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"Matt Redman im Gespräch mit Tim Hughes zur CD 'when silence falls'"

Zwei Lobpreisleiter unter sich...

Tim HughesTim Hughes stellt nach seiner Debüt-CD "here I am to worship" seine neue CD "when silence falls" vor. Sein Freund und Förderer Matt Redman stellte ihm die Fragen zum neuen Werk. (Hinweis: Das Interview ist eine deutsche Übersetzung und wurde von Gerth Medien zur Verfügung gestellt.)


Frage, Matt Redman:
Tim, Dein neues Album „When Silence Falls“ ist gerade veröffentlicht worden. Ich weiß, dass es deine bewußte Entscheidung war, deutlich zu machen, dass du eher Songs für die Gemeinde schreibst als für eine CD. Kannst Du uns dazu ein bisschen was erzählen?

Antwort, Tim Hughes: Nachdem ich mein letztes Album „Here I am to worship“ eingespielt hatte, verspürte ich einen leichten Druck, gleich wieder etwas Neues zu machen. Doch ich wollte mich nicht einfach hinsetzen und am laufenden Band Songs produzieren. Songs, die Tiefe besitzen und von der Majestät Gottes sprechen, kommen einem nur nach einer Offenbarung, einem Funken göttlicher Eingebung. Ich finde es wichtig, Anbetungssongs zu schreiben und dabei die Gemeinde im Blick zu behalten. Gott möchte seine Braut, also seine Kirche, ermutigen und stärken. Wenn ich also einen Song schreibe, frage ich mich stets, ob dieser auch für die Gemeinde geeignet ist.

Meiner Meinung nach sind die besten Gemeindelieder diejenigen, die aus der Kirche „vor Ort” stammen. Nimm zum Beispiel meinen Song „Consuming Fire“. Den habe ich aus einer ganz bestimmten Situation heraus geschrieben. Die Gemeinde wollte in dieser Zeit unbedingt mehr über Gott wissen und mit ihm erleben. In einem Sonntagsgottesdienst wiederholte eine Frau ständig den Satz „Da muss es mehr geben.“ Das hallte in mir nach und irgendwann wurde der Song geboren. Obwohl ich es war, der ihn auf’s Papier brachte, hat ihn doch eigentlich die ganze Gemeinde geschrieben. Wenn wir ihn heute singen, hat er gerade deswegen eine besondere Bedeutung. Hoffentlich wird es viele weitere Gemeinden geben, die auf persönliche Herzensschreie dieser Art reagieren.

Matt RedmanMatt Redman: Es fällt mir auf, dass es auf Deinem Album eine Menge Songs gibt, bei denen Gott im Mittelpunkt steht. Was ja eigentlich nahe liegt, da du ein Anbetungsalbum aufgenommen hast. Andererseits beobachte ich momentan häufig, dass sich sich viele Worship-Songs letztendlich auf irgendeine Art eher um Menschen als um Gott drehen. Deine Texte handeln ständig von der Wesensart und dem Charakter Gottes. War diese starke Betonung eine bewußte Entscheidung?
Tim Hughes: Ja, es war definitiv eine bewußte Entscheidung, diese Art von Anbetungsliedern zu schreiben. Als Songschreiber bin ich herausgefordert, Songs zu verfassen, die sich völlig auf Gott konzentrieren. Ich liebe den Abschnitt in Offenbarung 5 – ein Bild von der Anbetung, die sich um den Thron zentriert. Alles ist auf Christus ausgerichtet – das Lamm, das geschlachtet wurde. Wir sehen dann die vier lebenden Geschöpfe und die 24 Ältesten, die Gott loben. Wenn wir weitergehen, erhaschen wir einen flüchtigen Blick auf viele Engel, Tausende über Tausende, Zehntausend mal Zehntausend in einer Haltung der Anbetung. Und man fragt sich, wo unser Platz bei all dem sein soll? „Dann hörte ich jedes Geschöpf im Himmel und auf der Erde und unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darin ist, singen: Dem, der auf dem Thron sitzt und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ (Offenbarung 5, 13). Wir sind einbezogen mit all den Tieren – den Eseln, den Fliegen, den Schwänen und dem Goldfisch. Unsere Anbetung muss sich um Gott drehen; sie kann nicht auf uns fixiert sein. Auch die Schöpfung spricht in wunderbarer Art von Gottes Schönheit und Größe: Ein verblüffender Sonnenuntergang, das Wunder neuen Lebens.

