Chris Rice
"inside out" (DVD)

( 2005 eb+flo; INO / Asaph Musik;
online )
Kürzlich war ich an einem "Haus-Konzert"
von Chris Rice in Franklin, TN.
Gitarrist Scott Denté war auch da,
ebenso Matt Slocum am Cello, Ken Lewis
am Schlagzeug und DeMarco Johnson an den Tasten. Es war ein lauschiger
Abend im Freien, mit einem gemütlichen Barbecue, Lampions und Kerzen.
Auch Kinder waren unter der Zuhörerschar, die sich vor der kleinen
Bühne im Garten niedergelassen hatte. Nach 9 Songs legte Chris Rice
seine Akustikgitarre zur Seite und lud uns alle in sein gelbes (wie das
Cover!) Wohnzimmer ein. Dort genossen wir, um seinen Flügel gruppiert,
in die Sofas gefläzt oder auf dem Boden sitzend, dicht an dicht,
8 weitere lebensfrohe und oft amüsante Lieder über die Liebe,
über Gottes Spuren in der Schöpfung, über Jesus und den Himmel
... – Naja, ganz so war es nicht. Aber dieser lebhafte Eindruck entstand,
als ich die neue Live-DVD "inside out" zu Gesicht bekam.
Outside in Gottes Schöpfung bis Sonnenuntergang ...

Das über 80-minütige Konzert mit alten Hits und allen "Amusing"-Stücken
ist für mich der beste Beweis für das, was Chris Rice im neuen
Ohrwurm "The Best Song Ever" singt: "Was ist das Magische
an Musik? ... Seht doch, wie sie uns so zusammenbringt! In uns allen schlummert
eine Sehnsucht, die uns Lied für Lied singen lässt."
Seine Lieder bringen die Zuhörer – hier seine Freunde – einander
buchstäblich näher. Auch wenn er keine grosse Show abzieht,
sondern einfach in Jeans und T-Shirt am Flügel sitzt, packt Chris
Rice auf charmante Weise. Gerade weil der begabte Sänger, Gitarrist
und Pianoman so natürlich auftritt. Weil er witzig ist, liebevoll
versponnen und offenherzig. Weil seine Lieder aus dem Leben und von unseren
Hoffnungen, Träumen erzählen. Weil er vertraute Empfindungen
in originelle Poesie und Erzählung packt. Menschlich, allzu menschlich
– aber immer mit Blick zum Himmel.

Die zwitschernden Vögel, die der Gute-Laune-Song "Smellin' Coffee"
zum Auftakt besingt, sind auf den Outside-Aufnahmen tatsächlich zu
hören. Bei "Sometimes Love", "Naïve" oder dem
neuen "Breakfast Table" herrscht eine stimmungsvolle Klampfen-und-Trommel-am-Lagerfeuer-Stimmung.
DeMarco Johnson, der in "Deep Enough To Dream" verträumte Mundharmonika-Klänge
beisteuert, holt am Wurlitzer und später am Flügel viel Funk
und Jazz aus den Tasten und nützt jede Gelegenheit zur Improvisation.
Drei BGVs sorgen für den typisch bluesigen Groove in "Tick Tock"
und im rasanten "Love Like Crazy" (samt zungenbrecherischem
Rap!). Wenn "And Your Praise Goes On" erklingt, ist der Himmel
tatsächlich dunkler und die Lichter heller: »Der Mond steht
hoch, und der Sonnenuntergang verblasst, alle Wiegenlieder sind gesungen,
wir decken wieder einen Tag zu, und einer um den andern erscheinen die
Sterne...«
... inside zum romantischen Ständchen am Flügel

Im zweiten Teil folgen "I Need A Hero" und alle übrigen
"Amusing"-Stücke: z. B. die gediegene Candle-Light-&-Piano-Schnulze
"When Did You Fall?", ein liebliches "I See The Moon"
mit weichen Ahh-Vocals, das bittersüsse Ständchen "Amusing"
mit Cello und Gitarre und das wunderbare "The Final Move", abermals
mit Cello- und Flügelbegleitung. Auch ohne Twang und Streichorchester
sind diese Akustik-Versionen Nostalgie-getränkt, begeistern mit ihren
überraschungsreichen Melodien und Harmonien und viel Funk und Jazz.
Nur schon dem gewandten, weichen Pianospiel von Chris Rice zuzuhören
ist ein Genuss, ganz zu schweigen von seinen schlicht genialen Texten
voller Wortspiele und einfallsreicher Bilder. In den Lied-Einleitungen
erfährt man übrigens einiges über den 42-Jährigen.
Zum Abschluss stimmt die ganze Combo in ausgelassener Stimmung "The
Best Song Ever" an.

Während das 15-minütige Making-of eher bescheiden ausgefallen
ist, sind Ton und Bild während des Konzerts sehr gut (Audio Producer:
Monroe Jones). Die Kameraführung aus ständig wechselnden Winkeln
ist angenehm ruhig, mit weichen Übergängen und stimmungsvollen
Einblendungen aus dem Publikum, quasi über dessen Schulter hinweg.
Enorm reizvoll sind die ständig ändernde Besetzung der Begleitmusiker
und der Wechsel zwischen draussen und drinnen, zwischen alten und neuen
Stücken, zwischen "Fenster-zum-Himmel-Songs" und Liebesliedern,
zwischen Balladen und fetzigem Upbeat, zwischen Chris an der Gitarre und
Chris am Flügel. – Best Song Ever? Chris Rice ist ihm dicht auf den
Fersen ...

Fazit: "inside out" zieht uns mitten in den Garten und die gute
Stube von Chris Rice zu einem relaxten, fröhlichen, amüsanten,
romantischen und auch besinnlichen Konzertabend. Man mag kritisch zu seinem
"Going secular" stehen [siehe dazu unser Interview...],
doch der sympathische Liedermacher dürfte mit dieser Mixtur gerade
auch Glaubensferne, die in unserer krisengeschüttelten Zeit Halt
und Trost suchen, ansprechen und neugierig machen.
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