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Interview

Jedes Gefühl
hat einen eigenen Klang

Wie Gott durch Tiefen trägt - Thea Eichholz-Müller im Gespräch
Es
sind nicht immer die Höhen des Lebens, die die schönsten Lieder
hervorbringen. Gerade wenn es durch Tiefen geht, zeigt sich, auf welchem
Fundament das Leben steht.

Für Thea Eichholz-Müller
(38, 2 Kinder) war es wie ein Hammerschlag, als bei ihrem Ehemann und
Musikerkollegen Bernd-Martin Müller im Alter von 38 Jahren eine unheilbare
Krebserkrankung diagnostiziert wurde.
Eine "harte Zeit" begann, ihr Mann starb von 1½
Jahren. Jetzt hat die Musikerin, Texterin und Sängerin eine CD mit
sehr tiefgehenden Texten und trotz allem einer sehr hoffnungsvollen Grundstimmung
herausgebracht: "Breite deine
Flügel aus" (Gerth Medien).
Frage, Stephan Volke: Sturmzeiten im Leben
sind oft Zeiten, die dem Leben Tiefe geben. Haben Sie das auch so erlebt?
Antwort, Thea Eichholz-Müller: Ja, sehr: Es wurde tiefer im
Sinne von "schwerwiegender" und "bedeutungsvoller".
Wobei ich auch vorher ein Mensch war, der das Leben nie leichtnahm. Ich
hätte erwartet, daß mich Erlebnisse wie die der letzten zwei
Jahre platt auf den Boden drücken würden. Das habe ich dann
aber - Gott sei Dank - so nicht erlebt.
Stephan
Volke: Musikalisch finden sich auf der
CD ruhige Töne. Hat sich die Bewältigung der Trauer auf die
Umsetzung ausgewirkt, oder ist das ursprünglich Ihre Musik?
Thea Eichholz-Müller: Ich mag Balladen, habe in meinem Leben
aber auch schon eine Menge schnelle Songs komponiert. Musik bietet mir
die Möglichkeit, Stimmungen einzufangen und Gebete auszudrücken.
Und jedes Gefühl hat seinen eigenen "Klang".

Nicht nur, weil die meisten Songs vor dem Tod meines Mannes entstanden
sind, würde ich statt "Bewältigung der Trauer" eher
"Lebens - und Glaubensbewältigung" als Grundthema nennen.
Das entlockte mir eher die ruhigeren Töne. Die Musik hilft mir noch
immer - denn die schwere Zeit ist ja nicht vorbei. Es sind "meine
Psalmen", mein Ventil, das Gott mir schenkt.
Stephan Volke: Viele verzweifeln an Gott,
wenn sie seine Wege nicht mehr verstehen. Warum Sie nicht?
Thea Eichholz-Müller: Das klingt ein bisschen so, als wäre
es eine Leistung, die ich erbringe: "Stark sein!" Aber nicht
an Gott zu verzweifeln ist erst mal nicht mehr als eine Entscheidung,
die ich und jeder fällen muß, sein ganzes Leben lang neu. Es
gibt bei mir genauso Phasen der "Ver-Zweiflung". Besonders in
Tagen vor Konzerten gibt es Zeiten, in denen ich kämpfe und mit Gott
ringe. Auch bei den Aufnahmen für die Produktion habe ich bei manchen
Liedern mehrmals Anlauf nehmen müssen. Aber ich kann auch zurückblicken
auf Begegnungen mit der Kraft und der Güte des lebendigen Gottes!
Was habe ich davon, wenn ich ihm den Rücken zukehre? Mir hat mal
jemand gesagt: "Höre nicht auf, ihm dein Herz auszuschütten,
mit allem, was darin enthalten ist! - Dann wirst du auch nicht aufhören,
Erfahrungen mit ihm zu machen."

Das sage ich heute und jetzt. Möge Gott mir helfen, daß ich
das auch in fünf Jahren noch so sehe. Wie gesagt, es ist nicht meine
Leistung.
Stephan
Volke: Durch die Lieder zieht sich ein roter Faden, der Gegenwart
und Zukunft, Erde und Himmel miteinander verbindet. Was waren Ihre Gedanken
bei dieser "Klammer"?
Thea Eichholz-Müller: Bestimmte Ereignisse in unserem Leben
lassen uns innehalten und ein Stück dessen erahnen, woraufhin wir
geschaffen sind. Die Geburt eines Kindes z.B.: Ich kann mich nach den
Geburten unserer Kinder daran erinnern, daß ich das Gefühl
hatte, die Erde drehe sich anders! Eine Dimension kommt hinzu! Da klingt
eine Musik an, die Sehnsucht macht auf mehr. - Das Sterben eines Menschen
berührt einen ähnlichen Bereich meiner Seele und meines Geistes.
Auch da sehe ich eine Schnittstelle zwischen der Ewigkeit und dem Leben
hier. Meine letztendliche Heimat ist nicht hier. Aber oft lebe ich, als
ginge es darum, hier aus diesem Erdensand etwas für die Ewigkeit
zu kneten. Wie engstirnig und belastend! Wenn mein Herz schon jetzt und
hier den Klang der Ewigkeit in sich trägt, muß das Auswirkungen
darauf haben, wie ich einen nervigen Tag angehe, meine Kinder erziehe,
meinen Beruf ausübe oder den Schaden an meinem Auto einordne. Das
ist ein Weg, auf dem ich immer wieder die Spur verliere. Doch am Ende
meiner Bemühungen steht Jesus Christus, und er öffnet mir den
Weg in die lebendige Ewigkeit.
--Interview: Stephan Volke
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