Themenbeiträge - der Konzertbericht:
[ Erscheinungsdatum: 31.10.2000 / Update: 05.11.2000 ]

Das war die Spandauer Nacht 2000

Inhalt:

28. Oktober 2000, EFG Spandau, Berlin-Spandau
Bands: U.phonic (D) / Broomtree (USA)
Special Guest: International B-Boys (Breakdance-Crew)
dieser Konzertbericht: von David Decker (ccmtexte.de, shineMedia, Feuerflamme)

Bereits zum elften Mal fand in Berlin die "Spandauer Nacht" statt. An einem ganz gewöhnlichen Oktobersamstag begann am frühen Abend eine Rockparty der Extraklasse. In einem großen, leergeräumten Gemeindesaal (unter einer ehrwürdigen Orgel :) fand eine ausgelassene Feier statt. Eröffnet hat das Minifestival eine ganz junge Band aus Deutschland, namens:

U.phonic live ...U.phonic

(ju-fonnic gesprochen) Bis auf den Verstalter selbst kannte niemand der Konzertbesucher diese Band. Trotzdem war der Saal mit ca. 400 jungen Leuten voll und alle warteten gespannt, wie denn nun der Sound ist. Der Sänger dieser neuen Gruppe war früher mal bei Fish.Mac, die sich aber aufgelöst haben. Nun war es der erste offizielle Auftritt der Band, die in dieser Besetzung erst seit zwei Wochen bestand und gerade mal zwei Proben vor dieser Premiere hinter sich hatte!
Als es mit einiger Verspätung (war wohl die Soundtechnik...) endlich losging, mußten sich U.phonic erstmal die Gunst der Zuhörer erspielen. Doch dieses gelang ziemlich schnell. Bald wurden alle von dem funkigen Gitarrenrock mitgerissen. Der Band konnte man nun die Spielfreude ansehen und durch ihre Natürlichkeit hatte sie das Publikum bald ganz auf ihrer Seite. "Save in God arms" war eines der rockigsten Stücke von U.phonic, mit energischem aber mitsinggeeignetem Refrain und rap-artigen Strophen. Doch die vier Jungs hatten nicht nur härten Crossover-Sound zu bieten sondern auch Poppigeres. So gab es einige Einlagen mit einem "Hawaii-Groove" und viel souligen Gesang von Frontmann Hutch. Absolute Überflieger waren aber die Songs "pray" und "freak". Beide überzeugten durch ihre tollen Hooklines und den funkigen Rock, fast schon Dance-Rock. Bei "freak" gab es auch noch einige coole Breaks im Song, was die Spannung natürlich erhöhte. Mit seinen eingängigen Gitarren- und Gesangslinien wurde dieser Song zum absoluten Publikumsliebling. Nach ca. einer halben Stunde hatte U.phonic schon sein komplettes derzeitiges Programm vorgestellt, d.h. die Songs waren erstmal "alle"... Doch das Publikum ließ nicht locker und forderte schnell eine Zugabe. Die wurde auch prompt erfüllt und die beiden Rocker "save in God's arms" und "freak" kamen zum zweiten Mal an die Reihe. Jetzt waren sie schon etwas bekannt und die Party wurde zum ersten Mal richtig überschwenglich!
U.phonic-Sänger Hutch (Promo) ...Neben dem angesagten Melodic-PopFunkRock konnte U.phonic vor allem durch ihr Auftreten begeistern. Gitarrist und Bassist waren ständig in Bewegung und zeigten guten Einsatz. Der Sänger und "Chef" der Band - der auch die Lieder schreibt - hatte echt den Soul drauf. Er konnte sich mit ganzem Herzen in die Lieder reinlegen. Zugute kam dabei auch sein zur Musik passender Englisch-Slang. Leider waren aber die Texte nicht immer so gut verständlich und meist ging es um irgendwelche Liebesgeschichten und nicht zwingend um "christliche" Themen. Teilweise war die Botschaft bzw. die Ansagen etwas lax und verwirrend. Naja, dafür war alles weit weniger verspielt als in früheren Fish.Mac-Tagen. Insgesamt kann die Live-Dynamik noch verbessert werden, aber der erste Auftritt kam bereits überraschend gut an. Ganz sicher haben U.phonic exzellente Chancen im Radio, und da soll in Zukunft so einiges gehen - seien wir alle gespannt!
[ noch einige U.phonic-Links: Kurzvorstellung / offizielle Homepage / Homepage der Management-Agentur ]


Nach einer kurzen Pause ging es dann mit einer Special-Einlage von den

International B-Boys

weiter, einer Breakdance-Crew aus Berlin Wedding, deren Jungs alle noch im Teeniealter sind! Für die Vorführung wurde einfach im Saal eine Unterlage ausgerollt und los gings. Ihrem Alter entsprechend, boten die Boys wirklich eine ansteckende Performance und ernteten viel - verdienten! - Beifall. Als sie nach der für sie eingeplanten Zeit schon wieder gehen wollten, mußten sie doch noch mal umkehren und eine Zugabe hinlegen. - Wirklich ein tolles Pausen-Programm und gute Nachwuchsförderung so etwas!


