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Amy Grant - ''time again... Amy Grant live'' (DVD)

Amy Grant
"time again... Amy Grant live" (DVD)


   ( 2006 Word/Curb/Warner Bros. / Hänssler; online )

Es braucht(e) einige Zeit...

Von und mit Amy Grant hat es so gut wie alles schon gegeben. Außer einem Konzert-Video halt. Das wurde nun endlich im Jahr 2006 nachgeholt. Und wie! In Fort Worth, Texas, spielte sie einst ihr erstes Konzert (1976!), nun kehrte sie an den Wirkungsort ihrer Studienjahre zurück und nahm ein Konzert auf, was Referenz-Charakter für sich verbuchen kann; zumindest in vielerlei Hinsicht, was die technische Seite der Produktion anbelangt. Die ausgesuchte Konzerthalle — "Bass Performance Hall" — ist gigantisch in jeder Hinsicht und theatralisch perfekt für diese Inszenierung. Deutsche können sich mit der Dresdner Semperoper von innen gesehen in etwa ein Bild machen, was da in Amiland abging im April 2006. Jede Menge Personal hinter den Kulissen hatte jede Menge zu tun — in der Vor- wie Nachbereitung der Aufnahmen. Eine riesige Soundanlage mußte abgestimmt, eine Lichtshow designt, ein Bühnenbild hergerichtet werden. Das Ergebnis ist der helle Wahnsinn! Virtouse Lichteffekte, intelligente Kameraführung und die hochauflösende Filmqualität sind traumhaft. Hinzu kommt die Ausreizung der klanglichen Möglichkeiten soweit es der Stand der Technik zuließ. Die Produktionsleiter haben je nach Fachbereich einfach alles gegeben. Für live-Konzert und Backstage-Material gibt es nur ein Prädikat: Amerikanisch perfekt! Punkt.


Jeder Herzschlag...


Das vorliegende Konzert wäre jedoch rein gar nichts geworden ohne diese energische und spielfreudige Band. Die Mannen und eine Dame rund um Amy legen alles in ihre Musik rein und machen den Auftritt erst zu dem was er wurde. Kim Keyes an den Background-Vocals sowie diversen Instrumenten ist öfters im Bild und das zu Recht: sie hat mehr Bühnenpräsenz als die eigentliche Sängerin und strahlt mehr aus. Für Schlagzeuger/ Perkussionisten, Gitarristen, Bassisten und Keyboarder läßt sich ähnliches festhalten. Eine coole Band mit einem coolen Sound, der weit über Amys landläufig bekannten Radiopop hinausgeht. Es hat hier alles einen Touch von Nashville und Südstaaten mit ganz leichten Country- bzw. Roots-Anklängen. Und genau das ist das besondere an den neuen live-Arrangements für Amys meist weltbekannte Lieder: endlich mal was Neues! Ein inspirierender Akustik-Rock-Sound, der abgeht und Lust auf mehr macht. So wollte man die Pop-Queen immer hören. Es ist eine Fusion aus ihren besten Momenten von Alben "lead me on", "heart in motion", "house of love" und einer Breitseite von "behind the eyes" — die perfekte Mixtour. Das 22 Stücke umfassende Songmaterial geht fast zwei Stunden und es wird dabei nicht langweilig. "Lead me on" ist genau der richtige Song für die Eröffnung des langen Konzertabends in einem herrlichen, neuen Arrangement. Gleiches läßt sich sagen zu "baby, baby" und "every heartbeat", ihre zwei Welthits in einem zeitlosen Gewand. Ich kann nur mutmaßen, daß sich die DVD-Besitzer die Audiospur "rippen" und dann wohl ihren normalen Alben vorziehen werden, auf mich trifft es jedenfalls zu. Denn SO machen die Lieder einfach noch mehr Freude!


Oh, wie die Jahre vorbeigehen...


