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Aufruf zu mehr Liebe und Ehrlichkeit

Singer-Songwriter Scott Phillips im Interview über sein neustes Album

(German / DeutschDies ist eine Übersetzung. Englische Originalversion hier...)

Scott Phillips Eindringliche Lyrics und melodiöser Folk-Rock sind das Markenzeichen von Singer-Songwriter Scott Phillips aus Tennessee. Vor kurzem erschien in den Staaten sein viertes Album, "Next Stop Willoughby". Begeistert von dieser CD, wollte CCM-Rezis mehr wissen und fragte nach. Postwendend traf ein ausführlicher und spannender Einblick ein ...

Monica Seidler: Scott Phillips, es wäre toll, ein paar Worte, eine Art "Hintergrund-Story", zu drei deiner neuen Lieder zu hören: "A Nursery Rhyme", "The Empty" und "To Keep It Alive" ...
Scott Phillips: "A Nursery Rhyme" entstand eines Tages, als ich den alten Kinderreim "Mary Had a Little Lamb" summte und über seine erstaunlichen theologischen Parallelen stolperte. Ich bin nicht sicher, ob das Lied irgendeine Geschichte in Deutschland oder der Schweiz hat, aber es ist ein sehr altes und beliebtes Kinderlied hier in den Staaten. Ich entschloss mich jedenfalls, ein paar Zeilen aus diesem Lied zu verwenden, um ein eigenes Lied zu entwickeln. Es sollte ein Song werden, der mich und andere an die Einfachheit des Evangeliums erinnert. Jesus sagte: "Mein Joch ist sanft, meine Last ist leicht."

Als Christen, besonders hier in Amerika, lassen wir uns leicht von den religiösen Regeln und Vorschriften niederdrücken, die wir uns selber auferlegen – wir tun dies, weil es uns schwerfällt, das Evangelium wirklich zu glauben. Wie können wir von Gott wirklich geliebt sein, wo wir so total erbärmlich und kaputt sind? Wie kann er uns lieben, ohne dass er uns einer langen Reihe strenger Prüfungen unterzieht, damit wir diese Liebe verdienen? Die weltliche Definition und die weltlichen Parameter für Liebe stehen im Widerspruch zu Gott, der selber die Liebe ist. Und so projizieren wir dieses Missverständnis auf Gott und machen die Menschen glauben, dass wir uns abmühen müssen, um geliebt zu werden. Ich wollte mir in Erinnerung rufen, dass das Leben des Gläubigen viel einfacher sein sollte, als was ich zeitweise daraus mache. Darum benützte ich einen alten Kinderreim, um diese Einfachheit rüberzubringen.

Scott & Carol Phillips"The Empty" schrieb meine Frau Carol. Es ist das erste und einzige Lied, das sie bis jetzt geschrieben hat. Sie kam mit einer tollen Melodie und erstaunlichen Lyrics zu mir, und ich steuerte etwas Gitarre bei. Es hat sich zu einem Lieblingsstück der meisten Hörer der CD gemausert. Ich bin so stolz auf sie. Sie ist so wunderbar begabt, und ich staune jedes Mal über die Kunst, die sie kreiert, wenn sie sich die Zeit dazu nimmt. Ich will allerdings nicht versuchen, das Lied an ihrer Stelle zu erklären. Ich denke, es spricht ohnehin ganz gut für sich selbst. Wir alle erleben Zeiten, in denen wir uns fragen, wo Gott ist (bei mir ist dies leider häufiger der Fall als das Gegenteil). Wir fühlen uns allein, verlassen, leer. Es tut einfach gut, ein Lied zu hören, das nicht so kuschelig und frömmlerisch daherkommt, indem es so tut, als gebe es im Christenleben keine Schwierigkeiten. Diese Art Song spricht mich nicht an. Aber Ehrlichkeit spricht mich an, und wenn wir ehrlich voreinander sind, müssen wir zugeben, dass – obwohl Gott gut ist – das Leben manchmal ganz schön elend sein kann.

Ich schrieb "To Keep It Alive" über meine Beziehung zu meiner Frau. Für mich ist es ein hoffnungsvolles Lied, aber auch eines, das mich herausfordert, mich nicht einfach nur durchs Leben treiben zu lassen und Beziehungen als selbstverständlich hinzunehmen. Es ruft mir in Erinnerung, dass es bei der Liebe nicht nur um die romantischen Gefühle geht, die wir am Anfang hegten. Unsere Liebe erweist sich als echt, wenn wir in den schwierigen Zeiten daran festhalten – wenn es wirklich Anstrengung kostet, am rauen Äusseren vorbei auf die neue Schöpfung zu sehen, zu der uns Gott hat werden lassen. Um die Liebe am Leben zu erhalten, müssen wir uns einsetzen, einsetzen und nochmals einsetzen.