Nach diesen Breakdance-Einlagen ging es nahtlos mit der zweiten Band des Abends weiter:

Broomtree live ...Broomtree

Genau wie U.phonic kannte auch Broomtree (bedeutet soviel wie "Ginsterstrauch") niemand im Publikum. Dennoch entwickelte sich schnell Begeisterung für diese Formation. Beim ersten Song warteten erst mal alle noch ab und beobachteten aufmerksam. Als die Band dann das Cover von "get away" (Lenny Kravitz) spielte, tauten die ersten so richtig auf... Danach ging es mit modernen Rocksongs weiter und die Party nahm ihren Lauf. Um den neugewonnen Fans eine Pause zu gönnen, folgte dann erst einmal eine "Balladen-Session". Im Anschluß ging es mit einer schnellen Rockphase weiter, die Songs hatten fast schon Punk-Charakter. Jetzt flippte das Publikum zum ersten Mal richtig aus.
Doch relativ schnell kam eine Anbetungszeit mit vielen bekannten Liedern. "Lord I lift your name on high" fetzte superschnell ab und alle waren voll dabei, als schien jeder auf diesen Song gewartet zu haben! Bei "shout to the Lord" (von Darlene Zschech / Hillsongs), "holiness" (bekanntgeworden durch SonicFlood) und "I could sing of your love forever" (von delirious?) sangen praktisch auch alle mit. Nach dieser Besinnungspause kamen die Rockfans nochmal auf ihre Kosten. Broomtree legte jetzt erst richtig los. Die meisten hatten wohl nicht geahnt, was in diesem Quartett noch alles drinsteckt :) Vom Sound her kann man das vielleicht als harten Modern-Rock bezeichnen. Jedenfalls tobte die Menge; Band und Publikum konnte man den Spaß abspüren. Es ist klar, daß Broomtree am Ende gleich zwei Zugaben geben mußten, die Leute wollten sie gar nicht recht gehen lassen, so super war die Stimmung!!!
Broomtree 1999 (Promo) ...Broomtree, daß sind alles Profimusiker, die es echt drauf haben. Sie können abrocken, was das Zeug hält, überzeugen aber genauso bei den ruhigeren Stücken. Das Geheimnis der frommen Rocker aus Columbus, Ohio, ist die Sängerin, Bandgründerin und "Chefin" Kylie Schilg. Sie hat fast alle Songs der Band selbst geschrieben, spielt profimäßig Gitarre und hat eine begeisternde "Rockröhre". Immer kommt der Gesang glasklar rüber und man konnte die Texte relativ gut verstehen. Irgendwie verfügt Kylie auch über theatralisches Talent, denn sie hatte das Publikum durch ihre Gesten und ihre freudige Natürlichkeit jederzeit auf ihrer Seite. Besonders die Herren der Schöpfung waren wohl angetan von ihr, nicht nur davon wie sie auf ihrer Gitarre abrockte und auf der Bühne rumjumpte. Es ist wohl nicht übertrieben, wenn man sie als die größte Rockerin unter den christlichen Rockladys bezeichnet. In der Art, wie sie am Mikro steht und die Lieder vorträgt, werden manchmal auch Vergleiche an Leigh Nash von Sixpence None The Richer wach...
Schlagzeuger Trevis verstand auch sein Handwerk. Er legte teilweise so wild los, daß ein Helfer ab und an das Equipment nachstellen mußte. Trevis ist das neueste Mitglied der Band, erst wenige Monate dabei, aber dafür scheint es ihm schon ausgezeichnet zu gefallen. Bassist Glen war durch die ausgelassene, energische Rockzeit im zweiten Teil des Broomtree-Sets richtig verausgabt, bei den Zugaben konnte man ihm die Erschöpfung ansehen... Seit April 2000 ist er bei der Band dabei. Bisher hat er schon bei etlichen christlichen Bands mitgespielt und man merkt ihm die Erfahrung wirklich an. Gitarrist Nathan war auch immer mit ganzem Einsatz dabei. Und zwar so, daß ab und zu mal eine Seite riß und er erstmal das Instrument auswechseln mußte. Nathan ist schon seit zwei Jahren bei der Band und auch auf dem 1999er Album "transparent" zu hören.
Inhaltlich hat die Band auch durch die Ansagen unmißverständlich klar gemacht, wer ihr Herr ist, und das es ihnen ein Anliegen ist, daß noch viele errettet werden durch Christus. Wie man auch durch die CDs der Band erkennen kann, drehen sich alle Lieder um christliche Themen, d.h. um alle möglichen Glaubensfragen, aufbereitet in jugendverständlicher Sprache.
Insgesamt war es ein total fetziger Gig mit viel Rockmusik für's neue Millennium. Broomtree bedient eine Bandbreite von melodischem Dance-Rock (z.B. das eingängige "deliver me" von der neuen CD, die 2001 kommen soll...) bis hin zu Core- und Punk-Elementen. - Zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug sprechen eben eine deutliche Sprache ;-) - Aber auch für eine Worship-Einlage ist die Band immer aufgelegt, genauso wie für einen Gag. Die Band hat enorme Live-Erfahrung, da sie die USA schon zweimal komplett abgetourt haben, einmal mit Petra (!) und einmal mit Polarboy (sind Labelkollegen und waren 1999 in Berlin zu Gast!).
[ noch einige Broomtree-Links: Kurzvorstellung / offizielle Homepage / Homepage der Plattenfirma / Homepage des Bassisten, Glen K. / deutsche Übersetzungen der beiden CDs / CD-Rezension "transparent" / CD-Rezension "broomtree" ]