Matt Redman: Auf Deiner CD gibt es auch einige Klageslieder. Songs, die den Schmerz des Lebens mit einbeziehen anstatt ihn zu ignorieren . Ich spreche von den eindrucksvollen Titeln „I've had questions“ und „Whole world in His hands“.
Tim Hughes: Ich habe viel über die Verbindung zwischen Anbetung und Klagen nachgedacht. Das Leben beinhaltet so viel Freude aber auch viel Schmerz. Ich habe ein paar Dinge in meinem Leben als sehr hart empfunden. Eines Nachts war ich in einem Hotelzimmer in Kanada, wo ich mich wirklich schlecht ging. Ich setzte mich hin um anzubeten und versuchte all das auszudrücken, was in meinem Kopf vor sich ging. Die Worte: „I've had questions, without answers. I've known sorrow. I have known pain. (Ich hatte Fragen, ohne Antworten. Ich kannte Traurigkeit . Ich kannte Schmerz)“ strömten aus mir heraus. Es fühlte sich alles trostlos an. Ich begann nachzudenken. Wie sollte ich in einer solchen Gefühlslage Gott anbeten? Ich versuchte auf Jesus zu schauen. „But there ís one thing, that I'll cling to. You are faithful, Jesus You're true. (Doch da gibt es eine Sache, an der ich mich festklammere. Du bist vertrauensvoll, Jesus du bist treu)." Es war ein bisschen komisch, aus meiner Zerrissenheit heraus anzubeten, doch genau in dieser Situation traf ich Gott. Gerade dann als ich nicht „Dance“ oder „The Happy Song“ singen wollte ...

Ich arbeitete weiter an dem Song. Und irgendwie dachte ich, dass er für eine Gemeinde nicht geeignet wäre. Wir singen kaum Klagelieder in der Kirche. Aber als ich die Bibel durchblätterte, wurde mir bewusst, dass Schmerz dort ganz frei ausgedrückt wird. „How long O Lord? Will you forget me forever? How long must I wrestle with my thoughts and every day have sorrow in my heart? (Wie lange o Herr? Willst du mich so ganz vergessen? Wie lange soll ich mit meinen Gedanken ringen und wie lange soll ich jeden Tag Kummer in meinem Herzen tragen? (Ps 13)“ Es muss in unseren Gemeinden einen Platz für Schmerz und Zerrissenheit geben. Wenn das Leben um dich herum auseinander fällt, wenn geliebte Menschen sterben, wenn Krankheit auf dir lastet und du vielleicht nicht mehr den Glauben aufbringst zu sagen „Gott, Du bist gut.“ Ich möchte Songs schreiben, die echt sind. Ich bin überzeugt davon, dass solche Songs in unseren Gottesdiensten gesungen werden sollen.

Matt Redman: Wie lange brauchst du im Durchschnitt dafür, einen Song zu schreiben? Welchen Song auf dem Album hast du am schnellsten geschrieben, und für welchen hast du am längsten gebraucht?
Tim Hughes: Ich glaube, im Durchschnitt brauche ich ungefähr ein halbes bis ein Jahr, um einen Song von Anfang bis Ende zu schreiben. Es gibt eine anfängliche Idee, vielleicht einen Text oder eine Melodie. Wenn ich den Eindruck habe, dass der größte Teil des Songs fertig ist, beginnt für mich ein langer Aufbereitungsprozess. Ich bitte Menschen, mir zu sagen, was sie davon halten. Und ich frage mich selbst, was verbessert werden könnte und ob Text und Melodie dynamisch genug sind. Das braucht Zeit.

„Joy is in this place“ war der Song, den ich am schnellsten geschrieben habe. Er war wie eine spontane Lobb-Explosion. Der Song, für den ich am längsten gebraucht habe, war „Whole world in His hands“. Ich hatte schon lange versucht, einen Song über dieses Thema zu schreiben. Doch es blieb bei vielen erfolglosen Versuchen. Eines Nachmittags tauchte die Melodie dann in meinem Kopf auf. Vom Beginn bis zur Vollendung des Songs dürfte das wohl ein Jahr gedauert haben.

Matt Redman: Neigst du dazu, nur in bestimmten Zeiten zu schreiben oder kritzelst du mehr oder weniger ständig Dinge nieder?
Tim Hughes: Ich schreibe definitiv nur zu bestimmten Zeiten. Ich habe bemerkt, dass es Zeiten gibt, in denen ich mich wirklich inspiriert fühle. Dann kommen in mir innerhalb einer Woche zwei oder drei Songideen auf. Dann gibt es wieder Monate, in denen sich gar nichts tut. Ich hab versucht zu lernen, mich an diesen Fakt zu gewöhnen. Ich habe aber auch gelernt, kontinuierlich Songideen aufzuzeichnen: „zur Zeit und zur Unzeit“ versuche ich, Gedanken, Zitate, Textideen schnell zu notieren. Es kann Monate, manchmal sogar Jahre später sein, dass Worte und Melodie zusammen finden. Da kann es wichtig sein, sich auf seine Notizen zu besinnen.

