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"Ich musste mein eigenes Leben loslassen"

Paul Colman im Interview

Paul ColmanDer Australier hat mit seiner Band "Paul Colman Trio" für Aufsehen gesorgt. Inzwischen ist er wieder als Solo-Künstler unterwegs. Im Interview erfahren Sie mehr über die Hintergründe der Bandauflösung und über sein neues Album. Maryann B. Hunsberger vom christlichen US-Magazin ChristianityToday.com hat mit Paul Colman gesprochen. (Hinweis: Das Interview ist eine deutsche Übersetzung und wurde von Gerth Medien zur Verfügung gestellt.)


Frage, Maryann B. Hunsberger (MBH):
Du bist in Australien aufgewachsen. Wer waren deine ersten musikalischen Vorbilder?
Antwort, Paul Colman (PC): NMein Vater hatte schon in den 1970er Jahren sehr viel mit christlicher Musik zu tun und so bin ich damit aufgewachsen. Als ich 19 war, eröffnete ich als Solokünstler eines von Larry Normans Konzerten und spielte in seiner Band. Das war ein unbeschreibliches Erlebnis. Larry Norman war mein Held, mein Idol, und ich liebte natürlich auch seine Musik. Barry McGuire schrieb seinen Song "Bullfrogs and Butterflies" bei uns zu Hause. Leon Patillo war bei uns zum Abendessen. Das alles waren meine ersten Eindrücke und Einflüsse aus der christlichen Musikwelt.

MBH: Was hat dich dazu bewogen, Australien zu verlassen, um nach Amerika zu gehen?
PC: Ich wollte auf den Bühnen dieser Welt spielen und in jedes nur mögliche Land reisen, um meine Musik und meinen Glauben den verschiedensten Kulturen zu bringen. Aber den größten Musik-Markt gibt es nun mal in Amerika. Daher dachte ich mir, es wäre sinnvoll, einen Vertrag in den USA zu unterschreiben und von dort aus den Rest der Welt zu bereisen.

MBH: Gab es etwas in deiner neuen Heimat, an das du dich nur schwer gewöhnen konntest?
PC: Es waren eigentlich ganz kleine Dinge wie das Essen, die Maßeinheiten und das Wetter, die ich am meisten vermisst habe. Irgendwie haben wir jetzt auch zwei Haushalte in den USA und in Australien. Auch die Versicherungen sind in den USA ganz schön teuer. Aber ich glaube, die größten Schwierigkeiten gab es für meine Familie. Ich habe sie von all ihren Freunden weg in die USA gebracht.

Manchmal frage ich mich: "Was tue ich eigentlich meiner Familie an, wenn ich sie um die ganze Welt scheuche?" Es ist wirklich kein beneidenswertes Leben. Es ist viel einfacher, einen 8-Stunden-Job zu haben und immer am selben Fleck zu wohnen.

Aber ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeiten habe, so viel zu reisen. Und wenn ich keine Familie zu versorgen hätte, würde ich nicht einmal Geld dafür haben wollen. Meine Familie ist mir wirklich sehr wichtig und deshalb muss ich oft schwierige Entscheidungen treffen. Mein Vater hat seine Schauspielerkarriere für seine Familie aufgegeben, und wenn es sein müsste, würde ich meine auch aufgeben.

Paul ColmanMBH: Lebt deine Familie zurzeit in den USA?
PC: Meine Frau und unsere beiden kleinen Töchter leben in den USA und jedes Jahr im Sommer gehen wir nach Australien. Ich kehre dann meist schon einige Wochen früher in die USA zurück, um mich um die Wohnung und alles andere zu kümmern. Wir wohnen eben nicht immer am selben Ort.

MBH: Du bist also sehr viel unterwegs gewesen. Ist das Paul Colman Trio deshalb auseinander gebrochen?
PC: Ich glaube, dass mich vielmehr meine Familie dazu bewogen hat, das Trio zu verlassen. Wir waren fünf Tage in der Woche unterwegs und haben trotzdem nicht unbedingt viel Geld eingespielt. Viele Künstler bekommen 10.000 Dollar pro Auftritt; sie könnten es sich vielleicht leisten, den Rest der Woche mit der Familie zu verbringen. Aber wenn man als Trio nur 3.000 Dollar bekommt und davon noch für Familie und Mitarbeiter aufkommen muss, dann kommt man nicht weit. Wir waren so oft unterwegs, das war Wahnsinn, es hat so einfach nicht mehr funktioniert. Unser Drummer Phil kam schließlich zu uns und meinte, er könne wegen seiner Familie nicht länger mit uns auf Tour gehen. Mir ging es dann bald genauso. Es war eine ziemlich verrückte Zeit.

MBH: Habt ihr immer noch Kontakt zueinander?
PC: Ja. Man ist mit seiner Band "verheiratet". Man lernt die guten und auch die schlechten Seiten eines jeden kennen. Man verfolgt dieselben Ziele. Und wenn es zu Ende geht, tut das schon sehr weh. Aber wir sind immer noch füreinander da.

MBH: Fiel es dir leicht, nach der Trennung vom Trio deine Solokarriere zu starten?
PC: Ich habe oft daran gedacht, alles aufzugeben; es hat mich sehr beschäftigt. Ich habe gemerkt, dass meine Familie und meine Kinder neben Gott in meinem Leben an erster Stelle stehen. An zweiter Stelle stand meine Musik und die Leidenschaft, damit anderen Gottes Liebe zu bringen. Ich habe mir viele Gedanken über meine Solokarriere gemacht und viel Zeit mit meiner Familie verbracht. Als dann die ersten Schecks kamen, hat es immer gerade so für mich und meine Familie gereicht. War es einmal mehr, habe ich für den nächsten Auftritt eine Band gebucht, ansonsten bin ich mit meiner Akustik-Gitarre unterwegs gewesen. Die Entscheidung, in Zukunft als Solokünstler aufzutreten, war für mich aber nicht so schwierig wie die Trennung von der Band!

