Jens
Böttcher
"kein Weg zu weit - live und Unplugged im White Noise Tonstudio,
Hamburg" (DVD)

( 2005 Asaph Musik )
»Ich hab Frieden, seit
ich dich gesehen hab,
ich hab Frieden, seit ich dich erlebt hab - Jesus,
einen Frieden, den ich nicht verstehen kann,
einen Frieden, den ich nicht erzählen kann - Jesus.«
~ Jens Böttcher, Refrain von "Frieden"
Kleine Schar, doch großes 'Kino'

Dies ist die erste offizielle DVD innerhalb der deutschen christlichen
Musikszene. Debütant damit ist Jens Böttcher,
der bereits mit Kompagnon Mark Rosenbrock
und seit 2005 auch solo von sich reden macht. Vorliegende Aufnahme wurde
einen Tag vor (17. September 2005) der denkwürdigen 2005er Bundestagswahl
im Hamburger Tonstudio "White Noise" mitgeschnitten. Es war sozusagen
die "Release-Party" zur Veröffentlichung des Soloalbums "Himmelherz".
Die kleine Publikumsherde besteht aus Freunden, einigen Fans sowie einem
Haufen Journalisten und "fromme-Szene-Leuten". Gegenüber sitzt und steht
eine Schar Musiker mit reichlich akustischem Equipment, Vollblutmusiker
Jens Böttcher natürlich in der Mitte.

Daraus ergibt sich eine familiäre Atmosphäre, die sozusagen eins zu eins
auch auf dem Video abgebildet wurde, denn auf Nachbearbeitung/ Schnitt
wurde offenbar völlig verzichtet (erfreulich!). Neben viel Besinnung,
Evangelium und Mission kommt bei Jens und seinem Team der Humor bzw. die
Ironie nicht zu kurz: Man spürt einen sehr ehrlichen Künstler, der sich
nicht scheut, tiefe Gefühle zu zeigen. Sein Glauben und seine Lebenserfahrungen
scheinen ihm aus jeder Faser zu sprudeln. Hier präsentiert sich ein aufgeschlossener
Poet, der wirklich was zu sagen hat.
Vollblutmusiker und erdige Stimmung

Die Bildqualität ist den Umständen entsprechend sehr gut; die Kamaraführung
passend zum Genre manchesmal etwas "rauh"... Doch der Sound ist echt klasse.
In hervorragender Aufnahmequalität vermutet man die Spielleute vermeintlich
direkt neben einem. Die Arrangements sind dem "Himmelherz"-Album
natürlich ähnlich, wenn auch hier noch etwas kantiger, rauher - eben live.
Besonders schön: etliche Gastmusiker sind mit von der Partie, oft dieselben
wie auf der CD (Gesang: Steffi Beiner, Gerd-Ekken Gerdes / Akkordeon:
Susanne Erkes / Cello: Anne-Maren Falk). Besinnlicher Singer/Songwriter-Pop
wechselt sich mit Rootsrock-Stücken ab, wie etwa das herrliche - und autobiographische!
- Hank-Williams-Cover "ich hab das Licht gesehen" (# 3). Neben elf Album-Songs
erklingen mit "sie irren sich" (# 12) und "September" (# 13) sogar zwei
brandneue Stücke des Künstlers. Hinzu gesellen sich drei Stücke von der
ersten und vier von der zweiten
Rosenbrock+Böttcher-CD. Zwanzig (!) Lieder in einer ausgewogenen Mischung
im fesselnden Unplugged-Feeling. Die meiste Stimmung kommt - erwartungsgemäß?
- bei den Klassikern "hoch oben im Himmel" (# 15) "welch ein Freund ist
unser Jesus" (# 16) sowie "die ganze Welt in seiner Hand" (#17+18) auf.
Ich bin froh, daß Jens beide Stücke mit dabei hatte!
Glück trotz Traurigkeit

Inhaltlich macht Jens Böttcher keine Abstriche: Zeugnishaft gibt er zu
vielen Stücken evangelistische Einstiege und seine Liedtexte sprechen
ohnehin für sich. Es sind mehrheitlich Trostlieder - auch und gerade für
Christen. Immer wieder scheint der klare Hinweis auf den Retter Jesus
Christus durch. Die Botschaft ist so verständlich und nachvollziehbar
integriert, ohne frommes Szenevokabular und ohne aufgesetzt zu wirken.
Es liegt spürbar in der Luft: Hier ist jemand, der ist anders, da ist
etwas geschehen. Eben, weil man dies mit Worten nicht alles sagen kann,
deshalb wohl auch diese Visualisierung des "Himmelherz"-Opus. So heißt
es im Lied "Nananana" (# 8):

»So viele Worte sind gefallen, wie Krieger
in der Schlacht,
Poeten haben sich versucht und es doch nicht geschafft
Gottes Liebe zu beschreiben,
die auf dem Grund unseres Herzens liegt,
doch sie ist unbeschreiblich,
weil es für sie keine Worte gibt.
Nananana...«
Als Bonus kann man noch ein 20minütiges Interview des
Solisten mit der christlichen Journalistin Doro Wiebe (u.a. 'CrossChannel')
hören, wo es um Motive für die Musik und inhaltliche Ausrichtung geht.
Kernaussage des Zwiegesprächs sind solche Sätze von Böttcher wie: »Früher,
bevor ich von Gott angerührt wurde, war ich immer traurig, auch wenn ich
glücklich war. Jetzt bin glücklich, auch wenn ich traurig bin. [...] Ich
glaube, daß auch nur Gott das ändern kann! [...] Nur Gott kann das tun,
nur Gott kann überzeugen - ich war immer in dem festen Irrglauben, um
Gott zu gefallen, daß ich etwas leisten müßte. Und das ist
ja die revolutionäre Erkenntnis, daß Gott uns liebt, wie wir sind.
Gott ist real, Gott existiert.« Zudem gibt es von einem
anderen Solokonzert (7.1.2005 in Rieckhof) drei SplitScreen-Songs zum
Reinschnubbern! "Kein Weg zu weit", "toter Mann" sowie "Frieden" werden
von Jens Bötter allein mit seiner Gitarre in zarten, offenherzigen Akustikversionen
dargeboten. Gänsehautfaktor inklusive. Überdies wurde die DVD von Asaph
Musik makellos gemacht. Sogar eine einzelne Trackauswahl wurde eingefügt
(über dem Pfeil im Hauptmenü erreichbar!), womit auch etappenweiser
optischer und akustischer Genuß möglich ist ;-)

Fazit: Gott ist kein Weg zu weit, um Menschenherzen anzurühren. Er scheut
weder Mühe noch Kosten. Ein Zeugnis davon kann man auf dieser DVD nacherleben,
indem Jens Böttcher auf musikalische Art und Weise an seiner Lebensgeschichte
teilhaben läßt. Gleichzeitig vermittelt seine Musik anderen Menschen Trost
und Hoffnung in Jesus Christus. Schön, daß ihm und seinem Team kein Aufwand
zu groß war, diese Himmelherz-Optik zu ermöglichen.
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