Einen frommen Starkult gab es an diesem Abend (und Wochenende) nicht. Nach dem Auftritt konnte sich jeder, der wollte, ausführlich mit den Leuten von der Band unterhalten, was ja viele auch gemacht haben. Man wird gemerkt haben, daß die Bands begeistert waren von der Stimmung und daß sie sich in "good 'ol Germany" sichtlich wohl fühl(t)en. Schön, daß mal zwei völlig neue Bands eine Chance bekamen!

Nachdem das Konzert gegen 23 Uhr beendet war, fuhren natürlich die meisten Leute wieder nach Hause und es wurde noch kräftig aufgeräumt... Doch so richtig zu Ende war die Veranstaltung eigentlich noch nicht. Den inhaltlichen und musikalischen Abschluß gab es erst im Anbetungsgottesdienst am Sonntagvormittag, dessen Programm die Jugendgruppe der Gemeinde gestaltete. Die Broomtree-Leute begleiteten die Lieder auf Akustikgitarre und stellten sich der Gemeinde vor. Es war eine freudige und besinnliche Zeit, die unter dem Thema "Bekennen" stand. So wurde jeder herausgefordert, den eigenen Glauben ganz persönlich und in und mit der Gemeinde nach außen hin zu zeigen.


Über den Veranstalter:

Seit 1990 veranstaltet die EFG-Spandau, eine Berliner Baptistengemeinde, erfolgreich die "Spandauer Nacht". Die Verantwortlichen und vielen jugendlichen Helfer kommen alle aus der Gemeinde und haben alles selbst gemacht. Die Organisation war einfach super und es hat alles bestens geklappt. Besonders zu erwähnen sind die ungeschlagen günstigen Preise: nur 15 DM Eintritt für drei Acts ist wirklich wenig. Dazu kam noch eine gut organisierte Verpflegung mit belegten Broten und Grillzelt im Innenhof!
Zugute kommt den Spandauern ihre jahrelange Erfahrungen im christlichen Bereich. Man hat schon einige Höhen und Tiefen erlebt und immer wieder an dieser Art Veranstaltung festgehalten. Heutzutage ist es ja wirklich nicht einfach ein christliches Konzert auf die Beine zu stellen. Noch dazu mit internationalen Künstlern und relativ wenig Geld in der Tasche. Das es trotzdem funktioniert, dafür sorgen die klare Vision, 110% eigener Einsatz, viel Kreativität und die Freude an der Musik. Am wichtigsten ist jedoch das Ziel, Nicht-Christen mit der Veranstaltung anzusprechen und auch Christen eine gute Alternative zu bieten.
Wer auch gern christliche Konzerte veranstaltet (oder erst noch möchte), kann sich gern an das Spandauer-Nacht-Team wenden, Erfahrungen austauschen und viel lernen.

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Spandau - Jagowstraße
Jagowstraße 17
13585 Berlin

Telefon: 030 - 3 63 24 24
e-mail: info@spandauernacht.de
Web: www.spandauernacht.de

P.S. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es im Oktober 2001 eine (dann zwöflte!) Neuauflage geben! Dann bist auch DU ganz herzlich nach Berlin-Spandau eingeladen.


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