Die einzige Beschwernis, die mir beim Ansehen und weiteren Beschäftigen mit dem Material kam, ist die: Amy Grant scheint mir oft ein Schatten ihrer selbst zu sein. Irgendwas ist mit ihr, das merkt man. Im Konzert steht sie brav und bisweilen "steril" mit ihrer Gitarre und leerem Blick an ihrem Platz — fast keine Bühnenpräsenz, wenig Bewegung, keine Energie. Ihre Band dagegen geht mit jeder Faser aus sich raus, gibt alles und entsprechend energisch und real kommen sie an. Nahaufnahmen von Amy halten sich im Rahmen und vermeiden wirkliche intime Nähe. Dennoch sieht man ihr eine Art "Facelifting" an. Sie ist jetzt in einem Alter, wo sie schweren Tribut an vergangene Jahre des Jugend- und Schönheitswahns zollen muß. Zugute halten muß man ihr aber auf jeden Fall: Sie hat ihre neue "Rolle" angenommen und versucht gar nicht erst, ihre erfolgreichsten Jahre in irgendeiner Form aufleben zu lassen. Und noch etwas ist stärker denn je: Ihre Stimme klingt kraftvoll, kaum klang sie je besser! Trotz allem ist es während der ganzen Show förmlich mit Händen greifbar, daß hier spirituell etwas verlorenging. Was genau, kann man nicht sagen. Vielleicht ist es ihr Vorangehen im "Frauenbereich" der christlichen Musikszene, oder überhaupt ihr geistlicher Einfluß auf diese ganze Industrie in den frühen Achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts, vielleicht ihre schweren Jahre in den 90ern mit Ehescheidung usw. Bisweilen will die Freude des Konzerts nicht richtig überspringen, irgendwas scheint die Hauptdarstellerin des Abends zurückzuhalten. Bezeichnend auch, daß im enthaltenen Backstage-Material und auch im Konzert selbst, ausschließlich ihre Band und das übrige Personal die richtigen Gags reißen und für menschlich-allzumenschliche Stimmung sorgen. Amy ist überraschend zurückhaltend und bisweilen merkt man gar nicht, daß sich die Produktion eigentlich um sie drehte. — Glaubhaft wirkt sie in ihren teilweise etwas längeren Ansagen zwischen Liedern und wenn sie auf der Couch Platz nimmt. Sie erzählt Erlebnisse und Geschichten aus ihrer Karriere und das kommt absolut an. Aber selbst bei emotionalen Balladenhöhepunkten wie "carry you" steht sie fast rührungslos in der Bühnenmitte und singt ihren großen Hit "runter". Einfach nur schade!

Andererseits scheint das alles ihre treuen Ami-Fans nicht im entferntesten zu interessieren, sie stehen unerschütterlich zu ihrem Idol. Ihr großer Fan-Club "FOA – Friends Of Amy" hat im Rahmen der live-Aufnahmen zu einer extra-Veranstaltung geladen, von der es rührende Auszüge im Bonus-Material zu sehen gibt. Hier scheint die — einst durchgängig — heile Welt noch voll in Ordnung.


Dein Wort...


Die ehemals erfolgverwöhnte Popkünstlerin bietet mit der Aufführung ihrer frühen "christlichen Hits" eine Art versöhnliches Statement an ihre langjährigen Anhänger aus dem "Bible belt", die sie erst zu dem machten, was sie wurde. "Thy word", "El Shaddai" und "my Father's eyes" werden in einer wunderbaren Akustik-Session serviert und das sind dann auch die Glanzpunkte des ohnehin nicht schmalspurigen Konzerts. Das beschwingte "oh how the years goes by" kann mit Bongo, Perkussion und Akustik-Klampfe genauso faszinieren wie einst als Keyboard-Hymne auf CD... Und Amy scheint die Lieder nicht nur so dahinzusingen — auf der Couch sitzend, hat man den Eindruck, sie legt hier ihre Persönlichkeit besonders in die Lieder, ihr macht es Spaß. Leider wird diese Atmosphäre ihrerseits während der restlichen Zeit außerordentlich vermißt.


Frag mich...


Als Fazit bleibt ein insgesamt überraschender Eindruck von einer sehr gut gemachten DVD. Überraschend wegen der erdrückend guten und perfekten Produktionsqualität und überraschend auch, weil die Künstlerin selbst alles gibt, um ebenso perfekt zu wirken, aber ihre relative Erfolglosigkeit dabei nicht verhehlen kann. Wie sehr würde man sich eine "geheilte" Amy Grant wünschen?! Nichtsdestotrotz bekommt diese DVD eine dicke Kaufempfehlung, nur wenige sind SOOO GUT GEMACHT!


—David Decker für CCM-Rezis, April 2007

Daten:
DVD / 22 Titel + Bonus-Material / Konzet: 104 Min.; Bonus-Material:
                ca. 35 Min. / kein Ländercode (0)
Art: live-Konzert; Backstage-Notizen..
Musikstil:
Nashville-Akustik-Pop-Rock
Label(s): 2006 Word Records/Curb Records/Warner Bros., USA / Hänssler-
               Verlag, Holzgerlingen; online
Website: http://www.amygrant.com  /  deutsche Fan-Site  /  bei myspace

Wo kaufen?:
bei grooves-inc.com

weitere Rezensionen – siehe Amy Grant-Künstlerseite >>
 


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