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Sara Groves – ''nomad'' (DVD)

Sara Groves
"nomad: sara groves – just showed up for my own life" (DVD)


   ( 2006 Fearless Films, INO Records / online )

»Ich will gegen die Dunkelheit der Welt protestieren.
Mit der Schönheit meiner Ehe,
mit der Schönheit meiner Familie.«

(Sara Groves in der Einleitung zu "Why It Matters")

Visionen von Schönheit in unserer Wirklichkeit

Lange habe ich mich danach gesehnt, Sara Groves endlich einmal live zu sehen und zu hören. Nun ist es auch ohne Amerika-Flugticket so weit: In der DVD "Nomad: Sara Groves – Just Showed Up For My Own Life", die Konzertaufnahmen und Reality-Film kombiniert, rückt die Sängerin-Songwriterin aus Minneapolis, Minnesota, ganz nahe ...

Auf ungewöhnliche Weise übersetzt diese DVD die Botschaft ihres letzten Albums, "Add To The Beauty" (2005), aus der Welt der schönen Klänge in die praktische Wirklichkeit. "Erlösung geschieht an eigenartigen Orten, an schmalen Stellen, macht uns zum Besten fähig", heisst es ihm Titelsong, "ich will zur Schönheit beitragen, um eine bessere Geschichte zu erzählen." Und in "Just Showed Up" singt sie sinngemäss: "Ich werde ein inspiriertes Leben leben, nach dem Heiligen im Alltag ausschauen, meine Fenster öffnen und all das, was ehrlich und echt ist, fühlen, bis ich wirklich berührt bin ... und es wird unser Leben verändern." Und so begleiten wir auf "Nomad, der Show ohne Zuhause", nicht nur die Musikerin ins Scheinwerferlicht der Konzertbühne, sondern lernen zuerst einmal ihre Familie kennen und rollen mit ihr südwärts nach Slidell, einen Vorort von New Orleans, wohin sie nach der Hurrikan-Katastrophe mit ihrem Tourbus in einer Spontanaktion gesammelte Babyutensilien karrte – 1200 Meilen weit und nicht ohne Panne – und wo sie erlebte, wie der Wunsch zu helfen viele mobilisierte. Als "complete divine appointment" bezeichnet es Sara Groves, wie viele kleine Handreichungen zu einem eindrücklichen Hilfsangebot zusammenfanden, das Gott die Ehre gab.

Sara Groves in Ruanda Aufwühlend ist der Reisebericht aus Ruanda in Zentralafrika, wo sie und ihr Mann Troy sich einer von Rick Warren geleiteten Gruppe anschlossen, die auf Einladung von Präsident Kagame das Land besuchte und sich über Versöhnung und Wiederaufbau nach dem Völkermord von 1994 (über 800'000 Ermordete) informierte. Der umstrittene P.E.A.C.E.-Plan von Warren, der Ruanda zur ersten "Purpose-Driven Nation" umgestalten soll, wird jedoch nicht weiter erwähnt, der Film konzentriert sich auf Sara Groves' Erfahrungen, ihren persönlichen Zugang zu diesem Volk. Mit ihr betreten wir die Murambi-Gedenkstätte, in der mumifizierte Leichen auf Schautischen, Schädel und Kleiderresten an die Greuel ermahnen. Ein schrecklicher Anblick, mit tränenerstickter Stimme kommentiert: "Was kann man hierzu sagen?" Und doch berichtet Sara Groves, die sich zunächst vor dem Leid, das sie sehen würde, gefürchtet hatte, dass auch hier Schönheit zu finden sei: in den Kindern, in versöhnten Nachbarn, im Überlebenswillen, im Umdenken. Sie fühle sich entgegen ihren Erwartungen nicht erdrückt, sondern lebendig und dankbar, dass Gott ihr diese Dinge zeige, ihre Ansichten vom Leben zurechtrücke.

