseite >>
 


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