Scott Phillips - next stop Willoughby''Monica: Wieso heisst das Album "Next Stop Willoughby"?
Scott: Das Lied basiert auf einer alten "Twilight Zone"-Episode mit dem Titel "A Stop at Willoughby". Ich fand seine Bedeutung passend, um die Hauptbotschaft des Projekts einzufangen, es war also ein sicherer Anwärter für den Titelsong. Die Filmepisode handelte von einem Firmentypen, der mit dem ständigen Konkurrenzkampf nicht klarkam und mehr vom Leben haben wollte, aber nicht bereit war, Schritte zur Vereinfachung oder Verlangsamung zu unternehmen. Er ist ein Workaholiker mit einer Frau, die ihn dazu antreibt, härter zu arbeiten, um den piekfeinen Lebensstil beizubehalten, den sie "geniessen". Er fährt abends mit einem Pendlerzug von der Arbeit nach Hause, schläft ein und träumt von einem Ort namens Willoughby, wo sich jeder Zeit nimmt, das Leben zu geniessen. Jeder kennt jeden, und man verbringt Zeit miteinander. Im Traum ermuntert ihn der Schaffner, auszusteigen und Willoughby zu besuchen, aber er kann sich nicht dazu überwinden.

Schliesslich steigt er doch aus, und die typische "Twilight Zone"-Wende blendet über in ein Bild, wie er tot auf den Schienen liegt, weil er beim Schlafwandeln vom fahrenden Pendlerzug fiel. Als sein Leichensack in das Auto des amtlichen Leichenbeschauers geladen wird, kann man auf der Autobeschriftung lesen: "Willoughby Coroner Service". Ich überging dieses letzte kleine Detail in meinem Lied und schrieb über den Rest der Episode. Übertragen auf mein Leben bedeutet es, dass ich mich immerzu nach einem einfacheren, langsameren Lebensstil sehne, wo ich von einer Gemeinschaft von Gläubigen gekannt und richtig geliebt werde, die ich meinerseits kenne und echt liebe. Das wünsche ich mir von ganzem Herzen, aber die Zwänge unserer Kultur und Gesellschaft halten mich in einem Orkan aus Aufgabenlisten, geschäftiger Arbeit und Isolation fest, während ich unter einem Haufen von nutzlosem Besitztum ersticke.

Monica: Wie war das Aufnehmen im Sputnik-Studio [von Mitch Dane] mit all den cleveren Musikern?
Scott: Ich liebte es! Jedes Mal, wenn ein Instrument oder ein neuer Track hinzugefügt wurde, war ich noch begeisterter über das, was da Gestalt annahm. Mitch fasste vom ersten Tag an, als ich auf seiner Couch sass und ihm meine selbstgeschriebenen Lieder vorspielte, eine tolle Vision für das Projekt. Er hat ein klasse Produzenten-Ohr und konnte das Resultat schon hören, lange bevor ich überhaupt wusste, wie es herauskommen würde. Es war ein echter Segen für mich, in diesen Sessions dabei zu sein und von jedem der mitwirkenden Jungs zu lernen. Sie sind alle extrem talentierte und kreative Musiker. Ohne ihren grossartigen Beitrag wäre die CD nicht, was sie jetzt ist. Jeder der Musiker ist selber regelmässig mit anderen Künstlern auf Konzertreise, darum war es auch cool, Tournee-Geschichten auszutauschen und einen kleinen Einblick in ihr Leben zu erhalten.

Scott Phillips - next stop Willoughby''Monica: Spielt Chris Hennig im 12. Stück, "Next Stop Willoughby", Klavier?
Scott: Nein. Das bin ich. Ich habe vor kurzem begonnen, auf dem Klavier herumzuklimpern, in der Hoffnung, dass ich es als ein weiteres Medium beim Liederschreiben einsetzen kann. Das erste Lied, das ich am Klavier schrieb, war "It All Comes Down". Es ist auch auf der CD. Chris spielt in diesem Stück allerdings Klavier, weil ich meine Finger nicht dazu bringen konnte, die Hookline gut genug zu spielen. Aber ich wollte "Next Stop Willoughby" zu spielen versuchen. Das war das zweite Lied, das ich am Klavier geschrieben hatte. Und da wir bei der Produktion dieses Songs eine viel ungeschliffenere Atmosphäre im Sinn hatten, waren wir bereit, uns mit meinem allfälligen Talentmangel in diesem Bereich abzufinden. Ich finde, es trägt gerade zur Intimität dieses Tracks bei.

Monica: Welche Botschaft sollen deine Hörer von "Next Stop Willoughby" mitnehmen?
Scott: Ich möchte, dass die Leute ermutigt werden, ehrlich und verwundbar gegenüber den andern in ihrer Gemeinschaft zu sein. Ich glaube, dass wahre Transparenz wirklich den Leib Christi zusammenschweissen hilft, damit er eins ist, so wie Jesus und der Vater eins waren (wie Jesus betete). Wir können nicht so tun, als hätten wir Gemeinschaft miteinander, wenn wir uns in der Gemeinde nicht miteinander austauschen. Leider hat es die evangelikale Kirche nicht recht geschafft, einen sicheren Ort auszugestalten, wo wir über unsere Zweifel, Ängste, Sünden, Versuchungen, Versagen usw. miteinander reden können ... Wir haben in diesem Feld noch viel umzulernen. Ich hoffe, dass meine Verletzbarkeit in den Liedtexten andere dazu inspiriert, ebenso im alltäglichen Leben zu sein.

Monica: Scott Phillips, herzlichen Dank für dieses Interview!



Das Interview führte Monica Seidler per E-Mail Mitte April 2007.

Mehr Infos zu Scott Phillips unter www.scott-phillips.com


Erscheinungsdatum online:
17.04.2007
Redakteur(e): Monica Seidler. Copyright bei Scott Phillips und der Autorin.

weitere Infos & Rezensionen – siehe Scott-Phillips-Künstlerseite >>
 


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