Temporeiche, musikunterlegte Film-Collage

Nichts wird inszeniert, man stellt sich nicht lächelnd zur Gruppenfoto auf, manche Stimme gerät ins Stocken, manche Aufnahme wackelt ... Der ständige Wechsel zwischen den Schauplätzen verwirrt anfangs, aber es werden Orte, Namen und Hintergrundinfos eingeblendet, und erklärende Interview-Sequenzen bilden einen Rahmen. Im TV-Stil folgt diese Film-Collage einer durchdachten Regie, die entlang von Themen (und nicht Zeitachsen) führt und sich auch im passenden Soundtrack mit Groves-Liedern zeigt. Vielleicht prägt sich gerade deshalb das Gesehene tief ein: zupackende Hände beim Ausladen der Hilfsgüter, die Schluchzer der dankbaren Grossmutter, die ruandische Landschaft, der Schwarm schwarzer Kinder um den Helikopter. Mir blieb einiges Wertvolles hängen: etwa der Rat, beim nächsten Unglück nicht danach zu fragen, wo Gott denn sei, sondern: "Wo sind Gottes Leute?" Gary Haugens' (Präsident von International Justice Mission) Schilderung, wie er inmitten der Leichenberge 1994 in einem überlebenden Ruandermädchen den Wert eines Menschenlebens neu erkannte. Sara Groves' Geständnis, wie sie gegen Lebensangst ankämpfte: "Der Docht soll vergehen ... das Wachs soll zergehen ... Ich möchte bis zum Grund niederbrennen." Gelungen finde ich auch den Gruppen-Diskussions-Führer, in dem Fragen zu einzelnen Film-Ausschnitten (ähnlich wie in ihrem MySpace-Blog) zur Vertiefung anregen.

Konzert-Mitschnitt – berührend schön
Sara Groves in Ruanda
Der Konzertteil, aufgezeichnet im Februar 2006 auf der Tournee mit Jars of Clay und Derek Webb, erfasst all das, was Sara Groves charakterisiert: ihr samten-warmer Gesang, ihre klavierbasierte, folkige Musik, der liebevolle Humor und die inspirierende Botschaft ihrer Lieder über Jesus, Beziehungen, Liebe, Kunst und das Leben; auch ihre entwaffnend offene Kommunikation mit dem Publikum und der Zusammenhalt der Familie Groves auf der Bühne. Das bestens eingespielte Trio mit Sara Groves am Keyboard, Troy Groves an der Percussion, Aaron Fabbrini an Bass und Kontrabass bietet in heruntergeschraubten, aber groovenden Arrangements acht Stücke dar, darunter auch "Small Piece Of You" mit seinem feurigen Bluegrass und das schrullige "When He Cries" von ihrem Eltern-Projekt "Station Wagon" (2005), die beim Publikum spürbar ankommen.

Bereits in den ersten Stücken, dem beschwingten "You Are The Sun" und Pierce Pettis' "You Did That For Me", macht die Sängerin das Zentrum ihres Lebens und ihrer Lieder deutlich. Besonders berührend: "Maybe There's A Loving God" zu pulsierendem Trommelrhythmus, das hoffnungsvolle "When It Was Over", das auch zu einfacher Klavierbegleitung Gänsehaut erzeugt, und der Protestsong gegen das Dunkle dieser Welt, "Why It Matters", hier mit Kontrabass statt Cello. Sara Groves leitet manches Stück mit einer persönlichen Erklärung ein. In schlichten, packenden Worten legt sie ihre Begeisterung dafür dar, dass wir Gottes Zeugen sein dürfen in den Jahren, da wir hier sind, dass Gott die Kirche mobilisiert und wir Teil davon sein dürfen. Eine mitreissende Darbietung von "Add To The Beauty" mit Zuzug von Gitarrist Steve Mason von den Jars schliesst das in ruhig wechselnden Bildern und mit Liebe zum Detail gefilmte Konzert ab. Es hätte immer so weitergehen können!

Fazit: bewegend, berührend! Der Konzertteil ist aufs Schönste gelungen und zeigt Sara Groves genau so, wie sie ihr Publikum liebt. Der collageartige Reality-Film, der die Sängerin während acht Monaten beobachtet, verdeutlicht die Botschaft ihrer Kunst und spornt zu einem Glauben in Aktion an.


—Monica Seidler für CCM-Rezis, August 2006


Daten:
DVD / Reality-Film (60 Min.) und Konzert (40 Min.) / Special Features / Sprache: Englisch, keine Untertitel / Kategorie „PG“ (unter Aufsicht der Eltern anschauen)
Art: Dokumentation, Interview, Live-Konzert, Making of
Musikstil:
Akustik-Folk, Piano-Pop
Label(s): 2006 Background Entertainment, Fearless Films, INO Records, USA /
               online
Website: www.saragroves.com  /  www.addtothebeauty.com

Wo kaufen?:
bei Profimusic (CH) / Nomadshow (USA)

weitere Rezensionen – siehe Sara-Groves-Künstlerseite >>
 


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