Matt Redman: Ich persönlich finde es schwieriger, up-tempo Songs zu schreiben – sie scheinen einem seltener einzufallen, insbesondere weil sie sich nicht mal eben so entwickeln, wenn du dich in deinem Zimmer mit einer Akustik-Gitarre hinsetzt. Wie kommst du auf Songs wie „Dance“ und „Name above all names“?
Tim Hughes: Ich finde es auch eher schwer, up-tempo Songs zu schreiben. Der Refrain für den Song „Dance“ war eine spontane Idee während einer Anbetungszeit. Ich arbeitete an einer Strophe und suchte nach ein paar Textideen, die uns Grund geben, zu tanzen und voller Freude zu sein. Für mich sagt die erste Strophe von „Amazing Grace“ all dies aus. Textlich paßte sie haargenau zu der Melodie, die ich für eine Strophe hatte. Der Song „Name above all names“ kam mir, während ich auf einer Akustik-Gitarre herumspielte. Ich mag Refrains, die sehr hymnisch sind – ich liebe es, einen Refrain so richtig herauszuschreien. Ich denke, dass viele Songs dieser Art stark von einer guten Bandzusammenstellung abhängig sind. Oft ist es so, dass ein Song richtig toll und völlig auf Gott gerichtet klingt. Wenn du ihn dann aber nur auf einer Akustikgitarre spielst, hört er sich gleich nicht mehr so gigantisch an. Bei „Dance“ ist das zum Beispiel so. Wenn man jedoch Gitarrenriffe und Rhythmusabschnitte hinzufügt, dann geht er schon gleich viel mehr ab.

Matt Redman: „Beautiful One“ ist ein großartiger Song – und sehr interessant für mich, da ich die Art mag, wie du Texte in einen gigantischen up-tempo Song einbaust. War das Absicht?
Tim Hughes: Ich habe den Song „Beautiful One“ in Australien geschrieben. Ich war gerade im Urlaub und las im Buch Jesaja. Dabei stieß ich auf den Vers, „Er besaß keine Schönheit oder Hoheit, die uns gefallen hätte, da war nichts in seiner Erscheinung, weshalb wir ihn begehrt hätten.“ (Jesaja 53,2) Das verwunderte mich. Der Sohn Gottes, höchst prächtig und heilig, wandelte über die Erde, und da soll es keine Schönheit in seiner Erscheinung oder in seinen Wesenszüge gegeben haben, die uns dazu gebracht hätte, anzuhalten, zu schauen und zu denken, „Wow, dieser Typ ist etwas besonderes“? Mit diesen inneren Eindrücken nahm ich meine Gitarre zur Hand und begann, mit einem Song darauf zu reagieren. Angefangen habe ich mit der Bridge „You've opened my eyes to Your wonders anew. (Du hast meine Augen aufs neue für deine Wunder geöffnet)“ Und dann fiel mir der Refrain ein. Als ich anfing, an der Strophe zu arbeiten, stolperte ich über eine Aufnahme alter Melodieideen von mir. Eine Melodie fiel mir besonders ins Auge und ich fragte mich, ob sie zu dem Refrain von „Beautiful One“ passen würde. Sie passte und machte den Song nun zu einer up-tempo Nummer. Dies brachte mich zum Nachdenken und mir gefiel die Idee, Gottes Schönheit regelrecht auszurufen. In den Strophen werden das Kreuz, die Schönheit seiner Majestät, seiner gewaltigen Werke und seiner Herrlichkeit angesprochen.

Matt Redman: Zum Schluss noch eine Frage: welchen Rat würdest du jungen Anbetungsleitern geben, die im Schreiben von Gemeindeanbetungsliedern wachsen wollen?
Tim Hughes: Mein Lieblingszitat über das Schreiben von Songs kommt von einem Mann namens Andy Park. Er sagt: „Songs voller Hingabe kommen aus einem Leben voller Hingabe.“ Ich liebe diesen Satz. Wenn du wachsen willst im Schreiben von Songs, die von Gottes Wundern erzählen, dann musst du dich Gott ganz hingeben. Studiere sein Wort, suche täglich nach ihm. Nur aus einer Beziehung mit Gott heraus kannst du Songs schreiben, die Ihn verherrlichen und für andere zum Segen werden.



—Interview: Zur Verfügung gestellt von Gerth Medien, Asslar.

Erscheinungsdatum online:
30.10.2004
Redakteur(e): David Decker für CCM-Rezis

weitere Rezensionen - siehe Tim Hughes-Künstlerseite >>
 


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