Derek Webb
"how to kill and be killed" (DVD)

( 2005 Derek Webb / INO / Asaph
Musik; online )
»Though I’m cornered by the words I say
you’re telling me to speak
you teach me how to kill and be killed
and how you set me free.«
(aus "Lover Part 2")
Derek Webbs Musikstil
und mehr noch seine Botschaft sind zweifellos nicht nach jedermanns Geschmack.
Abseits vom Wohlfühl-Mainstream kreisen seine Lieder um Gewissensprüfung,
Zerbruch, geistliches Wachstum und die Gemeinde Christi. Er betont immer
wieder, dass er ein auf Jesus angewiesener Sünder und keineswegs
ein perfekter Mensch sei. – Nach seinem Abgang von Caedmon’s
Call konzentrierte er sich in seinem ersten Soloalbum, "She
Must And Shall Go Free" (2003), auf markige Botschaften an die
Gemeinde, die er dann live als ein Zusammenspiel von Musik, Gespräch
und Lehre im kleinen Kreis vortrug (Live-Album "The House-Show"
2004). Doch nach Veröffentlichung von "I
See Things Upside Down" (2004) zog es ihn wieder auf die Bühne
in den Kreis einer vollen Band zurück: idealerweise mit denselben
Musikern, die bereits beim Studioalbum mitgewirkt hatten, so dass nicht
einfach verschlankte Versionen zu hören waren ...

Seit kurzem sind Ausschnitte aus diesen Band-Konzerten auf der DVD "How
To Kill And Be Killed" nachzuerleben. Auf einer minimal lichtverzauberten
Nashviller Bühne, umgeben von seinen verschiedenen Gitarren und eingerahmt
von Cason Cooley (Keys), Mark Polack (Bass), Will Sayles (Drums) und Paul
Moak (Gitarren), gibt Derek Webb während 90 Minuten 16 Nummern zum
Besten: beliebte Stücke aus beiden Soloalben (u. a. "Wedding
Dress", "I Repent", "Medication", "I Want
A Broken Heart"), Songs aus der Zeit mit Caedmon’s Call (u. a. "Thankful",
"Can't Lose You") und als Zugabe auch ein Lied von Ehefrau Sandra
McCracken ("Awake My Soul") – von atmosphärisch über
urig ("Saint and Sinner") und sehnsüchtig ("Somewhere
North") bis rockig-fetzig (fährt ein: "Ballad In Plain
Red") und zurück zu besinnlich ("Nothing Is Ever Enough").
Wer sich darauf einlässt, erhält bei diesem abwechslungsreichen
und dichten Programm eine Menge Anstösse, über das eigene Leben,
den eigenen Glauben, die christliche Kultur nachzudenken. Einige Verse
geben ziemlich zu kauen.

Derek Webbs kratzig-quengelnden Gesang sind wir uns ja schon gewohnt.
Dass er von verkrampfter Miene begleitet wird, lenkt im ersten Moment
etwas von den auf eine raue Art schönen Melodien, den folkigen bis
experimentellen Klängen und vor allem den Texten ab. Doch auch daran
gewöhnt man sich. Auch die Bildqualität und die Kameraführung
à la Amateur, die mehrheitlich den Blick aus dem Publikum simuliert, sind
etwas eigen und bescheren einige schräge Ansichten: ein kleiner,
beleuchteter Sänger vor nachtschwarzem Hintergrund, ein kopfloser
Gitarrist, unscharfe Gesichter, Derek Webb aus der Froschperspektive,
verwackelte oder brüske Bildschnitte – manchmal ist alles vorübergehend
dunkel. Nun denn, jedem sein ästhetisches Erlebnis! Der Ton ist auf
jeden Fall vorzüglich, ebenso die musikalische Darbietung. Die Musiker
sind bestens aufeinander abgestimmt. Ihr Zusammenspiel folgt bei den jüngsten
Songs treu den Albumversionen, inklusive aller sphärischen Klänge.

Die 16 Lieder sind auch einzeln über das Menü anwählbar.
Als Zugabe finden sich eine Bildergalerie mit Konzertschnappschüssen,
die von "We Come To You" untermalt wird, und ein fast halbstündiges
Backstage-Interview. Aufschlussreich ist etwa Derek Webbs Grund, warum
er gewisse bekenntnishafte Lieder jedes Mal singt, ja singen muss. Dass
seine beredten Ausführungen zu seinen neusten Liedern, zur Band,
zu seinem Glauben, zu Christentum und Kultur etc. wiederum von Musik aus
"I See Things Upside Down" begleitet werden, verlangt von uns
Nicht-Amerikanern eine gute Portion Konzentration und Sprachbeherrschung.
Das ist der einzige Wermutstropfen bei dieser überquellend reichhaltigen,
eindrücklichen DVD.

Fazit: abwechslungsreich, eindringlich, herausfordernd wie Derek Webbs
bisherige Soloalben. Wer sich nicht bei der eigenwilligen Kameraführung
aufhält, dafür genau hinhört, erlebt ein belohnendes, auch
aufrüttelndes Konzert.
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