Paul ColmanMBH: Wie fühlt es sich an, wieder ein Solokünstler zu sein?
PC: Ich genieße es, ungebunden zu sein. Aber das Beste ist natürlich, dass ich jetzt viel Zeit mit meiner Familie verbringen kann. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man nach einem Konzert genug Geld nach Hause bringt, um alle Rechnungen bezahlen zu können. Es ist auch eine klasse Sache, CDs so aufzunehmen, wie es mir persönlich am besten gefällt.

MBH: Du hast bei deiner neuen CD "Let It Go" mit Peter Furler, dem Frontman der Newsboys, zusammengearbeitet. Wie bist du darauf gekommen, einen Vertrag mit InPop abzuschließen?
PC: Ich kenne Peter und Wes Campbell, den Manager der "Newsboys", schon seit über fünf Jahren. Eigentlich hatte ich geplant, bei einem anderen Label zu unterschreiben, aber durch meinen engen Kontakt zu Peter und Wes habe ich erst einmal bei ihnen angefragt. Peter war von Anfang an von mir überzeugt und hat an mich geglaubt; das hat mir sehr viel Kraft gegeben. Sie haben verstanden, was es heißt, Australien zu verlassen und in einem neuen Land ein neues Leben anzufangen. Als ich meine Familie für zehn Wochen besuchen wollte, hatten sie dafür größtes Verständnis. Ich bin wirklich sehr dankbar für Peter und Wes.

MBH: Was hat dich zu dem Song "I Owe It All" inspiriert, der sich auf deinem neuen Album befindet?
PC: In dem Song geht es ums Loslassen, darum, alles in Gottes Hände zu legen und sich so selbst die vielen Lasten zu nehmen. Ich schrieb den Song vergangenes Jahr im April. Ich saß an einem Tisch bei mir zu Hause und versuchte, einen echten Hit zu schreiben, aber wenn ich ehrlich sein soll, kam nicht viel dabei heraus. Dann hörte ich Jesus in meinen Gedanken sagen, ich solle loslassen und einfach nur meine Gedanken und Gefühle über ihn in einen Song packen, er würde schon dafür sorgen, dass er ein Hit würde. Dabei kam dann "I Owe It All" heraus, was mein persönlicher Lieblingssong auf meiner neuen CD ist.

MBH: Was genau meinst du mit "loslassen"? Was musstest du loslassen?
PC: Ich musste mein eigenes Leben loslassen. Genau darum geht es doch in einem Leben mit Gott. Bei der Arbeit an der CD habe ich auch das ganze Songwriting losgelassen. Ich habe Ideen und Texte anderer Songwriter einfließen lassen. Jason Ingram hat wunderbare Texte verfasst; er ist wirklich ein brillanter Songwriter. Ich habe nicht mehr versucht, alles allein zu machen, und habe schnell gemerkt, dass es besser ist, ein kleiner Teil von etwas Großem zu sein, als ein großer Teil von irgendetwas anderem.

Paul ColmanMBH: Hast du wirklich daran gedacht, Amerika zu verlassen, als du den Song „Last Night In America“ geschrieben hast?
PC: Ich habe den Song am 22. Dezember 2001 geschrieben und das war in diesem Jahr mein letzter Abend in Amerika. Die Terroranschläge vom 11. September beschäftigten mich immer noch und ich machte mir viele Gedanken darüber. Ich hatte große Angst, dass auf meinem Flug irgendetwas passieren würde, und ich spielte mit dem Gedanken, dass es vielleicht meine letzte Nacht auf Erden sein könnte. All diese Gefühle sind jetzt in diesen Song eingeflossen.

MBH: Gibt es große Unterschiede zwischen der christlichen Musikwelt in Australien und der in Amerika?
PC: Oh ja, in Amerika gibt es eine christliche Musikwelt. Bei uns steckt das alles noch in den Kinderschuhen; der Markt für christliche Musik ist noch sehr klein. Australien ist kein christliches Land und es gibt auch nur wenige gute Promoter. Meist engagiert man sich einen Elektriker, der dann neben seinem eigentlichen Job eine Tour oder ein Konzert für einen Künstler plant. In Amerika gibt es neben professionellen Promotern auch einen riesigen Markt für christliche Musik.

MBH: Was ist für dich als christlicher Sänger im Moment die größte Herausforderung?
PC: Ich versuche, über die Runden zu kommen, mich um meine Familie zu kümmern und nebenbei an meiner Solokarriere zu basteln. Auch das Songwriting ist für mich eine große Herausforderung. Einerseits musst du Texte schreiben, die sich gut verkaufen, wenn du von ihnen leben willst, andererseits musst du als Christ auch deine Botschaft und dein Herz in die Musik einfließen lassen. Es ist manchmal nicht einfach, beides zu kombinieren.



Das Interview führte Maryann B. Hunsberger von ChristianityToday.com (USA).
Übersetzt und zur Verfügung gestellt von Gerth Medien, Asslar.

Erscheinungsdatum online:
4.7.2005
Redakteur(e): David Decker für CCM-Rezis

weitere Rezensionen - siehe Paul Colman-Künstlerseite >>
 


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